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Google liebt Geothermie

25.02.2010, von

Google ist längst mehr als nur ein Suchmaschinenkonzern. Die „Datenkrake“, wie Kritiker gern sagen, hat längst ihre Arme in andere Geschäftsbereiche ausgedehnt. Energie zum Beispiel. Dabei setzt Google inzwischen massiv auf die Nutzung der Erdwärme. Allerdings weniger das, was bei uns mancher Häuslebauer macht: Wärmesondentechnik im Vorgarten, sondern Tiefengeothermie. Also richtige Kraftwerke. Aber erstmal sammelt Google – genau: Daten. Gar nicht dumm: In den USA gab es zwar viele öffentliche Daten zu den Temperaturverhältnissen im Untergrund. Die waren aber schlecht zugänglich. Das hat sich geändert. Seither liegen die Potentiale für die Erdwärmenutzung als Karte in GoogleEarth vor.Bohrer - Copyright Axel Weiss/SWR
Charles Baron von der „Klima und Energie“ Abteilung von Google stellte das Projekt heute morgen auf der Geotherm-Messe in Offenburg vor. Klingt zunächst nicht übel (oben die Kurzfassung aus Youtube, wobei sich Baron tapfer auf den Beinen hielt – er war für seinen Vortrag eingeflogen und lebte mit gefühlten 2 Uhr nachts kalifornischer Zeit). Google argumentiert als Energieverbraucher mit seiner Verantwortung für den Klimawandel. Aber natürlich geht’s um Geschäftsfelder der Zukunft – und das Nach-Erdöl-Zeitalter kommt so sicher wie das nächste Erdbeben in Istanbul, die Frage ist lediglich: Wann genau? Da bauen die Kalifornien vor: Immerhin neun Firmen im Bereich der Erneuerbaren Energien arbeiten bereits mit Google eng zusammen oder sind von Google (tw.) gekauft worden. Potter Drilling etwa, die ein Verfahren entwickeln, wie sich mit Hochdruckflüssigkeit besser bohren lassen könnte.

Wobei Google interessanterweise auf genau die Technologie aus dem Bereich der Erdwärmenutzung setzt, die bei uns mit für den meisten Wirbel gesorgt hat: die Hot-Dry-Rock-Technologie, auf gut englisch: EGS, Enhanced Geothermal Systems oder besser noch: Engineered Geothermal Systems. Dabei wird in mehreren Kilometer Tiefe mit starkem Hochdruck Wasser ins heiße Gestein gepresst, der Fels bekommt Sprünge und Risse und einige hundert Meter entfernt wird das so erhitzte Wasser wieder hochgepumpt.
Ein solches Verfahren wird in Soultz-sous-forets im Elsaß in einem europäischen Versuchsprojekt ausgetestet, nach erheblichen technischen Schwierigkeiten läuft das Kraftwerk mittlerweile. Aber: Genau dieses Hot-Dry-Rock-Verfahren sorgte in Basel vor zwei Jahren für mehrere schwache Erdbeben, Risse und eine Menge Ärger. Das Projekt wurde erst kürzlich gestoppt, weil Folgeschäden zwischen 40 und 600 Millionen Franken zu erwarten waren. In geologisch sensiblen Regionen wie dem südlichen Oberrheingraben ist dieses Verfahren ungeeignet. Hinterher ist man schlauer.
Bohrerspitze - Copyright Axel WeissWobei: der immer wieder durch „induzierte Seismizität“ (sprich: menschengemachte Erdbeben) ausgelöste Ärger in den Nachbargemeinden rund um Soultz-sous-Forets hätte den Geothermie-Betreiberfirmen eigentlich ein Warnzeichen sein können. Aber die dachten wohl, sie kommen damit auch ohne aktive Kommunikation durch. Lange wurden die Probleme der Erdwärmenutzung verniedlicht. Und dann wundern sie sich teilweise bis heute, so etwa Dr. Ulrich Lotz in seinem Nachmittagsvortrag auf der Geotherm, dass die Leute Angst haben. Klar haben die Angst und sie haben es mit Recht. Woher sollen sie denn Sicherheit nehmen? Bestimmt nicht von den Erdwärmebefürwortern. Denn jenseits aller unbestreitbar medial durchaus vorhandenen Ignoranz im Umgang mit Erdwärme und der Tendenz zu skandalträchtigen Schlagzeilen: Wer immer nur sagt: da passiert schon nichts, da ist alles sicher, dem glaubt dann erst mal keiner mehr, wenn doch was schief geht.
Natürlich stehen die Risiken der Tiefengeothermie und der Erdsondentechnik in einem völlig anderen und weitaus besseren Verhältnis zum zu erwartenden Nutzen wie etwa bei der Atomkraft. Basel, Staufen, Schorndorf oder Landau zeigen aber: ein Null-Risiko gibt es nicht. Und deshalb ist es umso bedauerlicher, dass eine adäquate Risikokommunikation nach meiner Wahrnehmung bisher nicht zu den Stärken der Erdwärmebefürworter gehört. Und damit ich nicht falsch verstanden werde: ich halte eine Menge von Geothermie als Zukunftstechnologie, aber nichts von Verschleiern und Verharmlosen.

