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Kapitulation vor dem Hunger

16.11.2009, von

Hungern ist eine der schlimmsten Erfahrungen, die wir Menschen erleiden können. Und der Hungertod muss ausgesprochen grausam sein, hat mir ein Arzt erzählt. Das geht mir durch den Kopf wenn ich sehe, was beim heutigen Welternährungsgipfel in Rom respektive seiner Abschlusserklärung herausgekommen ist. Platt gesagt: den reichen Ländern geht es am Hintern vorbei, dass ein Sechstel der Menschen hungert, mehr denn je. Und dass, wo die weltweite Nahrungsmittelproduktion einen neuen Rekordstand erreicht hat.

Statt die Probleme ernsthaft anzugehen ist aus Rom nur das ewige Lied der Grossagrarlobbies und Gentech-Industrien zu hören: 70 Prozent Produktionssteigerung muss her bis 2050, sonst reicht’s nicht zum leben. Diese Mär wird durch Wiederholung nicht wahrer.

Wahr ist: Es könnte auch heute schon reichen für alle – wenn da nicht eben ein paar Kleinigkeiten gründlich daneben laufen würden auf diesem Planeten. In Ländern wie Brasilien besitzen wenige Großgrundbesitzer fast alles fruchtbare Land und nutzen es hemmungslos für industrielle Export-Landwirtschaft, für Kleinbauern ist da kein Platz. Viele Länder haben durch eine falsche Entwicklungshilfe und unfaire Handelsstrukturen in den letzten Jahrzehnten systematisch die Fähigkeit zur Selbstversorgung verloren. Den Rest haben ihrer Landwirtschaft die Agrarsubventionen in den Industriestaaten gegeben. Und: Der Klimawandel mit seinen Wetterextremen macht den von der Hand in den Mund lebenden Kleinbauern in der Dritten Welt wesentlich stärker zu schaffen als uns hierzulande.

Die UNO hat in ihren Milleniumszielen vor neun Jahren beschlossen, die Zahl der Hungernden zu halbieren bis 2015. Die Welt ist diesem Ziel ferner denn je. Von den 30 -40 Milliarden Euro, die jährlich gegen den Hunger benötigt würden, war aus Rom nichts zu hören. Keine konkreten Ziele, kein Zeitplan, nirgends. Die reichen Staaten haben eh nur die zweite Politgarde nach Rom geschickt. Aber dafür feiert unsere Landwirtschaftsministerin dann das unverbindliche Resultat dieser armseligen Veranstaltung in Rom als „zukunftsweisendes Ergebnis“.

Kommentare zu „Kapitulation vor dem Hunger“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. paceve
    schreibt am 16. November 2009 20:29 :

    Peinlich! Mir fehlen angesichts der katastrophalen politischen Fehlentwicklungen auf diesem Planeten langsam die Worte! Wie lange soll das noch so weiter gehen, dass wir (das Volk der Erde) von Politik und Großkonzernen belogen und betrogen werden? Ich kann nur hoffen, dass es besser wird…

  2. Hans hukwa Wagner
    schreibt am 18. November 2009 13:35 :

    So bitter wie es klingen mag. Man versucht uns einfach das „ewige Hungermärchen“ einzusouflieren. der Hunger in der Welt ist keineswegs ein technisches sondern ein gesellschaftspolitisches Problem. Die Weltagrarindustrie hat doch letztendlich überhaupt kein Interesse das Problem zu lösen, es geht ihr nicht um humanitäre Hilfe sondern um Profit. Es geht doch nicht darum wie man die Erzeugung steigern kann, sondern was man in den jeweiligen dritten Welt Ländern vor Ort umsetzen kann und dies kann man weder von New York noch von Brüssel regeln, sondern nur wenn wir die Betroffenen aufs aller engste miteinbeziehen.

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