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Pferd-Trade statt Fairtrade

15.02.2013, von

Also mit dem Pferdefleisch, das ist schon eine Sauerei. Wie sagt unsere Verbraucherschutzministerin Ilse The Horse Aigner: „ein krasser Fall von Verbrauchertäuschung“. Obwohl: Wieso eigentlich? Wer vorgefertigte Lasagne der Eigenmarke des jeweiligen Supermarkts kauft, weiß doch im Grunde genau, worauf er oder sie sich einlässt. Oder könnte es zumindest wissen. Industrielle Tierhaltung mal industrielle Verarbeitung ist gleich industrielles Lebensmittel.

Und weil da die Margen gering sind, macht’s nur die Masse – sowie cleveres Ausnutzen von Preisunterschieden: Besamung hie, Aufzucht dort, Schlachtung wieder woanders, acht Stunden Tiertransport lässt die EU ja immer noch am Stück zu, da können wir doch noch froh sein, dass die Herren Betrüger diesmal nur leckeres Pferdefleisch verwendet haben, womöglich noch von rumänischen Halb-Wildpferden aus dem Donaudelta.

In England und dann in Frankreich ist aber Pferdefleisch mit Medikamentenspuren aufgetaucht. Den Engländern gehn jetzt die Muffen, dass auch die letzten Jahre schon 4 Prozent des Pferdefleischs stärker belastet waren als ihnen lieb sein kann. Wenn diese Kontrollen nur nicht so teuer wären… Ach ja, die liebe Marktwirtschaft. Wettbewerb ist ja schön, aber wer im Lebensmittelsektor Geld wie Heu machen will, muss schon mal die Mentalität eines Pferdehändlers haben. Und beim Pferdekauf wird traditionell immer noch mehr beschissen als beim Gebrauchwagenhandel und das will was heißen. Pferd-Trade statt Fairtrade.

Neulich auf der Grünen Woche, da haben 25.000 protestiert: gegen die industrielle Agrarproduktion. Aber wenn wir das ernst meinen, dann werden wir uns verdammt anders ernähren müssen. Da können wir Omas Kochbuch rauskramen, wo der Schwarze Brei aus geschmälztem Getreide noch morgens das alltägliche Frühstück war und nicht nur auf der Schwäbischen Alb. Fleisch – ha, was für ein Luxus! Höchstens an Feiertagen! Darf’s ein bisschen Pferd sein? Was Großmutter noch wußte: harte Zeiten, karg das Brot. Heute: Nur die feinsten Filetstückchen bitte, aber kosten dürfen die nichts. Dazu alles bitte perfekt haltbar und anmutig vorgekocht, nur essen muss ich noch selbst. Und das soll funktionieren, ohne dass ab und an jemand das System weidlich ausnutzt? Da wiehern ja die Pferde.

Kommentare zu „Pferd-Trade statt Fairtrade“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Naturfreund
    schreibt am 16. Februar 2013 16:43 :

    Hallo Axel,

    besten Dank für Deinen tollen Artikel zum aktuellen Lebensmittelskandal. Du hast Deine Formulierungen mal wieder geschickt genau auf den Punkt gebracht uns sprichst mir damit voll und ganz aus der Seele. Besser kann man die vorherrschend profitorientierten Auswirkungen der konventionellen betriebenen Lebensmittelindustrie sowie das mehrheitlich sorglose Konsumverhalten in der heutigen Zeit nicht darstellen.

    So lange ein Großteil in der Bevölkerung nicht bereit ist, für gute Lebensmittel angemessenes Geld zu bezahlen, werden sicherlich noch unzählige solcher Lebensmittelskandale folgen. Denn in Deutschland darf das Essen ja bekanntermaßen so gut wie nichts kosten. Bei anderen Konsumgütern sieht es da wesentlich anders aus, zum Beispiel beim dicken Auto oder beim Smartphone etc. . Für Prestigeobjekte greift man eben gerne auch einmal etwas tiefer in die Tasche. Der Gang in den Bio-Laden ist für viele nur eine kurze Episode, nämlich nur dann, wenn wieder einmal ein Lebensmittelskandal zum Nachdenken anregt. Und nach kurzer Zeit ist man wieder dem alten Konsumtrott verfallen und es schert einem nicht die Bohne, was alles auf dem Teller landet.

    Gruß Naturfreund

  2. Florian
    schreibt am 22. Februar 2013 18:18 :

    Ich stimme voll zu: Am Konsumenten führt einfach nix vorbei. Solange der sein Huhn für 2 Euro im Supermarkt haben will, wird sich auch nichts ändern. Ich bin ja absoluter Verfechter des reduzierten Fleischkonsums, auch wenn ich weiß, dass das gar nicht so einfach ist… Aber jeden Tag Fleisch muss und darf einfach nicht sein, das führt einfach in die Katastrophe, sowohl gesundheitlich als auch mit Blick auf die Folgen für die Umwelt…

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