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Fischers Kormoran fischt frisch

14.06.2010, von

Kormorankolonie auf der Insel Fehmarn
Vogel des Jahres 2010 für die einen, Hassobjekt für die anderen. Die schwarzen Kormorane polarisieren wie kaum eine andere Vogelart. Jenseits aller Fischfraß-Fantasien und wirtschaftlicher Ängste wirken da eine Reihe recht archaischer Muster. Wären die düsteren Kormorane bunt wie, sagen wir: Kolibris – das Problem „fischräubernder Vögel“ würde sich bei weitem nicht so stellen, wetten?

Dass die Kormorane alles andere als finstere Gesellen sind zeigt ein Blick in die Kormoran-Cam des Nabu Schleswig-Holstein. Seit einer Woche übermittelt die solarstromgetriebene Hightech-Netzwerk-Kamera das Geschehen aus einer Kormorankolonie, die geschützt auf einer kleinen Insel in einem Teich im Nabu-Wasservogelreservat Wallnau auf der Insel Fehmarn liegt. Danke an Dominik für den Hinweis. Das kam genau richtig, denn die kleinen Uhus in der SWR-Uhucam sind flügge geworden.

Kommentare zu „Fischers Kormoran fischt frisch“

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  1. Energiefox
    schreibt am 19. Juni 2010 16:42 :

    Danke für den Beitrag.
    Ich habe erst ein Schreck bekommen als ich das Foto von den Kormoranen sah. Ich dachte schon wieder ein Foto von ölverschmierten Tieren. Hier am Speichersee Geeste Lingen (Ems) sind anscheinend viele Kormorane. Ein Mann sagte mir letztens es sind viel zu viele, scheißen die ganzen Bäume kaputt. Der ist Jäger als Kormorane über uns flogen, machte er ein Zeichen das man die abknallen müsste.
    Also ich traue bei Jägern nicht, hier am Speichersee (Geeste) im kleinem Wald um den See haben Jäger Hochsitze und füttern sogar das Wild an, um es dann besser abknallen zu können. Ob die das Wild fachgerecht hegen und pflegen, wie die es gerne behaupten, ein sehr großes?
    Gruß Fox

  2. M a x F i s c h e r
    schreibt am 12. Juli 2010 17:29 :

    Hallo SWR,

    was soll das Geschwafel über „Fischfraß-Fantasien“ und „archaischer Muster“?

    Würden „bunte“ Kormorane etwa keine Fische mehr fressen?

    Nur mal zur Info: Ein Kormoran benötigt ca. 500g Fisch pro Tag, das > Brutpaar< im Jahr somit etwa 360kg. Dies etwas mehr als die Menge Fisch die in Brandenburg pro 1 Hektar Karpfenteich (100m x 100m) geerntet wird. Da dieser Teich im nächsten Jahr fischleer wäre bräuchte das Brutpaar also eine wesentlich größere Teichfläche um nur den jährlichen Zuwachs zu entnehmen und nicht den Bestand aufzuzehren.
    In natürlichen Gewässern ist der Bestand und Zuwachs (= Erträge) deutlich geringer, große Seen haben mitunter nur Erträge von 5 – 15kg pro Hektar, die benötigte Fläche wird somit erheblich größer.
    Da der Kormoran einige Arten besonders „mag“ (oder leichter erbeuten kann) können die Probleme für die Fischerei schon eher beginnen. Das der Kormoran meist kleinere Fische (nicht mit Kleinfischen verwechseln!) frisst verstärkt das Problem noch. Fischer und Angler entnehmen Fische die ein Maß erreicht haben, die sich schon fortgepflanzt haben. 1kg Hecht sind beim Angler ein Fisch beim Kormoran jedoch möglicherweise 2 …10 Stück.

