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Giftige Chemie bei Tiefbohrungen

12.03.2010, von

In den USA gibt es eine Debatte darüber, dass Bohrungen nach Erdgas zunehmend mit giftigen Chemikalien unterstützt werden, lese ich bei „reuters„. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA ist wenig begeistert darüber, was in den Untergrund injiziert wird:

EPA Administrator Lisa Jackson said on Monday she was „very concerned“ about the composition of fracturing fluids and that she hoped the agency would conduct a study this year if it obtained funding.

Die EPA ist also „sehr besorgt“, die genaue Zusammensetzung der Chemikalien wenig öffentlich. Klar ist: Probleme gab’s letztes Jahr bereits wegen der geplanten Gasgewinnung bei New York, die nach Meinung von Kritikern die Trinkwasserversorgung der Megacity gefährdet. Ok, da geht es um Schiefergasgewinnung, ich frage mich dennoch bei dieser Gelegenheit: Wie ist das eigentlich bei der Erdwärmenutzung, der Tiefengeothermie? Gibt’s da womöglich ähnliche Probleme? Vor allem wenn die Hot-Dry-Rock-Technologie eingesetzt wird, bei der unter Hochdruck Risse ins Gestein gesprengt werden? Diese Vorgänge sind ja auf den ersten Blick denen bei der Schiefergasgewinnung nicht unähnlich. Rechercheaufgabe für nächste Woche, heute reicht’s zeitlich nicht. (Mal sehen, ob ich bis dahin nicht schon irgendwo die Schlagzeile lese: „Vergiftet die Erdwärmenutzung unser Wasser?“ :))

Quelle: Obama aide urges listing of gas-drilling chemicals | Reuters.

Kommentare zu „Giftige Chemie bei Tiefbohrungen“

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  1. Regina
    schreibt am 26. März 2010 06:19 :

    Z.B. Pentan, als Arbeitsmedium in der Tiefen Geothermie, ist hoch giftig.
    Allerdings werden mit dem salinaren Tiefenwasser auch Radionuklinde an die Oberfläche befördert. Das Aufkommen radioaktiver Schlämme und Schrotte ist hoch.
    Vergleich Kohle, Öl, Gas und Tiefe Geothermie:
    http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?p=3307

  2. Franziska
    schreibt am 20. April 2010 11:27 :

    Regina,
    tut mir leid, aber Du hast leider nicht all zuviel Ahnung von dem Thema. Und auf der genannten Homepage werden ja eigenmächtig Hypothesen als Tatsachen verkauft, was so aber nicht richtig ist.

    1) Das Arbeitsmedium Pentan kommt in zahlreichen anderen Prozessen ebenfalls zur Anwendung. In der Geothermie wird Pentan als Arbeitsmittel eines binären Kreislaufs verwendet, d.h. das ist ein eigenständiger Kreislauf, der vom Thermalwasserkreislauf völlig getrennt ist. Das was die Landwirte auf die Felder ausbringen, ist da wohl für das Trinkwasser um Welten gefährlicher, als es das Pentan eines Geothermiekraftwerks ist. Pentan ist zudem NICHT hochgiftig!!! Hochgiftig sind ganz andere Stoffe!! Es wird beinahe in jedem Kühlschrank als Kältemittel eingesetzt. Es ist natürlich nicht zum Verzehr bestimmt!!!

    2) Schlämme mit erhöhter Radioaktivität können bei Tiefenbohrungen auftreten, müssen es aber nicht! Das hängt doch von den geologischen Schichten ab, aus denen das Medium (Wasser, Gas, Öl ..) gefördert wird. Es gibt Regionen, bei denen bereits die Schlämme von oberflächennahem Grundwasser stark angereichert sind. Oder so gesehen stellt jeder Ölbrenner, jede Gasleitung etc. eine vergleichbare Gefahr dar. Dieses „Problem“ könnte demnach in fast allen Bereichen unserer Umgebung ein Thema sein.
    Hier wird mit aller Kraft versucht, eine verhältnismäßig saubere Form der Energiegewinnung in Verruf zu bringen.

  3. Regina
    schreibt am 21. April 2010 07:17 :

    Werden die bei der Nutzung der Geothermie geförderten Fluide behandelt und entsorgt, so können größere Mengen an radioaktiv belasteten Abfällen entstehen. Für die USA wird aus dieser Art der Geothermienutzung ein Mengenaufkommen von 54.000 t Abfällen mit einer mittleren Ra-226 Aktivität von 4,88 Bq/g (132 pCi/g) eingeschätzt /58/. Aufkommen an kontaminierten Schlämmen und harten Ablagerungen aus der Öl- und Gasindustrie allein in den USA auf 200.000 bis 300.000 Tonnen pro Jahr.” *1 (4.3.3) (Radium 226 hat eine Halbwertzeit von 1600 Jahren)
    Bundesamtes für Strahlenschutz

    Da in den USA der Anteil der Tiefengeothermie verschwindend gering ist, ist das Aufkommen radioaktiver Schlämme und Scales aus dieser Form der Energiegewinnung hoch.

    Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Wärme über radioaktive Zerfallsprozesse entsteht.
    „Radioaktivität als wesentliche Quelle der Erdwärme bestätigt“
    Max-Planck-Institut für Kernphysik
    Am Borexino-Detektor (Gran-Sasso, Italien) wurde jetzt erstmals nachweisen, dass Radioaktivität eine wesentliche Rolle als Quelle geothermischer Energie spielt.

  4. Franziska
    schreibt am 3. Mai 2010 15:26 :

    Regina,
    das ist doch alles kalter Kaffee.
    Dass Scales mit radioaktiv angereicherten Ablagerungen entstehen können (ich betone: können!), trifft nicht nur auf die Geothermie zu, sondern vielmehr auch auf jedes Wasserwerk, dass das Trinkwasser aus geologischen Schichten bezieht, die mehr Radionuklide beinhalten als andere Schichten. Die natürliche Radioaktivität ist die Quelle für die Erdwärme schlechthin. Und radioaktiv sind vor allem Granit und Ton (K40, Uran…). Diese Gesteine kommen fast überall vor. Demnach strahlen die Ziegel eines jeden Hauses und sollten (deiner Argumentation zufolge) verboten werden.
    Das ist doch alles ziemlicher Blödsinn, der das verbreitet wird.
    Geothermie nimmt in vielen Ländern mittlerweile eine Schlüsselrolle bei der Energiegewinnung ein.
    Aber wenn es besser sein sollte Öl und Gas zu verbrennen: Bitte schön, da bleibt die Umwelt sicherlich demnächst vollständig auf der Strecke, wie man derzeit im Golf von Mexiko sehen kann.

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