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Nachtruhe auf Hessisch hat vor Gericht gepatzt

05.04.2012, von

Haben Sie auch so einen Spaß an guten Wimmelbildern oder Landkarten? Ich kann mich da gar nicht dran sattsehen, immer neue Details tauchen auf und wenn sich dann noch was bewegt, ist es ganz wunderbar. Zum Beispiel auf einer Internetseite der Deutschen Flugsicherung. Die zeigt live den Flugverkehr über Europa. Je nach Höhe sind die Flugzeuge mal grün, mal gelb, mal rot angepinselt. Grün sind die über 3.000 Meter, während die Lilanen einem fast durchs Wohnzimmer fliegen können, weil sie unter gut 300 Meter tief sind. Was für ein Gewimmel ist da rund um Frankfurt, hach, wunderbar, und ganz viel Lila. Da vergisst man dann fast schon, was das für die Leute am Boden bedeutet: Mega-krach. Apropos:

Ich bin ja mal gespannt, wie lange es hält, das neue alte Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Denn die Richter des Bundesverwaltungsgerichts haben ja jetzt festgestellt: der Ausbau des Frankfurter Flughafens und damit die vierte Landesbahn ist rechtens. Damit dürfen die Flugbewegungen von jetzt einer halben Million auf 700.000 bis 2020 steigen. Ohne das Urteil jetzt im Detail zu kennen: hoffentlich schließt es rechtlich wasserdicht aus, dass noch einmal Ausnahmen vom Nachtflugverbot möglich werden, sofern sie nur korrekt rechtlich beantragt werden.

20120405-173629.jpgZutrauen würde ich denen inzwischen alles. Wenn ich dran denke, wie damals das Mediationsverfahren lief zum Flughafenausbau und die Gegner schließlich der neuen Landesbahn zugestimmt haben, weil ein Nachtflugverbot zugesichert wurde. Das dann später durch 17, jawohl: 17, Ausnahmen durchlöchert werden sollte. Einfach so. Alle halbe Stunde: Bruuuum. Das ist Nachtruhe auf hessisch. Dolle Idee. Erst Mediation, dann Ätschebätsch, so haben wir uns Mitbestimmung immer vorgestellt, ganz sicher.

Und davon abgesehen: der ganze Krach müsste nicht sein, wenn die Flieger höher anfliegen und dann steiler landen würden. Aber aus Sicherheitsgründen könnten dann halt nicht ganz so viele Flieger abgefertigt werden. Na und? Natürlich verdiente die Betreibergesellschaft Fraport sich eine noch goldenere Nase wenn‘s am Flughafen rund um die Uhr brummte, ein bisschen weniger ist aber zu verkraften.

Volkswirtschaftlich gesehen ist der Krach sowieso schädlich, denn die dadurch verursachten Gesundheitsschäden sind nicht die Erfindung von linken Spinnern, sondern durch valide Studien nachgewiesen. An diese Kosten denkt wieder keiner. Achja, Verteilung und Intensität des Lärms lassen sich übrigens auch auf wunderbaren Karten in Internet anschauen. Unter umwelthaus.org finden sich eine Menge, zum Beispiel Karten, die mit etwa zweistündiger Verzögerung den Lärmpegel abbilden. Zum Abheben schön.

 

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