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Grüner Gegenwind für rheinland-pfälzische Windräder

17.09.2012, von

Das war zu erwarten, dass die rheinland-pfälzischen Naturschutzverbände das heute vorgelegte Gutachten der Landesregierung zu Windenergie und Naturschutz kritisieren würden. Nur zwei Prozent Tabuflächen, die von vornerherein Windenergie ausschließen, das ist ihnen zu wenig. Dabei sind ihre Argumente teilweise genauso schräg wie Teile des kritisierten Gutachtens. Dem Luchs ist es nämlich piepegal, ob im Pfälzerwald Windräder stehen oder nicht – der überlebt stark befahrende Straßen nicht und illegale Jagdleidenschaften. Es macht auch einen Unterschied, ob ich ganze Eifelvulkane abbaue und plattmache oder ob auf ihnen ein paar Windräder stehen. Und wer weiß, mit welchem Enthusiasmus ein ernsthafter Naturschutz im Biosphärenreservat Pfälzerwald in den letzten Jahrzehnten – nicht – vorangetrieben wurde, der kann den Katzenjammer aus dieser Ecke über ein paar Windräder mehr oder wenig nicht ernsthaft ernst nehmen. Der Tonfall der Pressemitteilung ist so gehalten dass Böswillige vermuten könnten, zumindest ein Teil der Verbände wollte vor allem den Preis für mehr politische Beteiligung und Staatsknete für Landschaftspflege ein wenig nach oben treiben und nutze dazu die Windkraftdebatte.

Andererseits macht sich das vorgelegte Gutachten natürlich auch lächerlich, wenn es reihenweise Schutzgebiete auflistet und bewertet, die schon aufgrund ihrer topographischen Situation von vorneherein niemals als Windkraftsstandort in Frage kommen werden – oder möchte jemand Windräder in die Aarmündung, das Rhein- oder Moseltal stellen? Und dass das unterirdische Mayener Grubenfeld ungeeignet für Windkraftanlagen ist, dazu hätte es keines Gutachtens bedurft.  Da hätte man sich viel „Bewertungsarbeit“ und vernebelnde Prozentrechnerei sparen können. Nein, vor allem die Hochflächen und die Berge sind windhöffig und energetisch spannend.

Wer sieht, wie derzeit die Riesenwindräder im Hunsrück auf dem Hochsteinchen unübersehbar sprießen und das inzwischen reichlich verspargelte Hinterland von Kastellaun nach Süden begrenzen, der kann den ein oder anderen Ärger über die Störung der romantisierenden Landschaftsästhetik und Befürchtungen über Lärm und fehlenden Erholungswert wie auch Störungen der Zugvogelwelt durchaus nachvollziehen. Und machen wir uns nichts vor: Investoren sind die Interessen von Fledermäusen und Rotmilanen und örtlicher Bevölkerung völlig schnurz, solange sie nicht planungsrelevant sind. Das verstärkt den örtlichen Ärger, klar, und der lässt sich höchstens über mehr Beteiligung an den Erlösen der Windkraft eindämmen.

Naturschutz und Windkraft sind vereinbar, ja, aber eben nicht immer und überall. Da muss auch keiner so tun als wäre das anders. Es wird tierische Opfer geben und dann ist es vor allem wichtig, nicht in Zynismen zu verfallen. Ein Blick in die USA könnte da hilfreich sein, dort ist der technische Umweltschutz mit automatischen Abschaltungen etc. teil offenbar schon etwas weiter als hierzulande – nach massiven Protesten der Naturschutzverbände.

Es wird spannend zu sehen, ob es den beteiligten Ministerien in Rheinland-Pfalz gelingt, über ihren Windschatten zu springen und großzügigere Abstandregelungen in der Landesplanung und den Bauvorgaben zu verankern. Bislang sieht es nicht danach aus – das wäre ein fataler Fehler und für die dringend benötigte Akzeptanz der Erneuerbaren ziemlich schädlich. Das heute vorgelegte Naturschutz-Gutachten hätte bereits viel stärker ein Zeichen in Richtung Versöhnung setzen können. Warum sind die Natura2000-Gebiete nicht zunächst einfach draußen geblieben – Prüfung im begründeten Einzelfall dabei nicht ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein Zeichen gewesen.

Ein Leitfaden zu sein und Klarheit zu schaffen, „wo aus naturschutzfachlicher Sicht im Land Windkraft möglich ist“ ist ein Anspruch, der so nicht einzulösen war und ist, das kann dieses Gutachten nicht leisten. Letztlich für den Naturschutz entscheidend werden die Einzelfallprüfungen werden. Für pauschale Bewertungen ist Natur viel zu komplex. Das wissen Verbände wie Ministerien aber auch selbst sehr genau.

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