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Alle Werte künftig ab in die Tonne

10.08.2012, von

Was bewegt uns Deutsche am meisten? Staatsfinanzkrise? Inflation? Hundebandwurm? Alles falsch. Natürlich die Mülltrennung. Pro Kopf sammeln wir mehr als 30 Kilo Abfall, der nicht in der Restmülltonne landet. Das ist gut, das ist spitze – und es könnten noch 7 Kilo mehr sein. Sagt unser Umweltminister Peter „the tweet“ Altmaier. Wie wäre es also, wenn wir eine Wertstofftonne für Plaste, Elaste und Metall anschaffen, die den Gelben Sack ablöst. Die Frage bewegte schon letztes Jahr die Republik, da wurde das Kreislaufwirtschaftsgesetz – was für ein Name – reformiert und ab 2013 soll die wunderbare Wertstofftonne kommen.

Schwarz-Gelb verspricht: Nicht noch mehr Sammelbehälter, keine Mehrkosten, transparent, ökologisch, bürgerfreundlich. Und das Beste: Mitspracherecht. Schon seit 30. Juli können Sie und ich mitreden. Sozusagen auf Augenhöhe mit Peter Altmaier: im Bürgerdialog Wertstofftonne. Unser Ministerium hat Thesen verfaßt. Da das Annageln von Thesen an Kirchentüren mittlerweile als Sachbeschädigung geahndet wird und auch die Kirchen nicht mehr so gut besucht sind, stehen die Thesen zur – wie das so schön heißt: – „Fortentwicklung der haushaltsnahen Wertstofferfassung – jetzt halt im Internet. Und die kompetenten Kommentare der lieben Mitbürger stehen da auch. Da schreibt etwa Achim: „Ich finde es richtig, unsere Werte in die Tonne zu werfen.“ Jaja, die Werte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

Christian dagegen warnt: Es werden sich zahlreiche Personen finden, die Abfall einfach als Gebrauchtwaren deklarieren und schwups, ist das System ausgehebelt. Ein Handelsgeschäft für Gebrauchtwaren unterliegt dann keinem Abfallrecht, keinem Bundes-Immissionsschutzgesetz und braucht keinen Mindestlohn der Recyclingbranche zahlen. Christian, wenn das so ist, dann solltest du Deine Schrott-Gmbh dicht machen und einen voll krass konkreten Gebrauchtwarenhandel aufmachen. Ein letztes noch: Che Guevara schreibt: Das ist Enteignung! Mein „Schrotti“ bezahlt mir bisher gutes Geld für Altmetall. Und nun: Sitzt vielleicht ein Beamter der Kommune in der Tonne, der die einzelnen Sorten trennt, verwiegt und ausbezahlt? Gute Idee, Che, aber dass Du bei dem Namen gegen Enteignung bist, ist schon komisch.

Wen wundert’s also, wenn Hartwig bemängelt, dass „viele Lobbyisten hier unter Pseudonymen auftreten und ihre berufliche Interessenlage nicht offenlegen“. Och, Hartwig, sowas gehört doch zum Lobbygeschäft dazu, das solltest Du als Leiter des Fachausschusses Duale Entsorgungswirtschaft beim Verband kommunaler Unternehmen aber wirklich wissen.

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