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Grüner Strom Label weniger grün

21.12.2010, von

Dass Umweltverbände begrüßen, wenn in ihrem Namen weniger in Erneuerbare Energien investiert wird, kann ich mir zwar eigentlich kaum vorstellen. Ist aber so. Anders kann ich die jüngste Pressemeldung des Ökostromzertifizierer „Grüner Strom Label“ (GSL) nicht interpretieren. Doch fangen wir vorn an:

Der GSL e.V. wird von BUND, Eurosolar, Nabu, Verbraucher Initiative, dem Deutschen Naturschutzring sowie der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative und den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs getragen.

Das Grüner Strom Label GSL kennzeichnet Ökostromprodukte mit hohem Umweltnutzen. Zentrales Kriterium der Zertifizierung ist, dass die Stromanbieter mit einem Teil der Kundengelder neue regenerative Anlagen fördern. So verändert sich Schritt für Schritt die Struktur der Energieerzeugung. Ein Modell mit sichtbarem Erfolg: Bisher konnten rund 700 Anlagen im Rahmen der GSL-Zertifizierung realisiert und co-finanziert werden Stand: Oktober 2010.

Entscheidendes Kriterium für „guten“ Ökostrom ist also der Anteil am Strompreis, der in Neuanlagen investiert wird. Je höher der ist, umso besser. Strom aus alten, abgeschriebenen Wasserkraftwerken als Ökostrom zu bewerben ist pfui, wird aber von manchen Stromanbietern praktiziert. Wer sowas nicht möchte achtet daher auf Strom mit einem Label wie etwa GSL, hinter dem seriöse Umweltverbände stehen. Wie schade, wenn ausgerechnet die ihre Ansprüche nicht steigern, sondern senken, wie am Beispiel der Pfalzwerke sichtbar wird.

Zunächst übernehmen rückwirkend zum Juli 2010 die Pfalzwerke die Zertifizierung für das Grüne Strom Label von ihrer eigenen Tochterfirma Bestec (das sind die mit den umstrittenen Erdwärmeprojekten in der Südpfalz). Dann senken die Pfalzwerke den Anteil am Strompreis, der in Erneuerbare Energien neu investiert wird, auf das Minimum dessen, was das GSL garantiert. Das Ökostromlabel findet diese abgesenkte Quote völlig in Ordnung:

Mit dem Übergang wurde auch das Produkt zeitgemäßer gestaltet: Die Pfalzwerke und ihre regionalen Partner senken den Betrag, der in neue Anlagen investiert wird, von mehr als 2,5 Cent auf nun 1,04 Cent netto pro Kilowattstunde. „Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich, denn es liegt nahe, dass die Anbieter ihren Ökostrom mit einem geringeren Aufpreis besser vermarkten können“, so die GSL-Vorsitzende Rosa Hemmers. „Unsere Kriterien verlangen, dass pro Kilowattstunde mindestens ein Cent in neue Anlagen fließt. Durch die Kombination mit dem EEG sorgt auch ein solch moderater Förderbeitrag für einen hohen Umweltnutzen.“

Das erinnert mich an die Debatte bei den Biobauern als es einst darum ging, das eigene Angebot aus der Nische der Bioläden in die Supermärkte zu bringen. Geringere Marge plus höherer Umsatz – das ist gut, sagten die einen. Lieber mehr Öko und höhere Preise bei weniger Umsatz, das ist besser, sagten die anderen.

Ich persönlich finde es freilich ziemlich daneben, wenn ausgerechnet ein von Umweltverbänden und Friedensorganisationen getragener Ökostromzertifizierer es „zeitgemäßer“ findet, weniger in Erneuerbare Energien zu investieren.

Die Webseite des GSL: Grüner Strom Label e.V.

Kommentare zu „Grüner Strom Label weniger grün“

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  1. Bruno
    schreibt am 28. Januar 2011 17:13 :

    Wirklich wichtig sind die Inverstitionen in Ökostrom.. Beim TÜV wird das zwar gefordert aber halten die Stromanbieter das auch ein? Also den neuen Ökostromanbieter einfach auf Neuinvestitionen abklopfen.. Dann gibts auch wirklich mehr Ökostrom.

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