. .

Schwarz brennen – leicht gemacht?

18.08.2010, von

Der Trend geht zur Destille beim Gartenfest - Copyright Axel WeissHeute hat der Zoll an der Mosel einen Schwarzbrenner hochgehen lassen. Und wir haben uns in der Redaktion gefragt: Wie schwierig ist das eigentlich, schwarz zu brennen? Die Antwort: Das geht eigentlich ganz einfach. Man braucht halt so ein Gerät wie dieses da auf dem Foto, das ich kürzlich bei einem Fest aufnehmen konnte. Sechs Kilowatt brachten dort einige Dutzend Liter vorgebrannte Kirschmaische zum Köcheln. Das Ergebnis nach ein paar Stunden: ein paar Liter erstaunlich feiner Kirschbrand. Lecker.

Natürlich war die Sache angemeldet nach allen Regeln der Kunst, hat mir der Brenner erklärt. Wer mehr als einen halben Liter Schnaps erzeugt muss das anmelden. Der besagte Schwarzbrenner aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich hat sich eben genau nicht an die Spielregeln des Zolls gehalten. Er hatte zwar auch eine eine Destille bei sich stehen, ganz legal und er hatte ein Brennrecht, mit dem er 300 Liter reinen Alkohol im Jahr für sich brennen durfte. Macht also rund 750 Liter Schnaps jährlich, das sind Rechte aus alter Zeit. Aber die Legalität setzt voraus, dass sich die Brenner stets an die Steuervorschriften halten: Ein paar Tage vor dem Brennen muss der Brenner etwa beim Zollamt anmelden, dass er soundsoviel Liter Obstmaische zu Schnaps machen möchte. Danach berechnet sich dann die Steuer, die zu zahlen ist. Ferner gibt’s genaue Vorschriften, dass nur zu bestimmten Zeiten gebrannt werden darf. Und es muss genau Buch geführt werden usw..

Trinkalkohol bringt dem Staat rund zwei Milliarden Euro jährlich. Das ist für eine Steuer zwar nicht so viel, Tabak oder Benzin bringt weit mehr. Aber bei einem Liter 40%er beträgt die Branntweinsteuer derzeit doch gut fünf Euro. Wenn man die nicht zahlen will, dann brennt man halt zusätzlich außerhalb der genehmigten Zeiten. Dazu muss man freilich eine Zollplombe entfernen, mit der viele Brennanlagen in der Regel außerhalb der zugelassenen Zeiten versiegelt werden.

Noch ein Trick: Man setzt der Maische Zucker zu, dann ist die Alkoholausbeute höher, die Steuer wird aber nur für die niedrigere Ausbeute berechnet. Die Differenz kann man einsacken. Beides hat der Schwarzbrenner von der Mosel wohl jahrelang gemacht. Ob’s aufgeflogen wäre, wenn ihn nicht jemand verpfiffen hätte, da bin ich mir nicht sicher. Jetzt erwarten ihn satte Strafen und eine fünfstellige Steuernachzahlung.

Kommentare zu „Schwarz brennen – leicht gemacht?“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Neo Loft
    schreibt am 18. August 2010 11:27 :

    Wahrlich ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

Schreibe einen Kommentar

*

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019