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Senk Ju For Travelling #DB

17.12.2010, von

Lange Schlange Auskunftssuchender heute am Flughafenbahnhof Frankfurt
Heute ging erst mal gar nichts mehr – nach zweieinhalb Stunden hatte mein Zug gerade mal dreißig Kilometer zurück gelegt. Eine gefrorene Weiche (ja, im Jahr 2010!) und zu wenig Gleise im Fernbahnhof Frankfurt Flughafen (sollte für Stuttgart21 eine Lehre sein) wurden als Ursachen genannt. Das Wetter war’s jedenfalls nicht wirklich. Armes Bahnpersonal: Statt des überfälligen Feierabends hatten sie Fahrgäste aufzumuntern. Dafür waren sie noch richtig nett.
Ganz anders ein angeblicher Bahnmitarbeiter, der mir barsch verbieten wollte, Handybilder zu machen. Sie hätten womöglich die genervte Stimmung, die lange Schlange vor dem Infostand der DB und die gereizte Atmosphäre im Bahnhof zeigen können. Ausweisen wollte er sich nicht.

Ok, der Mann machte seinen Job (schlecht). Aber was sind das überhaupt für Zensurversuche, die wir seit Jahren bei der Bahn erdulden?! Jeder Dreh für einen Filmbeitrag muss angemeldet werden, auch jedes Hörfunk-Interview auf Bahngelände, jede Umfrage. Vieles findet dann nicht statt. Die Zensur fängt am Eingang des Bahnhofs an. Wieso lassen wir uns das eigentlich gefallen? Das ist doch nicht irgendein Privatbetrieb mit Lizenz zum Löten und Betriebsgeheimnissen. Im Gegenteil: Die Bahn ist ein öffentliches, staatlich gefördertes Verkehrsmittel. Deshalb müssen Filmaufnahmen dort unzensiert und ohne Vorabsprache möglich sein, natürlich unter Beachtung der Bildrechte der gezeigten Personen.
Das Resultat der derzeitig geltenden Zensur ist: die chaotischen Zustände bei der einst zuverlässigen Bahn werden nur halbherzig dokumentiert. Etwa auf diesem mir heute zugespielten Foto. Es zeigt ansatzweise einen Teil der riesigen Warteschlange heute morgen am Reisezentrum der Bahn am Frankfurter Flughafen. Bessere Bilder lässt die Bahn halt verbieten. Das ist die gleiche Haltung, die auch bei Stuttgart21 immer wieder spürbar ist: Arroganz. Heimlichtuerei. Und das ausgerechnet bei der einzigen Alternative zum klimaschädlichen Flugzeug auf längeren Strecken. Marode Züge auf schlecht gepflegten Gleisanlagen. Kling fast so als wollten wir die Engländer kopieren. Die verkauften vor Jahren ihre Bahn. Die Investoren ließen die Anlagen verfallen, schließlich musste der Staat die Bahn wieder für teuer Geld zurück kaufen. Wir sind auf dem Weg in englische Verhältnisse – thank you for travelling with Deutsche Bahn.

Kommentare zu „Senk Ju For Travelling #DB“

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  1. Asja
    schreibt am 21. Dezember 2010 16:30 :

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Danke für den bitter nötigen Beitrag!

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