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Pornos? Nein. Tierisch gut: NaturVision Filmfestival

27.06.2012, von

Der erste Oscar, den ein deutscher Film nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt, ging an – einen Tierfilm. „Serengeti darf nicht sterben“ war ein Klassiker des Tierfilms, gedreht Ende der 1950er Jahren vom damaligen Direktor des Frankfurter Zoos Bernhard Grzimek und seinem Sohn Michael. Er wurde 1960 in der Kategorie Dokumentarfilm oscarbepreist. Der Tierarzt präsentierte die unglaubliche Fülle der Großtierwelt Ostafrikas, tauchte vom Flieger aus mit der Kamera in Herden von Gnus und Zebras ein, fing Elefanten, Löwen, Tiger aus der Luft und am Boden in wunderbaren Bildern ein und erinnerte aber schon damals daran, dass die ganze Herrlichkeit bedroht ist. Das Genre Tierfilm hat sich seither fest etabliert in unserer Medienwelt.

Bernhard Grzimek verschaffte allerlei Getier jahrzehntelang auch einen festen Platz im abendlichen Fernsehprogramm, 175 Folgen gab’s von „Ein Platz für Tiere“. Nur eine Folge war nicht so ganz echt, obwohl der freundliche Onkel auf der Glotze auf den ersten Blick aussah wie Grzimek.

„Guten Abend, liebe Freude, heute habe ich Ihnen eine Steinlaus mitgebracht, das kleinste Nagetier Europas.“

Petrophaga lorioti, die Steinlaus, beschrieben auch im medizinischen Wörterbuch Pschyrembel, war ein wunderbarer Fernsehfake des ebenso wunderbaren Victor von Bülow alias Loriot, bei Youtube allein bislang 300.237 Mal abgerufen. Völlig undenkbar, dass solche langsamen Stücke heute noch so erfolgreich wären wie 1976. Das Tempo der Bildsprache hat sich seit Loriots und Grzimeks Zeiten drastisch erhöht.

Aber es gibt sie noch, die Filme, lange wie „Highway durch die Rocky Mountains“  von 2011 oder kurze wie mein Lieblingsclip über Bauer Kurt und das Biogas von der Filmhochschule München:

Diese und viele andere mehr, eine richtige gute Sammlung richtig guter Natur-, Tier- und Umweltfilme gibt’s ab nächsten Freitag in Ludwigsburg zu sehen und zu hören.Und zwar beim 11. Festival „NaturVision“, erstmals vom Bayrischen Wald nach Ludwigsburg verlegt. Naturvision ist eine super Möglichkeit, aktuelle Produktionen der Branche anzuschauen, und die Auswahl ist richtig gut, das kann ich garantieren, denn ich hatte das Vergnügen, in der Jury für die Internationalen Filmpreise zu sitzen. Großes Kino, kritische Infos, ungewöhnliche Einblicke, auch der technische Standard vieler Naturfilme ist seit Grzimeks Zeiten enorm gestiegen. Wer auf sich hält, arbeitet mit fliegenden Drohnen oder Unterwasserkameras.

Ich kann natürlich jetzt noch nicht verraten, wer die Preise bekommt beim Naturvision-Festival. Aber ich kann verraten: es sind saugute Produktionen, klasse fotografiert, engagiert gedreht, spannende Stories. Die Dauerkarte für 5. Bis 8. Juli kostet gerademal soviel wie sechs Bierchen und die CO2-neutrale Anfahrt mit der Bahn aus ganz Deutschland gibt’s für 79 Euro. Also, www.natur-vision.de in Ludwigsburg – meine dringende Empfehlung für alle Filmfreunde für das nächste Wochenende.

Übrigens: Wer sich über die Überschrift wundert – ich teste gerade aus, welche Wirkung auf die Klickzahlen die Verwendung bestimmter Begriffe in der Überschrift eines Onlinebeitrags hat. Nackter Wahnsinn.

Kommentare zu „Pornos? Nein. Tierisch gut: NaturVision Filmfestival“

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  1. Naturfreund
    schreibt am 5. Juli 2012 12:37 :

    Coole Artikelüberschrift – tolles Thema! 🙂

    Vielen Dank für den überaus interessanten Veranstaltungs – und Umwelttipp, der sicherlich das Herz jeden Umwelt- und Naturfreudes höher schlagen lässt. Derartige Veranstaltungen kann es nicht häufig genug geben, denn sie zeigen an, was wirklich wichtig ist im Leben: Der Einsatz eines Jeden ist gefragt, um die Schätze von Natur und Umwelt auch für unsere Folgegenerationen zu schützen und zu bewahren.

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