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Und ewig sterben die Haie

26.03.2010, von

Für den weltweiten Artenschutz ist das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Cites) derzeit nur im Einzelfall eine Unterstützung. Das hat die 15. Sitzung von Cites, die jetzt in Doha zu Ende gegangen ist, sehr deutlich gezeigt. Einzelne Symbolarten wie der Elefant genießen eine gewisse Aufmerksamkeit, aber das war’s dann auch schon. Sicher, viele Länder haben seit Gründung von Cites Anfang der 70er Jahre erst richtig angefangen, den Artenschutz auch in ihren Gesetzen zu verankern und den Handel mit wilden Tieren und Pflanzenarten zu regeln. Doch inzwischen ist auch klar: Die Länder dieser Welt lassen sich den Handel mit lukrativen Arten letztlich nicht wirklich vermiesen.

Schauen wir auf die Beschlüsse von Doha. Die Rote Koralle zum Beispiel, ein beliebter Rohstoff für Schmuck. Abgeräumt im Mittelmeer bis auf kärgliche Reste, die kaum noch vermehrungsfähig sind. Dennoch: Schutzantrag abgelehnt. Oder: Gerade mal 3200 Tiger gibt es noch in freier Wildbahn weltweit. Für die wird jetzt eine Datenbank aufgebaut. Na toll, wieder eine Datei mehr, die das langsame, aber sichere Aussterben einer weiteren Tierart dokumentiert. Dazu ein bisschen Koordination bei der Wildereibekämpfung. Super. Beim Eisbär dürfen wir auch zuschauen, wie er verschwindet: ein Handelsstopp für Eisbärenfell wurde abgelehnt, und den Roten Thunfisch lassen sich die Japaner erst recht nicht aus ihrem geliebten Sushi wegschützen, wäre ja noch schöner. Ähnliches gilt für die inzwischen großflächig bedrohten Haie, kein einziger der acht Schutzanträge kam durch. Nicht mal für den harmlosen Heringshai gab’s Gnade.

Weg also mit dem Artenschutzabkommen wegen erwiesener Unfähigkeit? Im Grunde: Ja, der ganze wissenschaftliche Aufwand um zu klären wie bedroht einzelne Arten sind lohnt doch nicht, wenn bei entscheidenenden Fragen dann eh nur die blanke Geldgier regiert. Zu wenige Arten profitieren. Der hübsche schwarz-weiße Zagros-Molch aus dem Iran etwa darf künftig nicht mehr ins Ausland verkauft werden.Auch die süßen Rotaugenlaubfrösche unterliegen jetzt Handelsbeschränkungen. Ja, schon, das ist besser als nichts. Noch immer finden sich in Terrarien die erstaunlichsten Raritäten und es gibt auch immer noch Käufer für Elfenbein.

Das übrigens war der einzige Lichtblick dieser traurigen Artenschutzveranstaltung in Doha: Sambia und Tansania sind mit dem Versuch gescheitert, das Handelsverbot für Elfenbein zu lockern. Das hätte die eh wieder stärker verbreitete Wilderei in Ostafrika noch stärker gefördert. Wenigstens an diesem Punkt hat die Konferenz „Halt“ gesagt. Ohne die EU übrigens, die hat sich enthalten. Wie die EU zuvor auch bereits den Handel mit Eisbärenfell befürwortet hat. Und das im „Internationalen Jahr der Artenvielfalt“. Also, zur Achse des Bösen bei der weltweiten Artenvernichtung gehören eben nicht nur „die anderen“, wie Japan und China. Nach dieser Doha-Konferenz gehört die EU zumindest zum engeren Sympathisantenkreis der Biohazardeure, meine ich. Verantwortung für die Schöpfung sieht jedenfalls anders aus.

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