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Energiehunger frisst Caatinga

09.04.2010, von

Die Caatinga ist ein Buschland in Nordostbrasilien, zwei Mal so groß wie Deutschland. Ein gut an das trockene Klima angepasstes Ökosystem. Die Caatinga wird vernichtet und gerodet. Jährlich verschwindet zwei Mal die Fläche der Megastadt Sao Paulo. Grund ist die Produktion von Energie: die Vegetation der Caatinga wird in Holzkohle verwandelt, die dann in den Stahl-Hochöfen Brasiliens oder für Brennöfen in der Keramikproduktion eingesetzt wird. Eine primitive, wenig effiziente Energienutzung. Klar ist: Ohne den Einsatz von Alternativenergien wie Wind oder Erdgas wird die Caatinga verschwinden, bemerkte kürzlich der brasilianische Umweltminister Carlos Minc.

„Sem estimularmos alternativas de geração de energia, como gás natural ou energia eólica [dos ventos], não vamos conter o desmatamento na caatinga“, observou o ministro Carlos Minc (Meio Ambiente) ao divulgar os números do monitoramento do bioma, que só existe no Brasil.

Das Problem: Um die Caatinga oder den benachbarten Sertão – eine Art Savanne – kümmert sich kaum jemand, es sind unspektakuläre, unwirtlich wirkende Ökosysteme, mit denen sich auch kaum Spenden einwerben lassen. Wenn man genau hinschaut, entfaltet sich zwar in der Caatinga ein komplexes System von Tier-Pflanzen-Beziehungen, finden sich ähnlich wie in Wüsten faszinierende Insekten oder versteckt lebende Reptilien. Das habe ich vor einigen Jahren bei einem Besuch in Brasilien gelernt. Aber weil in dieser Trockenzone halt keine „Vorzeigearten“ leben, die sich international „vermarkten“ lassen, tun sich die großen Naturschutzverbände nach meiner Wahrnehmung schwer mit dem Schutz der Caatinga. Und so verschwindet international nahezu unbeachtet eine weitere Spielwiese der Evolution von unserem Planeten – als Holzkohle für billigen Stahl und Keramiktöpfe.

Gelesen in: Folha Online – Ambiente

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