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Superstaudamm Belo Monte fertig geworden wäre gewesen

17.08.2012, von

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Mal wieder Baustopp am drittgrössten Wasserkraftwerk der Welt, dem Belo Monte Staudamm in Brasilien. Ein Richter befand jetzt, dass die möglichen negativen Folgen für die Umwelt hätten VOR einer Genehmigung untersucht werden müssen. Und nicht im NACHHINEIN, wie das 2005 vom Parlament beschlossen wurde.

Wie kleinlich. Das weiss man doch: erst mal machen und bauen, danach sieht man weiter. Das funktioniert in jeder lupenreinen Demokratie. Obwohl: stimmt nicht immer, wie ein Blick ins Neckartal zeigt. Aber damals kurz nach der Jahrtausendwende waren sie auch bei der Deutschen Bahn noch nicht auf den Trichter gekommen, dass die Beteiligung von Kreti und Pleti bei Grossprojekten wie Stuttgart21 durchaus angesagt sein könnte. Die Brasilianer sind da vermutlich heute noch im Zustand glückseliger Mappus-Denke aus der Vor-Kretschmann-Zeit, die haben ihr Stuttgart21 einfach noch nicht erlebt.

Ist halt auch nicht so dicht besiedelt, der Amazonas. Die 20.000 Indianier, die umziehen müssen, weil für Belo Monte ein zweites Schwäbisches Meer entsteht, achgottchen, ja. Wo gehobelt wird…  Was sind die Interessen von einpaar Ureinwohnern gegen rund 500 Quadratkilometer imposante Seefläche hinter drei gewaltigen Staumauern mit den sinstiftenden Namen: Schöne Aussicht, Schöner Berg und Pfeffrig.

Pikant ist allerdings vor allem die Tatsache, dass die Leistung des gigantischen Wasserkraftwerks mit all seiner Regenwaldzerstörung und sozialen Sprengkraft nicht mal einem Drittel der im kleinen Deutschland inzwischen installierten Windkraft entspricht. Dabei liegt der Großteil der Industrie Brasiliens im Südosten, weit weg von Amazonien. Bei Sao Paulo stehen im Küstengebirge aber bisher kaum Windräder. Damals, in den 1970er Jahren, als Belo Monte erstmals geplant wurde, da galten Großprojekte noch was. Aber in nur 40 Jahren umzudenken ist aber auch schwer.

Jetzt also mal wieder Baustopp. Irgendwann geht’s aber weiter, die stoppen das nicht endgültig. Aber vielleicht ergeht es dem Belo Monte Damm ja wie dem neuen Berliner Flughafen. Wann der fertig wird, weiss keiner so genau. Sprachwissenschaftler haben ja deswegen dieser Tage eine neue Zeitform eingeführt: das Futur III. „Nächstes Jahr im Sommer werde ich in Urlaub nach Mallorca geflogen wäre gewesen.“  Analog könnte es für den Belo Monte Damm lauten: „2015 wird der Stausee fertig geworden wäre gewesen.“

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