. .

Mit Hanfbier und Gletscherdrinks

21.02.2010, von

Brasilien auf der Biofach-Messe - Copyright Axel Weiss/SWR
Ein Brasilien-Stand auf der Biofach-Messe in Nürnberg. Ein buntes Bild, passend zur Szene. Die Bioszene spaltet sich weiter – hie ideologiebefrachtete Traditionalisten, dort Bioanbieter, deren einziger ideologischer Ansatz in dem Satz besteht: Make money and make more money. Zugegeben, das sind die Extreme. Aber es ist schon was dran, da driften Welten auseinander. Das wurde mir am Freitag beim Besuch der „Biofach“ ziemlich deutlich, wo sich mehrere tausend Bio-Anbieter aus aller Welt bis zum Wochenende präsentierten. Für Freitag abend war dort auch das dritte Jahrestreffen nachhaltiger Blogger terminiert, aber tagsüber war für mich die Messe dran.
Wer vom Osten das Messegelände betritt, landet als zunächst im Weinland. Halle 4A war vollgestopft mit internationalen Bioweinen, dieser Marktsektor wirkt recht lebendig. Und erzeugt bei den Passanten schnell so ein leicht beschwingtes Gefühl, je nach Anzahl der Proben. Selbst ein Foto wird leicht unscharf :).
Auch in größeren Behältern zu haben: Biowein - Copyright Axel Weiss/SWR
Drei Getränke sind mir auf dieser Biofach besonders aufgefallen. Da ist einmal das Hanfbier. Die Pflanzen Hanf und Hopfen sind verwandt, deshalb versucht sich seit 1997 die Kronenbrauerei mit diesem exotisch wirkenden Getränk. Um es gleich zu sagen: das einzige, was berauschend wirkt an diesem Bier, sind die 4,8 Prozent Alkohol. Ansonsten ist ein gut gekühltes Hanfbier eher was für heiße Sommerabende, die bittere Würze einer ordentlichen Hopfenportion gehen ihm doch ein wenig ab. Es ist halt mal was anderes.
Hanf kann man auch trinken - Copyright Axel Weiss/SWR
Am Innovationsstand des Bundeswirtschaftsministeriums hatten sich auch die Jungs von „Acht Grad“ eingerichtet und brachten ihre Bio-Weinschorle an Mann und Frau. Ein trendig wirkendes Getränk für die coole Party, auf dem Markt gebracht von zwei Heilbronner Wein-Studenten, entstanden aus einer Diplomarbeit. Wie’s schmeckt kann ich noch nicht beurteilen (andere haben es schon getan). Ich hab‘ ein Fläschchen mitgenommen, das werden wir in den nächsten Wochen mal testen, wenn die Fastenzeit vorbei ist und das Wetter etwas mehr nach Weinschorle ruft als derzeit. Was die Jungs selber dazu meinen, warum man ihr „Acht Grad“ trinken sollte hat mir der eine erzählt:

