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Altmaier für die Umwelt: Immer schön cremig bleiben!

19.05.2012, von

Wir können alles außer Umwelt, lautet das bewährte Credo unserer schwarz-gelben Bundesregierung. Norbert Röttgen wurde ausgewechselt, noch bevor Muttis Klügster womöglich doch irgendwann mal mit ernsthafter Umweltpolitik angefangen hätte. Wobei Inhalte, Sachpolitik – machen wir uns nichts vor -, nicht die Bohne eine Rolle gespielt haben beim „Bäumchen wechsel‘ Dich“ der letzten Tage. Aus Sicht der Umwelt gab und gibt es in der Union weitaus schlimmere Finger als Norbert Röttgen.

Dass Mutti Merkel ihren Norbert nicht mehr wollte, hatte nun wirklich nichts damit zu tun, dass die Energiewende irgendwo in den Anfängen stecken geblieben ist. Das geht eher schon auf Rechnung der unauffälligen Lobbyarbeit von RWE & Co. in Kombination mit dem Gelbanteil der Regierung, würde ich vermuten. Wenn Merkel wirklich gewollt hätte, dann hätte sie längst eine Energiewende, die den Namen verdient.

Was also dann? Dass Norbert Röttgen ausgewechselt werden sollte, weil er in vier Wochen bei der großen UN-Umweltkonferenz in Rio der Merkeline die Schau mit großen Ankündigungen und Zusagen stehlen wollte? Unwahrscheinlich, Merkel geht da gar nicht erst hin. Warum auch? Der Nimbus der Klimakanzlerin klebt ihr auch ohne Taten an der Backe. Nö. Das ist als Ursache für den Rausschmiss Röttgens auch nicht plausibel

Bleibt noch das ganze Geunke von „Der Mann hat’s versemmelt und bevor er die Kanzlerin mit hinab zieht, kickt sie ihn raus“. Ach was! Eine Wahlniederlage in einem Bundesland als alleinige Ursache für einen Bundesministerwechsel – auf solche Ideen kommen doch höchstens Politologen.

Es war ganz anders. In Wirklichkeit war das Internet Schuld am unrühmlichen Abgang von Norbert Röttgen. Denn nachdem Muttis Norbert schon wieder nicht aufs große Bloggertreffen der letzten re:publica gehen wollte, um Nachwuchs zu fischen („Mutti, da gibt’s Piraten!“), war Merkel als versierter Videobloggerin der ersten Stunde klar: der Mann ist so Eins-Nullig – der muss weg. Kommando von der Brücke deshalb: Klar zum Ändern. Und so traf Norbert der Fluch der Karibik.

Als Alternative kam nur einer in Frage: Peter „the tweet“ Altmaier. Der holt einerseits schon seit langem immer wieder für Merkel die analogen Kastanienaus dem Feuer. „Na, wer darf heute die CDU-Schlappe in einem Sieg umdichten?“ fragten sie sich aus guten Gründen bei Twitter nach der NRW-Wahl. Altmaier durfte. Und er kann das: „Spontaner Ärger ist kein guter Ratgeber“, sagt er selbst und empfiehlt: „Immer schön cremig bleiben.“ Dass ihn Mutti immer wieder in flagranti mit Grünen erwischt tat der Sache keinen Abbruch, im Gegenteil.

Vor allem aber: Seit @peteraltmaier letzten Herbst anfing zu twittern hat ihn das Web nicht mehr losgelassen. Mehr als 13.000 Follower können nicht irren. Die tweeten sie zwar auch mal: „Wer Altmaier für einen modernen Politiker hält, würde auch labbrige Burgerbrötchen als gutes Brot verkaufen“, aber egal: Nicht nur für Angela Merkel gilt Altmaier als rhetorisch begabte Mehrzweckwaffe und schwarz-grüne Schnittstelle. Dass er in Umweltthemen bislang völlig unbeleckt ist, egal, der Begriff „Umwelt“ ist eh dehnbar: „Wenn ich jetzt BMU werde: Wo steht eigentlich geschrieben, dass mit diesen Netzen nur die Stromnetze gemeint sind?“ Umweltmaier 2.0 – da werden wir noch von hören.

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