    Ist nur eine grobe Abschätzung, so eine Nahrungsabschätzung sollte man aber mal treffen ehe man z.B. Heckrinder hält…

    Warum hat der NABU keine Webcam mit der er zeigt wie Teichwirtschaft „durch geeignete Maßnahmen wie einer Netzabsperrung und ggf. geeignete nicht letale Vergrämungsmaßnahmen angegangen werden.“ kann. Weil es der NABU in seiner eigenen Teichwirtschaft in Brandenburg auch nicht schafft? Dort werden nur die angelieferten tschechischen Karpfen gemästet da wegen der Kormorane keine Aufzucht mehr erfolgen kann.

    Im Winter kommen dann die Kormorane z.T. in die südlichen Bundesländer wo sie sich auf die Oberläufe der Flüsse konzentrieren da die stehenden Gewässer dann ja zugefroren sind. Da es von diesen Gewässern weniger gibt als Gewässer „oben“ an der Küste beträgt der Verlust am Fischbestand dann 60 bis 90%, unabhängig ob die Flüsse naturnah sind ober verbaut. Diese Menge Fisch kann bis zum nächsten Jahr nicht wieder nachwachsen, insbesondere wenn dann noch im Sommer Kormorane vor Ort sind.

    Wie sich das auswirkt beschreibt das Thüringer Umweltministerium anhand der Äsche, eines typischen Fisches der dortigen Gewässer:

    „Nach dem sehr schnell einsetzenden Rückgang der Gewässerbelastung nach 1990 wurde bis zur Jahrtausendwende fast das gesamte historische Verbreitungsgebiet der Äsche in Thüringen wiederbesiedelt. Eine Vielzahl von Daten belegen jedoch, dass ab ca. 1996 die
    Bestandsdichten deutlich zurückgingen, zunächst nur begrenzt, später in ganz Thüringen.
    Der Trend hält bis heute an. In den meisten Gewässern ist die Äschenpopulation an den
    Rand der Reproduktionsfähigkeit gedrängt bzw. sie muss sogar als zusammengebrochen
    betrachtet werden. In weiten Strecken Thüringer Fließgewässer ist die Populationsdichte der
    Äsche deutlich unter das Niveau von vor 1990 gesunken Mit dem Totalverlust der Art in
    vielen Gewässern aller drei Thüringer Flusseinzugsgebiete muss in nächster Zeit gerechnet
    werden. Dramatisch ist nicht nur die Ausdünnung der Individuenzahl der Teilpopulationen,
    sondern auch die Zerstörung der natürlichen Alterspyramide.
    Die Hauptursache für die negative Entwicklung liegt in der seit 1995 drastisch zunehmenden
    Frequentierung Thüringer Gewässer durch den Kormoran. Der daraus
    resultierende Fraßdruck auf die Äschenpopulation kann nicht mehr kompensiert werden.“

    Waren das nun archaischer Muster?

    Fragt
    Max Fischer

    • Axel
      schreibt am 18. August 2010 15:47 :

      Lieber Max Fischer, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Ökologie des Kormorans, den Fraßdruck etc. liegen seit langem vor. Ich bin immer wieder erstaunt, warum sie ignoriert werden, insbesondere häufig von fischnutzender Seite. Da sei mir dann schon gestattet, zu fragen, was da los ist und das auch zugespitzt zu bewerten. Fakt ist in Sachen Kormoran: Der Blick auf den lokalen Teich und in die eigene Region hilft nicht weiter. Mit schnellen Schüssen und lokaler Vergrämung ist es eben genau nicht getan. Die fraglos existierenden Konflikte zwischen Artenschutz und Naturnutzung können nur überregional, europaweit übergreifend gelöst werden. In dieser Richtung gehen etwa die Empfehlungen des UFZ Leipzig, nach zu lesen hier: http://www.ufz.de/index.php?de=16843