Das dritte Getränk macht deutlich, welchen Spagath zwischen Ideal und Kommerz mittlerweile auch die Macher der Biofach-Messe hinlegen müssen. Norwegisches Gletscherwasser, abgefüllt in Dosen, designed und stylisch verpackt. Nachhaltig ist anders. Bio vom Grundgedanken her betrachtet auch. Aber es ist cool und genau die richtige Nummer für den ein oder anderen Lohas. Einem Bio-Überzeugungstäter (ja, die gibt es noch) dreh sich bei so einem Produkt angesichts seiner Ökobilanz der Magen um. Gekauft wird’s halt trotzdem.
Norwegisches Gletscherwasser - Copyright Axel Weiss/SWR
Sehr witzig fand ich eine aus der Schweiz stammende Produktpalette von Waschmitteln und Flüssigseifen, die mit sehr aparten Aromastoffen versehen waren. Das roch zum Beispiel sehr intensiv nach Dill. Ohne Witz: ich fand das ziemlich überzeugend. Der nachhaltige Gedanke dabei: keine Ingredienzien, die von weiter her kommen als 800 Kilometer. Deshalb werden die Zutaten in der Nähe des Genfer Sees angebaut. Was die Firma freilich nicht abhält, mit viel Heidi zu werben (die aber aus dem Bündner Rheintal stammt, also gerade vom anderen Ende der Schweiz). Mal sehen, vielleicht komme ich dazu, mir diese „Laboratoires“ bei Gelegenheit mal anzuschauen.
Dill-Seife made in Switzerland - Copyright Axel Weiss
Wunderbar schmeckt eine Schokolade, deren Optik zunächst etwas verstörend wirkt. Die auf japanischem Grünem Tee basierende Schoki ist nämlich grasegrün. Das Motto des Herstellers: Eat your tea. Ein Angebot, das ich mir nicht zwei Mal sagen lassen würde. Tee schmeckt zwar nach meinem Geschmack völlig anders, aber egal. Da ich noch nicht die Zeit hatte für einen Schoko-Verkostungskurs, um mit Begriffen wie „dezenter Anklang an abgehangene Ledersohle“ oder ähnlich aussagekräftigen Bezeichnungen souverän um mich zu werfen, bleibt’s bei meiner Kurzbewertung: lecker. Über Geschmack lässt sich bekanntlich eh streiten.
Tee kann man essen - Copyright Axel Weiss
Was unsere Haustiere zu fressen bekommen ist oft unter aller Sau. Nur meist weiß bis auf den Hersteller gar niemand, was da alles an minderwertigen Zutaten ins Hunde- oder Katzenfutter eingemischt wird. Auf der Biofach gab’s jetzt Bio-Tierfutter zu sehen. Ein Wachstumsmarkt, soviel steht fest. Ob’s das braucht, darüber lässt sich sicher streiten, obwohl: wenn ich an diverse Tierkrankheiten denke… Henning Klukkert vom Marketing der Firma demeter-Felderzeugnisse hat mir auch erzählt, warum wir alle seiner Meinung nach dringend unsere Haustiere mit Bioware füttern sollten.

Spannend fand ich auch, was mittlerweile aus diversen Drittweltstaaten angeboten wird. Von amazonischer Kosmetik bis zu ugandischem Kardamom (sehr intensiv im Geschmack!). Manche Hersteller werden auch von NGO unterstützt. Das deutsche „Pestizid Aktions-Netzwerk“ beispielsweise engagiert sich für die Kleinbauern, die Biobaumwolle im afrikanischen Benin herstellen, wie mir Alexandra Perschau von PAN erzählt hat.

Abends gab’s dann ein nachhaltiges Bloggertreffen. War schön, einmal einige der Menschen persönlich kennen zu lernen, die ich bisher „nur“ über ihre Webpräsenzen oder Kommentare kannte. Eine von der Nürnberg-Messe unterstützte, interessante Veranstaltung mit rund vier Dutzend TeilnehmerInnen. Ich habe eine Menge diskutiert und interessante Initiativen kennengelernt, mehr dazu vielleicht bei Gelegenheit hier im Blog. Michael hat freilich schon die wesentlichen Fakten zusammengetragen.

Kommentare zu „Mit Hanfbier und Gletscherdrinks“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Thomas
    schreibt am 11. März 2010 19:29 :

    Da kann ich Dir nur Recht geben. Ich war dieses Jahr auch auf der Biofach. Bei vielen Produkten habe ich auch oft nach dem „nachhaltigen Gedanken“ gesucht. Besonders ärgere ich mich über Produkte die doch ach wie Umeltbewußt hergestellt werden, aber z.B. mit einem Schiff von China nach Deutschland gebracht werden. WO ist da die nachhaltigkeit! Von Jahr zu Jahr geht es immer mehr um Kommerz! UND das ist auch noch lange nicht das Ende!

Schreibe einen Kommentar

*

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2020