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Och, so’n Pflänzchen weniger…

03.11.2010, von

Wildbienen sind für die Bestäubung wichtig - Copyright Axel Weiss

Letzte Woche ging die UN-Naturschutzkonferenz in Nagoya, Japan, zu Ende. Das Bekenntnis zur Erhaltung der biologischen Vielfalt war deutlich. Dennoch fragen sich immer wieder Leute, wofür diese Artenvielfalt eigentlich wichtig ist. Ein Juchtenkäfer mehr oder weniger, ein paar Wildbienen oder gar unscheinbare Pflanzenarten weg – das ändert doch nichts wirklich am Weltenlauf und an der „Natur“, oder? Das Leben geht weiter?! Ja, schon. Aber deutlich verändert, wie jüngst wieder das Leipziger Zentrum für Umweltforschung in einer ausführlichen acht Jahre dauernden  Studie über Nahrungsbeziehungen in der Natur belegt hat.

„Zum Beispiel kann ein Rückgang der Pflanzenvielfalt dazu führen, dass auch die Vielfalt von Pflanzenfressern, räuberischen Arten, Parasiten und Allesfressern zurückgehen, was sich auf Wechselwirkungen wie die Bestäubung von Blütenpflanzen oder die Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzen auswirkt“, erläutert Dr. Christoph Scherber von der Universität Göttingen, Erstautor der Publikation, die Daten aus 15 Teilprojekten zusammenfasst. Dagegen verhindert eine höhere Vielfalt an Pflanzenarten das Eindringen fremder Pflanzenarten in die Artengemeinschaften und reduziert die Befallsintensität der Pflanzen mit pathogenen Pilzen.

Es kann also sogar ökonomisch Sinn machen, die Artenvielfalt zu erhalten. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Welternährung. Je einfältiger die Natur und die Landwirtschaft, desto anfälliger. Nur: das sind Effekte, die oft nicht im Sinn von auffälligen Ursache-Wirkungs-Beziehungen direkt erkennbar sind. Und das macht das politische Handeln im Naturschutz angesichts eines Trends zu schnellem Profit so schwierig.

Quelle: Ein komplexes Netz für pflanzliche Vielfalt – Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ

Kommentare zu „Och, so’n Pflänzchen weniger…“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Robert
    schreibt am 6. November 2010 04:04 :

    Es ist so traurig, dass man immer wieder Pro-Argumente sammeln muss für dieses Thema.

    Ich finde es absurd, dass man andere Leute überzeugen muss, dass vielfältiges Leben auf der Erde wichtig ist.

    Wir Menschen sind auch nur eine Art unter vielen, benehmen uns aber, als wären wir die Einzige 🙁

  2. Naturfreund
    schreibt am 7. November 2010 10:15 :

    Jede Tier- und Pflanzenart erfüllt einen wichtigen Part im Ökosystem. Fällt eine Art weg, kann dies das Aussterben weiterer Arten nach sich ziehen. Denn oft sind Tiere abhängig von nur einer Tier- oder Pflanzenart in Bezug auf die Nahrung. Wenn ihre Nahrungsquelle versiegt, sterben sie ebenfalls und vermutlich wieder weitere Arten. Das ist ein Teufelskreis.

    Genau das ist der Punkt, wie hier im Artikel geschrieben, man merkt es nicht gleich offensichtlich. Dennoch schreitet das Artensterben weltweit rapide voran. Nachhaltiges politisches Handeln im Umwelt- und Naturschutz ist unabdingbar.

    Betrachtet man jedoch die Industrie-freundlichen Ansichten von Wirtschaftsminister Brüderle, kann man stattdessen erkennen, wohin der Hase in Deutschland weiterhin zukünftig läuft …

    http://www.fr-online.de/wirtschaft/umweltschutz-fuer-bruederle-nachrangig/-/1472780/4803982/-/index.html

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