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Mal eben ins Kernkraftwerk marschiert – na und?

06.12.2011, von

Kaum haben wir Deutsche mal wieder den Ausstieg aus der Kernkraft vereinbart, schon interessiert sie uns kaum noch, könnte man meinen. Oder sagen wir besser: Schon sinkt der News-Wert von atomkraftbezogenen Ereignissen jenseits der heimischen Endlagerung. Jüngstes Beispiel: Nogent/Frankreich. In der dortigen Atomanlage hat Greenpeace gerade vorgemacht, dass es möglich ist, mal eben in das Zentrum eines Kernkraftwerks vorzudringen. In ihrem Blog zeigen sie, wie das gelaufen ist. Ein wackeliges Video, ein Typ namens Julien flüstert uns zu, er sei jetzt gerade im Herzen eines AKW und finde seine Aktion im Gegensatz zum französischen Präsidenten Sarkozy keineswegs unverantwortlich. Die offiziellen Reaktionen auf die Greenpeace-Behauptungen lassen den Schluss zu: Ja, die waren wirklich mitten im AKW.

58 Kernkraftwerke laufen in Frankreich, für Anschläge offenbar zumindest teilweise eine eher leichte Beute. An drei anderen Standorten sind die Greenpeacer bei ihren Einbruchsversuchen zwar nicht so weit gekommen, aber ein „Erfolg“ würde im Zweifel ja auch reichen. Es gibt also zu tun für die Sicherheitsbeauftragten der Nuklearindustrie.  Hoffentlich steigen die lieben Nachbarn auch bald aus aus dieser Technologie.

Übrigens sind gerade aus der Reaktorruine von Fukushima wieder ein paar hundert Liter radioaktive Brühe ausgelaufen. Es dürften nicht die letzten gewesen sein.  Denn AKW sind so sicher wie die Rente, das hat auch der jüngste Stresstest im nahe der deutschen Grenze gelegene Cattenom AKW ergeben: gravierende Mängel. Noch also haben wir Medien flächendeckend jeden Grund, über massive Sicherheitsmängel wie die jetzt von Greenpeace aufgezeigten zu berichten, nicht nur die üblichen Verdächtigen. Sich jetzt bereits auf der sicheren Seite zu wähnen ist leichtsinnig.

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