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Dem Severin gefällt die Kält‘

08.01.2009, von

Tegeler Fließ - Copyright Stefanie Peyk

Dieses hier passt doch wunderbar zur aktuellen Lage heute:

Wenn es dem Severin gefällt, dann bringt er mit die große Kält‘.

Sagt nicht der Bauernkalender, sondern das steht im Buch „Kosmos Wetterjahr 2009“, das gerade auf meinem Schreibtisch liegt. Darin erfahre ich ferner über den heutigen Tag des Heiligen Severin:

Eine Häufung von Kältewellen um den 8. Januar gibt es nicht. Aber wenn sich die seltene Wetterlage mit einer großräumigen Nordostströmung einstellt, sind durchaus extreme Minusgrade möglich, denn in Sibirien herrschen in diesen Wochen Temperaturen zwischen -30 und -50 Grad Celsius.

Zum Beispiel anno 1987, da gab’s Mitte Januar Tiefstwerte bis unter -20 Grad. Und ich bin damals mit einem 2CV und kaputter Heizung über die Schwäbische Alb ins Allgäu gefahren. Verpackt wie ein Eskimo und mit der linken Hand ständig mit dem Eiskratzer die von der Atemluft zufrierende Windschutzscheibe von innen freikratzend.

Aber zurück zum Wetterjahr 2009. Ich finde solche Bücher spannend, die mir Naturbeobachtungen erklären. Jetzt gibt’s auch das Wetter als Jahrbuch. Die zwölf Monate des Jahres bilden das Grundgerüst. Pro Monat gibt’s Infos zu den jeweils typischen Wetterlagen bei uns in Mitteleuropa und ihren Folgen. Aufgelistet sind etwa extreme Temperaturwerte aus den letzten zehn Jahren für sieben deutsche Städte, die Durchschnittstemperaturen, daneben auch die Zeiten von Sonnen und Mondaufgang. Kleine Symbole erleichtern es, einen eigenen Wetterkalender auf zu zeichnen. Der bringt beim Blättern ein paar Jahre später sicher das ein oder andere Aha-Erlebnis, denn wir neigen dazu, ein ziemlich unscharfes Wettergedächtnis zu haben. Warum der November etwa so einen schlechten Ruf hat ist objektiv nicht nachvollziehbar, denn im Januar und Februar sind die Tage auch nicht länger und das Wetter nicht „besser“.

Solche Dinge klärt das „Wetterjahr“ gern in seinen Randbetrachtungen und sowieso steckt das Buch voll Wissenswertem. Endlich mal eine Erklärung der Entstehung der Schweizer „Bise“ zum Beispiel (ein kalter Nordostwind über dem Schweizer Mittelland), die über Wikipedia deutlich hinausgeht. Es gibt kurze Abhandlungen über Bergwinde, Talwinde, Winter- und Sommerhochs und die Namensgebung von Hurrikanen wie Hoch- oder Tiefdruckgebieten. Zum Beispiel wird der erste Hurrikan 2009 den Namen „Ana“ tragen. Und Tiefs sind dieses Jahr bei uns „männlich“. Den 160 Seiten merkt man natürlich auch an, dass sie jährlich irgendwie gefüllt werden müssen. Die Abhandlung über Transport und Reife von Bananen müsste zwar nicht unbedingt in ein Wetterjahrbuch eingebunden sein, alles in allem sind aber recht viele der zusätzlichen Informationen verblüffend oder interessant. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass es bei Freiburg einen Höllental-Föhn gibt, der ab und an warme Luft vom Schwarzwald pustet.

Manchmal sind die Artikel durchaus anspruchsvoll formuliert, setzen klimageografische Grundkenntnisse voraus. Was ein Halo ist weiß nicht jeder. Was mir fehlt sind ein paar Links. Es ist schade, wenn ausführlich erklärt wird, wie der Niederschlag in Radarbilder umgesetzt wird und dann kein Link etwa auf www.wetterspiegel.de oder www.niederschlagsradar.de dabei steht, wo die aktuellen Radarbilder zu sehen sind. Dennoch: Das „Wetterjahr 2009“ ist ein klasse Buch für Wetterfreaks und vor allem für alle diejenigen, die das werden wollen. Gibt’s bei Kosmos für 10.95 Euro.

Ein nachhaltiges Neues Jahr noch Euch und Ihnen allen! Das Bild oben stammt übrigens wieder mal von meiner Kollegin Stefanie Peyk, die unsere „Umweltredaktions-Außenstelle“ betreibt – unweit des Naturschutzgebiets Tegeler Fließ, das derzeit zugefroren ist.

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