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Bulgarischer Atomstrom – mehr davon per Volksabstimmung

03.08.2012, von

Soll noch mal einer sagen, in der EU wäre nichts los. Von wegen. Nehmen wir doch bloß mal die alleräußerste Südostecke, sagen wir: Bulgarien. Da rufen sie „Wir sind das Volk“ und wollen eine Volksabstimmung. Ja, 770.000 Stimmen hat die Opposition schon gesammelt und jetzt muss die Regierung ein Referendum einberufen. Ha, Bulgarien als die Schweiz der EU, odr? Naja, nicht ganz. In der Schweiz sammeln sie gerade Stimmen FÜR einen gesicherten Ausstieg aus der Atomenergie (120.000 haben sie schon), in Bulgarien sammeln sie Stimmen gegen den Ausstieg.

Ja, die Bulgaren sind weitsichtig. Geführt von roten Socken, äh, pardon: gewendeten Kommunisten, nein, also: von Sozialdemokraten, wie das heute heißt, wollen sie der Mitte-Rechts-Regierung abtrotzen, dass das AKW Belene fertig gebaut wird. Das schöne russisch-sozialistische Großprojekt nach all den Jahren der Planung einfach so liegen lassen, wäre doch schad drum, haben sich die roten Sock äh kommun, nein: Sozialdemokraten gesagt und Hauptsache, es geht gegen die Regierung.

Wie – Belene liegt nicht nur an der schönen blauen Donau sondern auch im schönsten Erdbebengebiet? Wie – die großen Energiekonzerne (hallo, RWE, du erinnerst dich???) sind alle wieder ausgestiegen? Aber das macht doch nichts. Brüder, zum Reaktor, zur Freiheit, haben sie sich gesagt, die roten, äh, Sozialdemokraten, und hatte Bulgarien nicht unter ihrer Regierung 2006 den Weiterbau des AKW Belene beschlossen? Jetzt also, per Volksabstimmung, ein neuer Anlauf. Dass sich in Japan gerade eine Grüne Antiatompartei gegründet hat, wen interessiert das in Bulgarien?

Frei nach Bertolt Brecht: erst der Strom, dann die Moral. Und mit schöner, großer, teurer Technik hatten’s die im Osten eh schon immer. Der Westen mit seiner Energiewende, na, die kommen doch irgendwann angekrochen, hoffen sie in Bulgarien, die roten Sock‘, äh, Kommu‘, nein: Sozialdemokraten, und kaufen unseren Strom ab, weil sie mit ihren Windrädern kläglich gescheitert sind. Dass die Grossbank HSBC mit über zehn Milliarden Euro Kosten für Belene rechnet, dass sich jeder bulgarische Steuerzahler für die Kohle, die ihn das AKW kosten wird, einen metallic-glitzernden Daimler zulegen könnte – pupsegal. Wir ham’s ja, in der EU. Und gegen Volksabstimmungen kann doch wirklich niemand was haben, odr?.

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