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Hungrig auf der Grünen Woche

21.01.2011, von

Lebensmittelberge auf der Grünen Woche - Copyright Stefanie Peyk/SWR
Ich sollte Stefanie zum Essen einladen. Sie hat es verdient. Stefanie ist meine Berliner Kollegin und derzeit damit beschäftigt, unseren SWR-Programmen alles über die gerade eröffnete Grüne Woche zu erzählen. „Die längste Schlemmermeile der Welt“ oder so, heißt es in der Promo. Von wegen: Stefanie muss hungrig zwischen all den Satten herumlaufen. Warum das so ist erzählt sie selbst:

„Ich bin neidisch – auf jeden einzelnen Besucher der Grünen Woche. Die lassen sich’s nämlich schmecken – und essen schon morgens Deftiges: Schwarzwälder Schinken, schwäbische Maultaschen, Spundekäs und Flamkuchen oder ein Spießbratenbrötchen, ein Hackepeterbrötchen, ein schönes Mettbrötchen. Die dürfen – und ich hab keine Zeit zum Essen. Muss noch eine Umfrage und zwei Berichte machen – außerdem Fotos. Von Körben voller Obst und Gemüse. Oder von Marzipantorte. Und Baumkuchen …. Mir knurrt der Magen.
Springbockspieß aus Ruanda, Granatäpfel aus Kandahar in Afghanistan, Kakao aus Ecuador, nicht zu vergessen die Spezialitäten aus Australien: „Wir haben hier Känguruh, Krokodil und Straußenfleisch.“ … würd‘ ich auch gern probieren – muss aber ins Pressezentrum zurück. Da ist Essen und Trinken verboten – die haben wohl Angst um den Teppichboden. Meine Mandarine verdrücke ich heimlich.
Kommt es mir nur so vor oder sehen die Journalisten um mich herum hohlwangig aus? Bei den Pressekonferenzen bekomme ich auch nichts zu essen. Brezeln – das war einmal. Und nächster Termin in den Messehallen. Das Gelände unterm Berliner Funkturm ist extrem weitläufig. Wer alle Stände sehen will, muss acht Kilometer Wegstrecke zurücklegen. Grüne Woche-Diät samt Fitnessprogramm. Der Aussteller aus dem Messe-Partnerland Polen hat kein Mitleid und macht mir den Mund wässrig. „Das polnische Fleisch ist das Beste, was es weltweit gibt.“
Danke, aber ich muss weiter. Vorbei an belgischen Pralinen, Wildobsteis aus Brandenburg, Blätterteigblumen mit Nüssen gefüllt aus dem Libanon. … Ich habe Hunger! Was essen denn die beiden Frauen da? Einen Salat. „Echt gut, wirklich gut. Ja, ja, ich weiß. Aber abgeben tun sie mir nichts. Jetzt meldet sich auch der Durst. Obstsäfte aus Baden-Württemberg, Weine aus Rheinland-Pfalz, Guinness aus Irland und Tee aus Indien könnte ich probieren – wenn ich dazu käme.
Die Messeveranstalter nennen die Grüne Woche die „längste Schlemmermeile der Welt“. Lang ja, aber schlemmen: dass ich nicht lache! Heute Abend, wenn ich fertig bin mit der Arbeit auf der Grünen Woche, dann gehe ich ins Restaurant!“

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