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Es riecht nach Hintertürchen aus dem Atomausstieg

30.05.2011, von

Die gute Botschaft zuerst: Der Atomausstieg soll jetzt 17 Jahre früher kommen als die amtierende Regierung erst vor wenigen Monaten beschlossen hatte. Die sind eben lernfähig in Berlin, wie schön. Schon der zweite Supergau führt zum Umdenken. Oder doch nicht wirklich?

Die nicht ganz so gute Botschaft: da waren wir doch vor zehn Jahren schon mal: die Laufzeiten der sieben Alt-AKW endeten im rot-grünen Atomausstieg dieses und nächstes Jahr – so wie jetzt wieder vorgesehen. Und alles in allem wäre sowieso Anfang der 2020er Jahre Schluss gewesen mit der Atomkraft. Dieses zurück in die Zukunft sollen wir jetzt womöglich noch als ökologisches Vorreitertum preisen? Was für eine Mogelpackung, vor allem auf Kosten des Klimaschutzes! Wenig konkrete Worte bisher zu Effizienzsteigerungen und Energie sparen. Dabei könnten bis 2020 fast 70 Milliarden Kilowattstunden jährlich eingespart werden, wenn der Strom besser ausgenutzt wird. Mehr Erneuerbare Energien? Es bleibt bei 35 Prozent bis 2020, da waren wir vor Fukushima auch schon. Dafür kommen im Zweifel fossile Kraftwerke wieder zum Zug, um vermeintliche Stromlücken zu stopfen.

Statt Erneuerbare Energien massiv zu fördern bekommen die energieintensiven Unternehmen ab 2013 jährlich eine halbe Milliarde Euro Subventionen als Zückerchen in den Hintern geblasen. So sollen sie steigende Strompreise durch den Emissionhandel auffangen können. Vor allem: das  Geld stammt aus dem Sondervermögen Energie- und Klimafonds – wo es doch Energie sparen helfen sollte und Erneuerbare Energien fördern. Clever gemacht.

Das allerdickste aber kommt noch: Wenn die nicht verbrauchten Reststrommengen der AKW Mühlheim-Kärlich und Krümmel geschickt verteilt werden, dann können die derzeit noch übrigen neun AKW noch mindestens sieben Jahre unbehelligt laufen, ehe sie dann ziemlich plötzlich fast alle auf einmal stillgelegt werden. Ein sanfter Übergang in kleinen Schritten wäre aber sinnvoll, um das Risiko von Netzspannungsschwankungen und Versorgungsausfälle zu minimieren. Wetten, dass da wieder jemand darauf spekuliert, dass man vielleicht doch noch mal aussteigen könnte aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg? Ich befürchte, das mit der Lernfähigkeit in Berlin ist in der Praxis doch nicht so weit wie die vollmundige Wir-haben-verstanden-Rhetorik zunächst vermuten läßt.

Kommentare zu „Es riecht nach Hintertürchen aus dem Atomausstieg“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Georg Hoffmann
    schreibt am 31. Mai 2011 09:21 :

    Atomausstieg und Klimaschutz sind eben Antagonisten. Es geht um Prioritaeten und angesichts deutscher Atomangst musste sich die Bundesregierung eben fuer den Ausstieg und gegen den Klimaschutz entscheiden. Ist doch ganz einfach.
    Haben Sie vielleicht einen Link zu den Dokumenten, die der EThikrat bislang so produziert hat?

    Beste Gruesze Georg

  2. Steff78
    schreibt am 11. Juni 2011 21:51 :

    Der „Wir-haben-verstanden“- Guido hat ja wirklich verstanden und schon vor einiger Zeit seinen Rücktritt erklärt. Ich finde es aber ein Unding, dass die Offshore-Förderung deutlich höher ist als die Förderung für Windkraftlanlagen an Land. Wer kann den die Mrd. für solche Parks investieren? Doch nur wieder die „Vier“. Alles nur Lobbypolitik. Naja, wenn die Wiederwahl in Gefahr ist, gibts Ausnahmen..

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