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Weltwirtschaftsforum 2.0 – Davos auf Onlinetrip

03.02.2012, von

 Während sich deutsche Bedenkenträger damit beschäftigen, dass das Internet sicher ganz böse und außerdem völlig überschätzt wird, sind internationale Organisationen wie das Weltwirtschaftsforum in Davos mit dem schieren Gegenteil beschäftigt: Nur ein Beispiel: Alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, landet nicht nur in Twitter oder Facebook, nein, sondern gleich bei Storify und bei Netvibes. „Dashboard everything“ heißt das dann, alle Infos von allen geballt präsentiert und übersichtlich sortiert. Dicke Papierstapel, für die früher einige Bäume dran glauben mussten, sind als pdf zu haben, alles schön geordnet etwa auch bei Scribd.

Zum Runterladen etwa des Global Risk Reports 2012 mit seinen vielen Einschätzungen auch zu Umweltthemen reicht es, sich bei Facebook angemeldet zu haben, klar. Facebook ist inzwischen der Schlüssel zu ganz vielem. Das größte globale Risiko ist übrigens laut Riskreport mit weitem Abstand der Klimawandel. Die Debatten zur Weltverbesserung gibt’s bei Youtube, natürlich auch noch einen eigenen Davos-Kanal für die öffentlichen Vorträge – und bei Chime.in sind sie auch zugange. Meine Güte, was für ein medialer Overkill.

So wirklich nachhaltig scheint mir das nicht wirklich zu sein. Allein 18 Twitterlisten gibt’s mit zig Teilnehmeraccounts, vom Jungen Globalen Führungsnachwuchs bis zu World Leaders mit den Tweets von Präsidenten, Premierministern und Königen. Nur: Wenn man dann man nachschaut, was die so von sich geben, dann wird’s teilweise ziemlich ernüchternd. Ein berühmter Name allein reicht halt nicht, da müssen auch Inhalte geliefert werden und damit sieht’s in der Praxis teilweise nicht besonders prickelnd aus. Neujahrsgrüße an das Volk, das ist nicht mal für Aserbajdschaner besonders prickelnd.

Dennoch, wer im Netz stöbert, was in Davos alles so zur Nachhaltigkeit geboten wird, hat die Qual der Wahl. Da sind Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels, zu neuen Techniken, die Energien sparen sollen und und und. Von Nicht-Umweltthemen natürlich ganz zu schweigen, nicht alles hat ja in Davos mit Nachhaltigkeit zu tun.

 Die interne Kommunikation ist übrigens auch inzwischen netzbasiert, jeder kann sich mit seinem Ausweis an einem der zahlreichen Terminals anmelden und hat dann Zugriff auf Infos über die Teilnehmer, die Veranstaltung – und den Chef des UNO-Umweltprogramms erreicht man mit dem internen Mailsystem auch ganz einfach, um einen Interview auszumachen. Telefonisch wäre das schwerer geworden. Bill Gates war übrigens auch wieder da, zum 17. Mal, ebenso Googlegründer Eric Schmidt und weitere 67 Milliardäre. Übrigens: Mit Umwelttechnologie haben die ihr Geld nicht verdient, dass das mal klar ist.

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