  3. Max Fischer
    schreibt am 9. September 2010 00:40 :

    Lieber Axel Weiß
    Zu den lange bekannten Fakten bezüglich des Kormorans noch einmal ein Beispiel von einer Seite des SWR, dort (und auch immer wieder anderswo …) lese ich:
    „In vielen Bundesländern ist der Gesamtbestand ab 1995 kaum noch angewachsen und hat seit Anfang 2000 bundesweit ein stabiles Maximum erreicht. Die Kolonien verlagern sich immer mehr vom Binnenland an die Küsten von Nord- und Ostsee.“
    Laut DDA (Dachverband Dt. Avifaunistik) gab es 1995 ca. 15 000 Brutpaare, im Jahre 2000 ca. 18 000 Brutpaare und 2009 ca. 24 000 Brutpaare. Also wenn 30% Zuwachs stabil sind?
    Im Monitoring-Rundbrief 1/2010 des DDA steht auch:
    „Einen auch aktuell noch positiven Bestandstrend erkennt man nur in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.“ Dies sind doch beides keine typischen Küstenländer – ODER?

    Es ist mir bekannt das der Kormoran einer der bestuntersuchten Vögel ist. Neu war mir ihrer Aussage zum „Europaweiten Kormoran-Management“ und den edlen Naturfreunden, ich habe deshalb mal bei den bekannten Naturschutzverbänden nachgeschaut:

    Der BUND schreibt unter
    http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/wald/jagd/kormorane/

    „Auch wenn lokal fischereiwirtschaftliche oder Artenschutzprobleme durch Kormorane auftreten könnten, sind diese durch lokale Maßnahmen zu lösen.“

    KÖNNTEN lese ich dort – schrieben Sie nicht etwas von „ fraglos existierenden“ ?
    und weiter:

    „Mehr noch, das Beseitigen großer Mengen an Weißfisch, deren Bestand durch den erhöhten Nährstoffeintrag besonders begünstigt wird, hat einen positiven Einfluss auf die Gewässerqualität.“

    In einer anderen Schrift schreibt der BUND-Landesverband

    http://www.bund-rlp.de/fileadmin/bundgruppen/bundrlp/Natur-_und_Artenschutz/stnkormoran-vobundgnornabunaturfreundepollichiasept2008.pdf

    „Die anerkannten Naturschutzverbände BUND, GNOR, NABU, Naturfreunde und POLLICHIA lehnen den vorgelegten Entwurf einer Landesverordnung zur kontrollierten Entwicklung der Kormoranbestände strikt ab.“

    damit hätte ich ja gleich 4 weitere Verbände abgefragt deshalb weiter im Text:

    „Im Gegensatz dazu wurde bei vielen der zitierten Untersuchungen ein paralleles Anwachsen von Kormoran- und Weißfischbeständen festgestellt.“

    aber Hallo – hatten wir nicht eben gelesen der Kormoran „beseitigt große Mengen an Weißfische“ ?
    Aber ich wollte ja nach Management suchen, dazu finde ich auf der

    Homepage des bayr. Landesbundes für Vogelschutz:
    NABU-Vizepräsident Opitz: „Das immer wieder hervorgebrachte Gerede von ‚Überpopulationen‘ des Kormorans sollte damit endlich ein Ende haben.“ Die Bundesregierung hatte ferner darauf verwiesen, dass die Europäische Kommission die Erarbeitung eines Kormoranmanagementplans“ auf europäischer Ebene für „nicht verhältnismäßig“ erachte.

    Also wie Zustimmung zum Management klingt dies nicht, auch hatte ich die Erklärung der Europäische Kommission anders im Ohr. Aber hier steht dies ja noch eindeutiger:

    http://www.lbv.de/uploads/media/A-49-09_Kormoran_Vogel_des_Jahres_01.pdf
    Gemeinsame Presse-Erklärung NABU und LBV: Kormoran ist Vogel des Jahres 2010

    NABU und LBV lehnen eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Denn es gibt Alternativen. Eine zeitgemäße Strategie ist die Schaffung von Ruhezonen.

