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Brighton: Fahrt doch alle Hummer! Oder Q7. Und Cayenne.

24.02.2011, von

Alle reden vom Klimawandel. Nur ein kleines Häufchen Ewiggestriger in den britischen Städtchen Hove und Brighton nutzt die erstbeste Gelegenheit, einen gerade erst fertig gestellten Radweg wieder demontieren zu wollen. Warum ich das überhaupt als Thema wahrnehme, so ein paar Meter britische Radwege? Pars pro toto. Rein symbolisch. Brighton ist überall, die dahinter stehende Mentalität auch bei uns verbreitet. Rollback nennt man das. Soviel dazu. Zur Sache:

2008 waren die knapp drei Kilometer Radweg zwischen Nationalpark und Küste nahezu autofrei einige Meter vom gefährlichen Strassenrand entfernt mit Millionenaufwand erbaut worden und jetzt das:

Mary Mears, council leader, said the decision to remove the cycle lane which connects South Downs national park with Hove’s seafront was a response to „concerns“ from residents and users. She said: „We remain committed to the safety of the cycling fraternity. Unlike some other cycle lanes in the city, the Grand Avenue/Drive scheme is not well used or appreciated. Furthermore its removal will improve traffic flow along the coast road from Shoreham Harbour and across the city.“

So, „Bedenken“ gab’s, aha, und ohne Radweg fließt der Autoverkehr auch viel besser, echt spannend, Mary. Interessante Erkenntnisse 75 Jahre nach Eröffnung des ersten britschen Radwegs.
Drei Millionen Pfund Zuschuss gab’s vor fünf Jahren von der britischen Regierung um die Städte radfreundlicher auszubauen. Jetzt will Auto-Mary ein Milliönchen dafür aufbringen, ätsch, den Radweg wieder abzubauen. Alles wieder auf Anfang. Da greift man sich doch an den Kopf.
Alle fragen sich: Wie kriegen wir mehr Leute a) zu mehr Bewegung und Gesundheit und b) zu umweltfreundlicherer Fortbewegung und dann kommen Hove und Brigthon und sagen: Och nö. Geht’s noch? Schade, dass der steigende Meeresspiegel die Liegenschaften dieser grandiosen Entscheider nicht tangieren wird.

Fahrt doch alle Hummer, Q7 oder Cayenne (nein, nicht die Hybrid-Variante). Was soll’s, das bisschen Klima. Und nach uns sowieso die Sintflut. Wahrscheinlich verstehen die sich sogar noch selbst als Speerspitze der Bewegung wider die ökologische Häresie.

Läge Hove in Deutschland, die Sache wäre ein klarer Fall für die heute-Show. Samt Kommentar von Gernot Hassknecht, versteht sich. Diesmal nicht über Dioxin-Eier. Obwohl: vielleicht sollte ich mal selbst den Hassknecht… Plagiate sind ja gerade „in“. Mh, also, falls demnächst hier im Umweltblog ein einschlägiger Videokommentar auftaucht, dann dankt es Brighton und Hove.

http://www.guardian.co.uk/environment/bike-blog/2011/feb/23/brighton-hove-council-cycle-highway

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