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Naturschutz mal anders – ein Elefantenkönig auf Großwildjagd

20.04.2012, von

El Rey de los elefantes – wer im Netz nach an Carlos sucht, stösst schnell auf den neuen Spitznamen des spanischen Königs: der Elefantenkönig. Auf Deutsch nennen sie ihn manchmal auch den „Dschungelkönig“. Obergrünrock Juan Carlos hat sich jedenfalls gründlich in die Nesseln gesetzt, mit seiner kürzlichen Elefantenjagd in Botswana. Und dann auch noch diese Vielleicht-Affäre mit der schnuckligen Corinna von Sayn-Wittgenstein. Die spanisch- und portugiesisch-sprachigen Medien und Blogs zerreissen sich in diesen Tagen jedenfalls das Maul über den 74jährigen Hüfthelden.

Auch wenn er sich inzwischen entschuldigt hat: Was muss sich der Ehrenpräsident des spanischen WWF  auch auf seine alten Tage auf Elefantenjagd begeben… Obwohl: Großwildjagden haben j a schon eine gewisse Tradition beim WWF. International wie national. Ein Blick in die Leitungsetagen zeigt so illustre Gestalten wie den Duke of Edinburgh. Einst Großwildjäger, dann WWF-Ehrenpräsident, ja, genau: der Lord Mountbatten, mit dem schrägen Humor, der Bundeskanzler Kohl schon mal mit den Worten begrüßte:  „Guten Tag, Herr Reichskanzler“.

Auch in Deutschland zeigten Stiftungsrat oder Vorstand des WWF im Lauf der Jahre immer wieder gern jägerische Affinitäten. Da waren etwa der Ex-Chef der Holstenbrauerei, ein Adliger aus Schleswig-Holstein oder, besonders hübsch, ein Kölner Industrieller mit aparten Jagdtrophäen im Büro. Als allzu öffentlich wurde, dass der Leoparden und Elefanten schießt, haben sie sich damals ganz schnell von ihm getrennt. Und war da nicht früher auch ein spenden- und jagdaffiner Prinz zu Sayn-Wittgenstein jahrelang im Präsidium?

Naja, Juan Carlos will der spanische WWF jetzt jedenfalls auch loswerden. Dabei hat El Rey de los elefantes nur seine naturschützerische Pflicht erfüllt. Weil es in Botswana viele Elefanten gibt, sie nicht mehr wandern dürfen, fressen sie alles alles ganz kaputt. Ratzefatz, Bäume, Sträucher, weg. Da müssen die Jäger doch regulierend eingreifen dürfen, oder? Ganz legal übrigens.

Und die Hubertusjünger lassen ein Geld vor Ort… die reinste Entwicklungshilfe  – 7.000 bis 30.000 Euro kostet eine Jagdlizenz, schreibt die Zeitschrift Epoca genüsslich in ihrem Blog. Und das in einer Zeit, da auf der Iberischen Halbinsel alle den Gürtel enger schnallen müssen. Alle? Naja, sagen wir besser: fast alle. Aber für die Schüsse auf die Dickhäuter hat Juan Carlos ja gar nicht selbst bezahlt, müssen wir der Gerechtigkeit halber feststellen, die Bärenjagd mit Schuss 2006 in Russland war schließlich auch gesponsort. Ja doch: Bei einem Jahresgehalt von 292.000 Euros muss man schon ein bisschen haushalten.

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