Google sammelt Erdwärmedaten in den USA - Copyright Axel Weiss/SWR

Kommentare zu „Google liebt Geothermie“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Franziska
    schreibt am 3. Mai 2010 16:53 :

    Wieso denn verschleiern? Wieviele Anlagen gibt es denn bereits und wie lange sind die Betriebserfahrungen?
    Jeder Technologie sollte eine Lernkurve zugestanden werden. Potenzielle Risiken der Geothermie, wurden zudem doch bereits in der TAB-Studie der Bundesregierung aus dem Jahr 2003 angesprochen.
    Die meisten Geothermieprojekte zeigten (vor Basel und Landau) keinerlei Auffälligkeiten.
    Verschleiert wird nicht, aber die Natur der Erde lässt nun mal keine 100%ige Prognosen zu.

  2. Ulrich Lotz
    schreibt am 16. Juni 2010 12:57 :

    Natürlich gibt es – wie bei jeder neuen Technik – auch in der Geothermie bestimmte Risiken. Tatsache ist aber, dass Geothermie weltweit schon seit Jahrzehnten genutzt wird und es bis heute noch nirgendwo zu nennenswerten Schäden oder gar zur tatsächlichen Gefährdung von Personen gekommen ist.
    Eine gefühlte Gefährdung kann man ja nicht abstreiten.

    Alle Formen der Energiegewinnung haben Folgen und fast alle Nutzungsvarianten von Energie oder selbst Rohstoffgewinnungsvorhabenals Vorstufe davon haben schon zu – teilweise erheblichen – Auswirkungen auf die Umwelt und den Mensch, bis hin zu zahlreichen Todesfällen geführt.
    Warum dann gerade die Geothermie, bei der diese „Nebenwirkungen“ vergleichsweise gering und beherrschbar sind (siehe das selbst zitierte Projekt Soultz-sous-Forêts) zu verteufeln sein sollte erschließt sich dem naturwissenschaftlich Gebildeten nicht wirklich. Dies insbesondere angesichts der Tatsache, dass das geothermische Potenzial der Erde ausreicht, den gesamten Welt-Energiebedarf zu decken – wenn man Wege findet, diese Energie richtig und beherrschbar zu erschließen.

    Sollen wir tatsächlich wegen einiger geringer Anfangsschwierigkeiten bei einer Technologie dieses wirklich gigantische Potenzial einer CO2-freien Energieform ungenutzt lassen? Geben wir der Geothermie doch zumindest die Entwicklungszeit, die auch andere Formen der Energienutzung benötigt haben.

    Als die ersten Dampfzüge und Autos erfunden wurde, haben die Menschen – sogar fachkundige Ärzte – auch prognostiziert, dass man die dabei auftretenden Geschwindigkeiten nicht überleben können wird. Nun, der Mensch ist offenbar in der Lage, aufgrund seiner Intelligenz das Gegenteil zu beweisen – wenn man ihn nur lässt.
    Das sollten wir auch in der Geothermie so angehen !!!

  3. Google geht immer mehr ein Licht auf « U wie Umwelt!
    schreibt am 7. April 2011 23:20 :

    […] in Sachen Erneuerbare Energien engagiert sich der Suchmaschinenanbieter schon länger und intensiv. Erdwärme beispielsweise steht hoch im Kurs. Jüngster Coup hierzulande: der Kauf eines Brandenburger […]

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