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Lieber Twitter-Eiswein als Zitter-Eiswein

04.02.2012, von

Wenn Frank R. Schulz @deutschweine twittert, dann ist klar: Weinmarketing ante portas, das Deutsche Weininstitut spricht. Immerhin um die 1.000 Leute haben den Kanal abonniert. Die frohe Botschaft dieser Tage lautete:

Cooper beschert Eiswein.

Cooper, das ist das derzeitige sibirische Hochdruckgebiet und Eiswein, das wissen wir natürlich alle, ist eine Weinspezialität, aufwändig in der Herstellung, den gibt’s nicht alle Jahre. Stellen wir uns vor, wir wollen aus tiefgefrorenen Rosinen Traubensaft pressen und daraus Wein machen, so etwa.

Vorgeschrieben sind lausige minus sieben Grad im Weinberg bei der Lese oder noch lausiger. „Kalt, kälter, Eiswein“, twittert Frank R. Schulze dieser Tage. Und natürlich: die Trauben müssen pilzfrei geblieben sein. Eiswein ist also selten hierzulande. Meist gibt’s nur, wie @Traubenshow schreibt: „Twitter-Eiswein statt Zitter-Eiswein 🙂 “

Mitte Januar war’s dann doch noch so weit, dass hie und da mit Ach und Krach ein paar Grad minus erreicht wurden.  @HerdHelden jubelte: „Eiswein! Bei uns wurde es kalt, der #Eiswein ist gerettet.“ Prompt wurde gelesen und @vinorama erklärt : „Eiswein in Thuringen: 300 Rebstocke, 300kg Trauben, 40L Most – noch Fragen warum so teuer?“

Für die Sachsen freilich kam Hoch Cooper zu spät, im Elbtal haben sie im Januar alle Hoffnung auf echten Eiswein fahren lassen. @sz-online-redaktion twittert: „Der sächsische Eiswein ist im Eimer.“ Mittlerweile freilich stellt sich raus: Womöglich war das anderswo auch so und die Sachsen waren einfach nur ehrlich.

„Laut Landesweinkontrolle: KEIN EISWEIN 2011 !!!“,  twittert Karl-J. Thul  aus Thörnich an der Mosel, „Trauben waren vergammelt und nicht durchgefroren,…“  Etwas nüchterner formulieren unsere SWR Nachrichten: „Mainz. Kontrollen bei Eiswein angekündigt.“ Und: „Haben Winzer bei Eisweinlese geschummelt?“ fragen sich auch die @aznachrichten der Allgemeinen Zeitung.

Fakt ist: Die rheinland-pfälzische Weinkontrolle und das Weinbauministerium in Mainz gehen derzeit davon aus, dass längst nicht alle 408.000 Liter Traubenmost, die bei der Landwirtschaftskammer angemeldet wurden, die Voraussetzungen wirklich erfüllt haben. Vor allem nicht im warmen Rheinhessen. Vermutlich ist also nicht überall guter Eiswein drin wo Eiswein drauf steht.

Was tun also: „Handel und Weinkommissionäre sollen jetzt bei entsprechenden Angeboten genau hinschauen, um nicht gegebenenfalls einem Betrug aufzusitzen“, heißt es auf der Internetseite der Allgemeinen Zeitung. Wie – hinschauen? Das ist doch später höchstens noch am Geschmack zu erkennen, ob der Eiswein aus Pilzsuppe oder aus Gefrierrosinen gekeltert wurde.

@rlpnews, unsere Landesregierung twittert jedenfalls: „Umweltministerin Höfken stellt sich schützend vor Eisweinerzeuger.“ Wir sehen schon die Jeanne d’Arc der rheinhessischen Winzer vor uns, wie sie im Kampf gegen anbrandende Horden …, aber Moment mal: Wieso stellt sie sich schützend vor die hiesigen Eisweinerzeuger, die es doch offenbar kaum gibt? Sollte sie sich nicht schützend vor die Verbraucher stellen oder besser die Weinkontrolle verschärfen? Das nämlich wäre nötig.

SWR-Weinexperte Werner Eckert erklärt in den @umweltnews bei Twitter, woran es hängt. Die Prüfer derLandwirtschaftskammer sollten in diesem Jahr ihre Aufgabe ernster nehmen als sonst. Die Prüfkommissionen dort können und müssen Eisweine ablehnen, die muffig schmecken, eine Essignote aufweisen, zu wenig Säure haben oder einfach nicht typisch nach Eiswein schmecken. Auch wenn das Winzerkollegen trifft. Schließlich gilt es, den Ruf eines Produkts zu retten, der durch billige Massenware schon stark gelitten hat. Nicht, dass wir tatsächlich noch dahin kommen, was @wolkenrose verkündet: „Eiswein kann man nicht trinken. das liegt am Aggregatzustand.“

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