    Hier noch einmal der Lokalfürst des NABU:

    Der NABU lehnt ein “Management” der Kormoranbestände vehement ab. Allenfalls kommt für die Naturschützer in Frage, Kormorane von besonders sensiblen Orten zu verscheuchen – etwa den Laichplätzen der Äschen. “Die Bestände einer Art insgesamt zu regulieren, ist alleine Aufgabe – und alleine Kompetenz – der Natur”, so Baumann.

    Also wenn ich Ignoranz finde dann doch hier.

    Soweit Teil 1

  4. Max Fischer
    schreibt am 9. September 2010 00:40 :

    Schauen wir doch mal auf die >andere Seite Kormoranbericht Mecklenburg-Vorpommern 2009< sagt etwas anderes: „An den Fischteichen der Lewitz wurde 2009 erstmalig die Auflösung von Schlafplätzen durch gezielte Abschüsse genehmigt. Diese Maßnahme erwies sich als erfolgreich. Das Fehlen von Schlafplätzen bewirkte eine Verminderung der Zahl der Kormorane, die zur Nahrungssuche auf den Fischteichen angetroffen wurden. Dadurch verminderten sich sowohl die fischereiwirtschaftlichen Verluste als auch die Zahl der insgesamt abgeschossenen Kormorane,…“

    Und neben den Konflikten zwischen Artenschutz und Naturnutzung gibt es auch welche zwischen der einen Art die zwar noch als geschützt gilt (obwohl sie sich massiv vermehrt und ihr Verbreitungsgebiet erweitert hat) und anderen Arten die akut bedroht sind.
    Das Beispiel der Äschen und anderer Arten der Flussoberläufe scheint noch nicht zu Ihnen durchgedrungen zu sein. Lesen Sie sich doch mal die Studie zu Situation der Äsche in Thüringen durch. Nach der Wende haben sich die Bestände erholt und diese Art hatte fast ihr gesamtes altes Verbreitungsgebiet wiederbesiedelt. Selbst erhaltende Bestände in Bestandsdichten wie sie typisch für die Gewässer sind. Bis dann die Kormorane auftauchten, die folgende Situation wird so beschrieben: „In weiten Strecken Thüringer Fließgewässer ist die Populationsdichte der Äsche deutlich unter das Niveau von vor 1990 gesunken. Mit dem Totalverlust der Art in vielen Gewässern aller drei Thüringer Flusseinzugsgebiete muss in nächster Zeit gerechnet werden.
    Auch bei der Äsche gibt es Beispiele das die lokale Vergrämung funktioniert: Die Schweizer haben wegen ihrer Kormoranwacht (Vergrämung von größeren Kormoranschwärmen an den Fließgewässern) noch Äschenbestände die sich auch nach den Hitzesommern erholt haben. Die deutschen Abschnitte (mit Kormoran) konnten sich nicht erholen, aber dies liegt dann am Klimawandel … schreibt der NABU, protestiert aber gleichzeitig gegen die Schweizer Maßnahmen und das dort lokal (erholte Bestände) wieder Äschen gefangen werden.
    Wenn Sie schreiben: „Mit … lokaler Vergrämung ist es eben genau nicht getan.“
    Wieso – ist dies nicht auch der 2. Punkt der von Ihnen angeführten Studie des UFZ?

    Soweit für diesmal, auf viele viele meiner rhetorischen Fragen erwarte ich keine Antwort, das mit den Weißfischbeständen würde mich aber doch interessieren, insbesondere das ja nach Aussage die meisten Kormorane an den Meeresküsten leben und Weißfische ja nun doch keine Meeresfische sind?

    Max Fischer .

  5. Max Fischer
    schreibt am 11. September 2010 09:45 :

    Hallo nochmal,
    irgendwie ist ein Teil meines Texts verloren gegangen der geneigte Leser möge sich das folgende also zwischen Teil 1 und 2 denken:

    Schauen wir doch mal auf die >andere Seite Kormoranbericht Mecklenburg-Vorpommern 2009< sagt etwas anderes:

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