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Fischlos in Afrika

02.09.2010, von

Ein Fünftel der wasserlebenden Tier- und Pflanzenarten Afrikas ist vom Aussterben bedroht. Viele Fische, aber auch andere Lebewesen. Das hat heute die Weltnaturschutzunion bekannt gegeben (hier: Bildergalerie). Eine aufwändige Untersuchung: fünf Jahre haben 200 Spezialisten 5167 Süsswasserarten evaluiert. Fische, Muscheln, Schnecken, Krebse, Libellen und allerlei Pflanzen. Das Ergebnis dieser bisher umfangreichsten Forschungsarbeit ist niederschmetternd. Jean-Christophe Vié, Chef des „IUCN Species Programme“:

This latest IUCN Red List assessment clearly shows that lakes, rivers and wetlands haven’t escaped the grasp of the current extinction crisis.

Die jüngste Bewertung der Roten Liste zeigt deutlich, dass das derzeitige Artensterben nicht vor Flüssen, Seen und Feuchtgebiete halt macht.
Für alle, die Artenschutz für Luxus halten: Es ist keineswegs egal, ob eine Art existiert oder nicht. Jenseits grundsätzlicher Überlegungen zum Nutzen der Biodiversität gibt’s dafür handfeste Gründe. Bestimmte Wasserschnecken zum Beispiel sind für die Wasserqualität wichtig, sie filtern. Am Unterlauf des Kongo sind aber inzwischen elf Schneckenarten durch Verschmutzung hochgradig bedroht.

Oder:  Im Malawi-See gibt es die „Chambo“-Fische. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle. Einer dieser Fische, „Oreochromis karongae“ wurde so massiv überfischt, dass er inzwischen vom auf der Roten Liste gelandet ist. Sein Bestand ist in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent geschrumpft.

Kein Einzelfall. Übernutzung und Wasserverschmutzung fordern vielerorts heftigen Tribut. Am Viktoriasee sind mittlerweile fast die Hälfte von 191 Fischarten bedroht oder vom Aussterben bedroht. Und das hat Folgen für die Menschen.

Die großen Seen in Afrika versorgen viele der Ärmsten des Kontinents mit eiweißreicher Nahrung. 7,5 Millionen Menschen südlich der Sahara sind von der Inland-Fischerei abhängig. Vor diesem Hintergrund kommen die Forschungsergebnisse der IUCN gar nicht gut.

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