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Lichtblick für den Artenschutz

29.10.2010, von

Selbst die Naturschutzorganisationen sind sehr angetan vom Ende der UN-Naturschutzkonferenz in Nagoya. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber so wie es aussieht, haben sich die Anstrengungen gelohnt. Die UN-Naturschutzkonferenz konnte sich in letzter Minute spät in der japanischen Nacht auf einen Kompromiss einigen, den alle 193 Vertragsstaaten mit tragen konnten. Das ist zunächst mal ein Riesenerfolg für die Japaner, die als Gastgeber die Verhandlungen selbst in der heißen Schlussphase souverän geführt haben. Ihr Kompromissvorschlag öffnete schließlich den Weg für die Einigung.

Ein Scheitern dieser nächsten großen UN-Umwelttagung nach der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 hätte ein fatales Signal für die Fähigkeit der Vereinten Nationen bedeutet, die Zukunftsprobleme dieses Planeten anzugehen. So aber stehen die kommenden Klimaverhandlungen in Cancun unter einem besseren Vorzeichen. Yes, we can, lautet die Botschaft.

Sicher, das Ergebnis von Nagoya ist aus Sicht der Umwelt verbesserungsbedürftig. Der neue Strategieplan für die nächsten zehn Jahre mit 20 Zielen hätte ehrgeiziger ausfallen müssen. Wir hätten mehr Meeresschutzgebiete benötigt als vereinbart. Wir benötigen auf diesem Planeten mehr finanzielle Anstrengungen als die zugesagten Milliardenbeträge, um die wertvolle Ressource Artenvielfalt in die Zukunft zu retten. Weit über das jetzt vereinbarte Ziel 2020 hinaus. Zumal die in Nagoya vereinbarten Zahlungen bis 2020 erst noch fließen müssen.

Erst in zwei Jahren beim nächsten Treffen wird klar werden, ob hier heute Luftbuchungen vorgenommen wurden. Doch immerhin, sie sind da, der Strategieplan und die konkreten Zahlen für die Finanzierung, die Grundlage für alles weitere sein können. Erinnern wir uns: Das hilft nicht immer. Auch für das Jahr 2010 bereits konkrete Vorgaben, wie das große Artensterben auf diesem Planeten gestoppt werden kann. Diese Ziele wurden völlig verfehlt.

Doch besser als keine Einigung ist das heutige Ergebnis auf jeden Fall, das dicke Brett des Naturschutzes braucht lange zum Bohren. Was mich besonders freut ist die Einigung auf ein Protokoll, das den Zugang zu den genetischen Ressourcen regelt und klar macht, dass diese Ressourcen nicht zum Nulltarif ohne Beteiligung der Drittweltstaaten zu haben sind. Das Nagoya-Protokoll war der härteste Brocken in den Verhandlungen und daran wären sie fast gescheitert. Immerhin geht es nicht zuletzt um den Zugang zu wichtigen natürlichen Rohstoffen, für uns in Deutschland ein auch wirtschaftlich wichtiges Thema.

Die Einigung in Nagoya macht deutlich: die Zeit der Gratisbedienung an traditionellem Wissen und natürlichen Ressourcen, die Zeit der Biopiraterie und der machtvollen Alleingänge der Industriestaaten ist vorbei. Gewinne sollen fair zwischen Ursprungsländern und Nutzern verteilt werden, das ist die vielleicht wichtigste Botschaft dieser Konferenz.

Nagoya ist erst der Anfang, die Arbeit geht jetzt erst richtig los. Erst mal müssen alle Staaten, die heute zugestimmt haben, auch tatsächlich beitreten. Das ist nicht selbstverständlich. In vier Jahren sollen die Ergebnisse überprüft werden. Bleibt jetzt zu hoffen, dass dem Nagoya-Protokoll ein erfolgreicheres Schicksal bevorsteht wie dem einst auch hoffnungsfroh in Japan verabschiedeten Kyoto-Klimaschutzprotokoll. Das startete mit Verlaub als Tiger und endete als Bettvorleger. Für den Artenschutz wäre das fatal.

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