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Wie heißt die Frau vom Hirsch? Reh jedenfalls nicht.

10.07.2012, von

Die blinde Blindschleiche, die als Schlange locker auf den Bananenbaum geklettert war, lachte über den dummen Esel. Der hatte behauptet, Waschbären waschen ihr Futter, bevor sie es fressen.

Na, gemerkt? Alles falsch: Blindschleichen sind keine Schlangen und auch nicht blind, die Bananenstaude ist kein Baum, Esel sind nicht dumm und Waschbären ertasten und beschnuppern ihr Futter, aber waschen es normalerweise nicht. Trotzdem: Es gibt immer jemanden, der solchen oder ähnlichen Unfug behauptet. Nicht nur das Internet strotzt voller Irrtümer, die sich so hartnäckig halten wie das Märchen vom eisenreichen Spinat, das irgendwann mal durch einen Druckfehler in einer Lebensmittelinhaltsstofftabelle ausgelöst wurde.

Ohne Sonnenlicht ist kein Leben möglich, das ist noch so ein Ding. Klar, stimmt ja auch in vielen Fällen. Aber eben nicht in allen, wie uns immer wieder teils einige Meter große Tiere wie Tintenfische aus der Tiefsee klar machen. Denn da unten ist es stockfinster. Da würden höchstens Raubtieraugen leuchten. Was diese natürlich auch nur tun, wenn sie wenigstens ein bisschen angeleuchtet werden, denn die leuchten keineswegs von selbst.

„Die Frau vom Hirsch heißt Reh… und 265 weitere populäre Irrtümer aus der Tier- und Pflanzenwelt“ heißt ein nettes Büchlein, in das ich immer wieder mal gerne reinschaue, weil es die Dinge ein wenig zurecht rückt. Und selbst für Biologen findet sich da doch die ein oder andere Überraschung. Das Chamäleon passt seine Farbe der Umgebung an – stimmt, hätte ich auch gedacht. Stimmt so nicht. Was aber stimmt: die Farbe des Chamäleons gibt Auskunft über seinen Gemütszustand.

Also eigentlich sind mir solche handfesten Klarstellungen lieber als die diversen Fakten, wie etwa über die Tragzeit einer Rhinozeros-Kuh (nämlich 560 Tage), die sich im Internet auf Seiten wie www.sinnlose-fakten.de oder als Apps wie Unnützes Wissen finden. „Das Sekret, mit dem Biber ihr Revier markieren, heißt Bibergeil.“ Hätten Sie’s gewußt? Nö. Muss auch nicht sein. Dann lieber im Blog 1000Antworten vom Kollegen Gabor Paal die Wahrheit übers Waldsterben einholen. Oder – ganz analog – Ulrich Schmids Buch „Die Frau vom Hirsch heißt Reh..“ konsultieren. Erschienen ist es bei Kosmos und kostet knapp zehn Euro.

Dann behaupten Sie übrigens auch nicht mehr, dass Chinesen Schwalbennester essen. Tun sie nämlich nicht. (Die betreffenden Vögel sind Segler, die machen nur einen auf Schwalbe.) Und nur so nebenbei: die Frau vom Hirsch heißt Hirschkuh.

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