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Das grüne Wunder – filmisches Waldidyll ante portas

11.09.2012, von

Ab Donnerstag im Kino: Das grüne Wunder. Unser Wald. dpa überschlägt sich schier mit Superlativen. Poetisch zarte Bilder. Grandios. Imposant. Ich habe mir Teile des Films im Presseportal des Vertriebs angesehen: Ja, das ist schon erstklassig gemacht.

Hochglanz Naturdoku auf dem technischen Stand der Zeit. Viel Zeitraffer, gekoppelt mit Bewegung. Supertotalen und inszenierte Makroaufnahmen, deren Beleuchtung aussieht wie vom Lichtmeister im Studio gesetzt.

600 Drehtage, 70 Drehorte, tagelange Tarnzeltaufenthalte. Schon toll. Trotzdem beschleicht mich ein leises Unbehagen. Das alles wirkt sehr glatt. Zu glatt. LEBT dieser Film auch? Sind es spannende Geschichten, die erzählt werden oder bleibt es bei glattgespültem Hightech, wird mehr aufwändige Effekthascherei als echter Film präsentiert? Das inhaltliche Plädoyer für mehr „Urwald“ im Sinne der potentiell natürlichen Vegetation mit lichten Wäldern und Lichtungen zielt eigentlich in die richtige Richtung.

Vielleicht liegt’s auch am Sprecher, dem Schauspieler Benno Fürmann. Er reißt mich nicht mit. Eine wundervolle Stimme hat er, keine Frage, aber das reicht nicht. Die Stimme muss leben, was sie erzählt, und genau das fehlte mir in einem Teil der Ausschnitte, die ich mir angesehen habe. Das geht anders. Sonor allein reicht nicht. Aber ich lasse mich ab Donnerstag im Kino gern vom Gegenteil überzeugen, vielleicht waren es einfach die „falschen“ Ausschnitte.

Die Messlatte beim Naturfilm liegt inzwischen verdammt hoch. Es gibt kaum noch deutsche Produktionen, geschweigen denn: Hochglanzproduktionen, weil die internationale Konkurrenz so hart ist (BBC etc.) und die deutschen Sujets international nicht so einfach zu vermarkten sind. Insofern freue ich mich, dass Jan Haft jetzt seinen TV-Zweiteiler Mythos Wald von 2009 ins Kino fortschreibt (und ein international agierendes Unternehmen wie die Kölner Splendid Medien den Vertrieb übernimmt). Sehenswert wegen der Technik dürfte der Film sicherlich allemal sein, soviel lässt sich m.E. bereits sagen.

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