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Wir sind Papst. Zumindest im Recycling.

21.03.2013, von

Wir sind nicht mehr Papst, schade eigentlich. Obwohl: ein bisschen Papst sind wir immer noch. Wir sind Recyclingpapst. Zusammen mit Österreich und Belgien haben wir 2010 europaweit den größten Prozentsatz an städtischem Müll wiederverwertet, sagt eine Studie der Europäischen Umweltagentur im Internet, und nur unsere scharmanten Nachboan im Südostn ham uns um oan Prozenterl gedobt: 63% Recyclingquote in Österreich. Wir sind also mit glänzenden 62% präzise gesagt: Stellvertretender Europäischer Müllrecyclingpapst. Dann kommen die Belgier auf Platz 3 mit 58% und der Rest – geloost, selbst die Schweiz schafft nur 51% .
Im Schnitt haben die Europäer inclusive Norwegen, Schweiz, Kroatien und Türkei derzeit 35% Recyclingquote. Gar nicht übel, ein Drittel höher als noch 2001. Aber bis zum erklärten EU-Ziel, bis 2020 die Hälfte des Hausmülls zu recyceln, ist es noch ein weiter steiniger Weg. Aber wir werden das schon schaffen, die anderen zum Mülltrennen zu bringen: am deutschen Wesen soll Euro-Müll genesen, da haben wir Erfahrung, da sind wir gut.
Erst die Tage wieder bei meinen Nachbarn zu Hause: da hing mal wieder ein Zettel an der Biomülltonne: Seit wann denn eine defekte Kaffeemaschine Biomüll wäre und sie, unsere Nachbarn, wären entweder blöd oder böswillig oder beides. Unser Nachbar stellt seitdem ja seine Biomülltonne nicht mehr zu den anderen dazu, sondern lässt sie bis kurz vor der Leerung gut bewacht neben der eigenen Haustür stehen. Nicht, dass ihm noch mal jemand eine Kaffeemaschine reintut.
Und ich hab mir gedacht, oho, ein Müllsheriff, das kannte ich bisher eher von ökostalinistischen Hochburgen wie Tübingen. Da ging schon mal ein Bibabutzemann vor der Leerung herum, hat in die Tonnen geäugt und wehe, da lag im Restmüll eine Kartoffelschale und ein Bonbonpapierle im Komposchteimer. Mein Lieberle, das gab Ärger.
Ich frag mich, ob die Briten sich ein Beispiel genommen und ein Ökomüll-Blockwartsystem eingeführt haben? Fakt ist: die Briten haben zwischen 2001 und 2010 ihre Recyclingrate mehr als verdreifacht auf jetzt 39%. Respekt, Great Britain. Auf den Rest des alten Empires hat das aber offenbar nicht überall abgefärbt, denn wer in Europa produziert pro Kopf am meisten Hausmüll? Die – einst britischen – Zyprioten, bis vor kurzem übrigens noch britisches Renterparadies: 750 Kilo, Tendenz: steigend, dicht gefolgt übrigens von der Schweiz.
Das ist ungefähr das Doppelte von dem, was der Rumäne so in den Hausmüll schmeisst. Die haben nämlich nichts und wer nichts hat, kann nichts wegschmeissen. Und damit ist auch klar, was so eine Müllstatistik aussagt: herzlich wenig. Denn nicht die Recyclingquote ist das entscheidende, sondern die Müllvermeidung, die Ressourcenschonung. Insofern stehen Bulgarien, Türkei und Rumänien gar nicht so übel da, wie ihre lausig niedrige Recyclingquote von wenigen Prozent vermuten lassen würde. Tja, alles eine Frage der Sichtweise.

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