. .

Blumenkohl des Bösen – die EU und das Saatgut

26.04.2013, von

Alles neu macht der Mai und das hat sich wohl auch die EU-Kommission gedacht und legt jetzt am 6.5. einen „Gesetz“entwurf vor, der neu regeln soll, welche Pflanzen künftig angebaut werden dürfen und welche nicht. Tja, da rührt uns Brüssel ein lecker Süppchen an und wenn nicht alles täuscht, will die Kommission auch, dass das so heiß gegessen wie gekocht wird. Die Köche grinsen sich bereits eins, die Herren Syngenta, Dupont, Monsanto und wie sie so heißen. Denen gehört zwar schon mehr als die Hälfte des Weltmarkts für Saatgut, aber wie sagt man so schön: wer hat, dem wird gegeben.

Einheitsbrei ist angesagt. Weg mit den lokalen Sorten, dem alten Kruschkram, wer braucht denn heutzutage noch Vielfalt im Supermarkt? Von Aldi lernen heisst siegen lernen – und hat der Aldi Vielfalt im Regal? Nein, eben nicht. Weniger ist mehr, lautet die Devise. Eins, zwei Apfelsorten tuns doch auch. Granny Smith zum Beispiel, hübsch grün und einer schöner wie der andere. Makellose Äpfel, jeder ein perfektes Designstückchen. Da kann kein Bioschrumpeläpfelchen gegen anstinken und wenn es noch so einen posierlichen Namen trägt wie „Holsteiner Rosenhäger“ oder „Weiße Wachsrenette“.

Immer weniger Saatgutbetriebe gibt’s, zahllose Patente der Großindustrie fegen die kleinen Krauter vom Weg. Mit Erfolg: Seit 1990 gingen weltweit drei Viertel der genetischen Vielfalt in der Landwirtschaft verloren – und gleichzeitig ist die Zahl der Hungernden um 130 Millionen zurück gegangen. Weniger Vielfalt, weniger Hunger. Wir sehen: Zuviel Auswahl schadet nur. Da steht man vor dem Obstregal, kann sich nicht entscheiden und schon ist man verhungert. Da ist es doch gut, dass die chemische Industrie der EU-Kommission immer fleissig einflüstert, was zu tun ist.

Einfalt statt Vielfalt. Ist doch nur zu unser aller besten. Das werden auch diejenigen einsehen, die bisher wie der Verein Freie Saaten aus Hassloch noch darauf pochen, dass Pflanzen und Tiere nicht patentierbar sein sollten und für alle da sind, Allgemeingut sozusagen. Wer etwa unter Freie-saaten.org im Netz schaut, stößt auf eine Datenbank mit Nutz- und Kulturpflanzen, die bisher nicht in der EU-Sortenliste stehen. Sowas wie „Mombacher Winter“, ein Winterkopfsalat. Kann man dort kaufen, privat aber nur und ohne damit ein Geschäft machen zu wollen. Keine Bange, sagt die EU, sowas braucht auch künftig nicht das volle Zulassungsverfahren, ein vereinfachtes Verfahren reicht. Nur zehn Stunden Aufwand pro Sorte. Ist sie nicht nett, unsere EU? Der Verein Freie-Saaten braucht sich also um seine 1.200 Sorten keine Sorgen zu machen. Nach gerade mal vier Jahren tagtäglicher Arbeit wird er alle fein säuberlich bei der EU registriert haben.
Und natürlich sollen auch die Kleingärnter weiter privat Saatgut etwa von alten Sorten verwenden dürfen wie bisher, sagt die EU. Dass es das freilich im Handel künftig dann gar nicht mehr geben wird, stört nur Kleingeister. Und was, bitte, ist ein Kleinbauer? Wieviel Obst darf ich dafür bei den Nachbarn verkaufen? Die Definitionen bleiben so schwammig, dass zahlreiche NGO bis hin zum DNR sehr besorgt sind.
(Übrigens: Wer ebenfalls nicht ganz überzeugt ist, dass die EU-Kommission in ihrer Weisheit die richtigen Regeln für Europa fertigt, kann seinem Unmut u.a. hier Ausdruck verleihen. Campact hat auch einen Online-Appell. Der Aufstand im Gemüsebeet hat vss. noch ein Jahr Zeit, bis die Vorschläge der Kommission wirksam werden)

Kommentare zu „Blumenkohl des Bösen – die EU und das Saatgut“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Tom
    schreibt am 26. April 2013 12:04 :

    Von einem Mitarbeiter einer Fachredaktion sollte man vielleicht ein wenig Recherche und kritisches Urteilsvermögen erwarten können – denn diese ach so bösen neuen Vorschriften sind nämlich nur Gerüchte und nichts mehr. Was wirklich kommt, wissen auch die Initiatoren der Petition erst am 6. Mai.

    • Axel
      schreibt am 26. April 2013 12:23 :

      Sorry, aber das sind keine Gerüchte, sondern kursierende Entwürfe. Und es ist durchaus Teil meines Jobs, mich auch im Vorfeld einer offiziellen Präsentation mit den Vorlagen zu beschäftigen – und daraus Schlüsse zu ziehen. Wenn’s dann anders kommt, weil die Kritik gegriffen hat, dann soll mir das Recht sein.

Schreibe einen Kommentar

*

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2020