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Greenwashing statt Ökostrom für Bahncard-Kunden

18.05.2013, von

Haben Sie die grünen Krawatten bei der Deutschen Bahn gesehen? Ja, die zeigen klar sichtbar und unverkennbar an: Wir haben verstanden! Nein, nicht dass die Bahn jetzt pünktlicher sein würde. Nein, nein, aber grüner wird sie. 100 % Ökostrom für Bahncard-Inhaber, wirbt die Bahn, Zitat: „Seit April reisen BAhnCard-Kunden und Besitzer einer Streckenzeitkarten in den Fernverkehrszügen innerhalb Deutschlands ganz automatisch mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die Kosten für den zusätzlich eingekauften Ökostrom übernimmt der DB-Fernverkehr.“ Super, oder?
Obwohl: Wo kommt der denn her, der Ökostrom? Haben Sie schon mal entlang der Bahnstrecken oder auf den Bahnhöfen Solaranlagen gesehen oder Windräder? Nee, nicht. Die Bahn kauft den Grünstrom bei anderen ein. Also machen wir ein Beispiel. Die Bahn weiss: Herr Weiss hat eine Bahncard, fährt Mainz – Stuttgart und zurück, 400 Kilometer, braucht dafür soundsoviel Strom und den kauft die Bahn dann bei RWE als Ökostrom ein. Moment, RWE, das sind doch diese Stromrebellen aus Nordrhein-Westfalen, die schon immer gegen die Energiewende rebelliert haben. Tun sie immer noch. Und ausgerechnet bei denen kauft die Bahn Ökostrom?

Kein Problem, soo viel Grünstrom ist das eh nicht, denn erstens bleibt der Nahverkehr völlig draußen und zweitens auch der Güterverkehr. Das ist ungefähr so als wenn ich Ihnen erzähle, was für ein Öko ich bin, weil ich immer mit der Bahn nach Stuttgart fahre, aber nebenher mein Wochenendhaus auf Malle völlig außen vor lasse. Und dann ist es ja auch nicht so, dass Grüner Strom eine neue Erfindung wäre und große Wasserkraftwerke betreibt die RWE schon seit Jahrzehnten. Nur neue Investitionen in Erneuerbare, die fährt die RWE runter.
Gerade der Anteil von Neuinvestitionen unterscheidet aber echten Ökostrom von welchem, der nur krawattengrün eingefärbt ist. Einen Öko-Aufpreis für alte abgeschriebene Wasserkraftwerke kassieren ist clevere Geschäftspolitik, aber nicht grün. Das heisst dann aber: Wenn die Bahn mit Ökostrom wirbt, dann gibt’s unterm Strich nur ein bisschen Umverteilung beim bestehenden Strommix, aber kaum ein echtes Mehr an Erneuerbaren Energien. Das nenn ich mal Marketing! Oder wäre „Greenwashing“ vielleicht doch zutreffender?

Kommentare zu „Greenwashing statt Ökostrom für Bahncard-Kunden“

Es sind 4 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Max Fischer
    schreibt am 22. Mai 2013 20:49 :

    Hallo Axel,

    „Haben Sie schon mal entlang der Bahnstrecken oder auf den Bahnhöfen Solaranlagen
    gesehen oder Windräder? „

    JA die Windräder habe ich gesehen – ob die der Bahn gehören weiß ich nicht. Das ist aber egal da sie zu Beginn dieses Jahres eh tagelang stillstanden. Bei bedeckten Himmel, auch Solarzellen hätten nichts gebracht.

    In welche neuen Energiequellen hätte denn dann noch investiert werden sollen damit Dir es grün genug ist?

    Sollen die letzten frei fließenden Flüsse und Bäche für Wasserkraft zugebaut werden?

    Mehr Mais um mit Biogas Strom zu erzeugen?

    Oder möchtest Du Palmöl um Dieselloks anzutreiben?

    Max

  2. Chris
    schreibt am 26. Mai 2013 13:14 :

    Hallo

    kleiner Hinweis: Prof. Dr. Claudia Kemfert, die Autorin des Buches „Kampf um Strom“ hat sich am 12.3 bei Pelzig hält sich ebenfalls zum Thema Deutsche Bahn und Ökostrom geäußert! Kann ich nur empfehlen ! Das Interview mit ihr beginnt bei ca. 30:10 min. die Äußerung zum Bahn-Thema bei ca. 35:12 min.!

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1860002/Pelzig-h%C3%A4lt-sich%22-vom-12-M%C3%A4rz-2013

    Schöne Grüße

  3. Tobias
    schreibt am 13. Juni 2013 06:49 :

    Das das hauptsächlich ein Marketing Gag war, war für mich wie für viele die mit der Thematik halbwegs vertraut sind, von Anfang an klar. Ein radikaler Schritt welcher der Umwelt wirklich dienen und der Bahn zu einem erheblich positiveren Image helfen würde (abgesehen von der Publicity die dann vermutlich auch weite Wellen schlagen würde ohne riesiges Werbebudget) wäre der 100%ige Wechsel zu einem „echten“ Ökostrom-Anbieter…
    Das ist zumindest ein schöner Gedanke.

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