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Blumenpracht am Straßenrand

28.10.2008, von

 Klatschmohn - Copyright Axel Weiß

Heute morgen auf dem Weg ins Funkhaus. Strömender Regen, acht Laubbläser an der Strecke. Sie lassen sich durch ein bisschen Nässe nicht davon abhalten, die Blätter einzeln zu trocknen. Geschätzte Dezibel pro Bläser: 90 dB mindestens. Und angesichts der zahlreichen Blätter, die noch auf den Bäumen hängen, hätte sich Sysyphus nach so einem Job die Finger geleckt. Doch der Lohn der angestrengten Bemühungen sind blattfreie Rasenflächen am Straßenrand, steril und ökologisch weitgehend funktionsfrei. Tja, was tun die Grünflächenämter – republikweit – nicht alles, um sich selbst zu erhalten. Der Kampf dagegen ist kräftezehrend, wie ich heute dem CSN-Blog entnehme.

Aber es gibt Lichtblicke: In Süddeutschland etwa gibt es ein paar Orte, wo es richtig Spaß macht, die Straßenränder im Sommer zu betrachten, weil das richtig hochwachsende Blumenwiesen sind. Mössingen an der Schwäbischen Alb ist für mich das beste Beispiel, die Gemeinde nennt sich heute selbst „Blumenstadt Mössingen“ und zwar zu Recht. Der Witz: Entstanden ist die Farbenpracht ursprünglich aus Geldnot. Aber bis zum Umbau des Straßenbegleitgrüns war es auch in Mössingen ein weiter Weg.

Kommentare zu „Blumenpracht am Straßenrand“

Es sind 8 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Naturfreund
    schreibt am 28. Oktober 2008 11:59 :

    An solch eifrigen Laubbläsern kam ich heute ebenfalls mehrfach vorbei. Die Lärmbelästigung ist die eine Sache, die Benzinverschwendung eine weitere, doch die Luftverpestung und die nachfolgenden möglichen Gesundheitsschädigungen, setzen allem die Krone auf. Die Arbeiter, die die giftigen Abgase einatmen, wissen überhaupt nicht, was sie ihrer Gesundheit antun. Aber darüber denkt keiner mehr nach, die Hauptsache es ist steril und ordentlich.

    Gut zu wissen, dass es noch Gemeinden gibt, die sich ihre Weitsicht bewahrt haben und nicht dem allgemeinen Tunnelblick verfallen sind.

  2. Vivianne
    schreibt am 28. Oktober 2008 18:23 :

    Diese Laubbläser sind auch für Allergiker die auf Schimmelpilze reagieren sehr problematisch. Durch das Gebläse werden Schimmelsporen durch die Luft gewirbelt und diese legen sich dann überall nieder. Wer diese Laubbläser im eigenen Garten benutzt, sollte alle Fenster ganz fest schließen und am Besten noch die Rollladen herunterlassen.

    Mir ging es kürzlich so, dass der Gärtner einen Laubbläser ohne mein Wissen benutzte. Trotz dass alle Fenster zu waren, waren Schimmelsporen ins Haus gedrungen und ich fast zwei Tage krank davon. Am ganzen Körper hatte ich grippeartige Nervenschmerzen, Migräne und starke Atembeschwerden.

    Schimmel ist für jeden sensibilisierend und eine Sensibilität verschwindet nicht mehr.

    Besser den alten Laubrechen aus dem Schuppen holen und das Laub zusammenrechen. Igel mögen Laubhaufen übrigens gerne zum Überwintern 🙂

  3. Energiefox
    schreibt am 29. Oktober 2008 14:27 :

    Es ist schön , das sich der SWR des Themas annimmt.
    Ich habe versucht den NDR zu überzeugen mal über Straßenbegleitgrün (Schutz und Pflege) zu berichtet bis jetzt kein Erfolg. Bei uns kommt eine Sendung, Radtour durch den Norden. Es werden dann aber nur schöne heile Welt Bilder gebracht.
    Der Norden ist auch schön und ideal zum Fahrrad fahren. Doch bitte auch mal verstärkt Kritik äußern, hier ist etliches im Argen. Jedenfalls Straßenbegleitgrün wöchentlich absäbel, ist bei mir im Emsland fast zu einem Volkssport geworden. Müll wird auch gerne einfach in die Landschaft
    entsorgt. Wäre schön wenn es Volkssport würde, wer hat die schönsten naturbelassenen Straßenränder. Vielleicht ist es ja möglich der SWR mit NDR produzieren eine Sendung die möglichst wöchentlich ausgestrahlt wird. Der 7. Sinn „Umweltschutz vor der eigenen Haustür“ Der Bürger könnte sogar Geld sparen.
    Übrigens ich hab mal ein Duell gesehen, Benzinlaubbläser gegen Rechen, der Mann mit dem Rechen hat gewonnen.
    Gruß Energiefox

  4. Naturfreund
    schreibt am 30. Oktober 2008 11:20 :

    Klatschmohn, Lupinen & Co., die noch zu meiner Jugendzeit farbenfrohe Farbtupfer an Deutschlands Straßenrändern und auf den Äckern waren, sucht man heute vergeblich. Daher kann ich es nicht verstehen, dass die Straßenränder in Deutschland als Stiefkind behandelt und zumeist viel zu oft gemäht werden. Straßenränder mit bunten Wildblumen wären nicht nur ein schöner Blickfang, sondern ein nachhaltiger Beitrag zum Artenschutz und eine notwendige Maßnahme gegen das Bienensterben. Denn ich denke, hier müsste man alle Hebel in Bewegung setzen, um dagegen anzugehen. Und zwar sind hier alle Umweltverbände gefordert. Schließlich ist es sehr wichtig, die Artenvielfalt zu erhalten.

    Eine Umweltsendung im Stiel vom 7. Sinn, die die Bevölkerung zu einem besseren Umweltbewusstsein vor der eigenen Haustür animiert, finde ich einen guten Vorschlag von Energiefox. Dies würde auch Abwechslung in die Monotonie der ausgestrahlten Sendungen bei fast allen Kanälen, bringen, denn Einheitsbrei wie z. B. Dokusoaps, gibt es schon zur Genüge.

  5. Energiefox
    schreibt am 30. Oktober 2008 13:33 :

    Denkbar wäre auch eine Dauersendung, der Fernsehsender mit Experten verschönert Gärten vorm Haus. Es könnte gezeigt werden, wie man mit einfachen Mitteln aus öden Rasenflächen und mieser Pflasterung, schöne ökologisch wertvolle Naturgärten, nebst schönem naturbelassenem Straßenbegleitgrün macht. Manch einer würde dann zuviel Pflaster vorm Haus entfernen, um der schönen Natur wieder mehr Raum zu gewähren. Es wäre auch ein Betrag zum Hochwasserschutz. Es wird einfach zuviel gepflastert, bei Platzregen läuft dann die Kanalisation zu schnell voll.
    Ein Mann vom Wasserbeschaffungsverband, der bei mir mit einer Monstermaschine einen Graben abrasiert hat, sagte mir es würde nur gemacht, weil bei Sturzregen aus einer nahen Siedlung das Wasser sonst nicht schnell genug ablaufen kann. Bei mir in einer anderen Siedlung es ist kaum zu fassen, vor mehreren Häusern zur Straße hin alles gepflastert. Mein Eindruck die Leute glauben dann, so ist alles ordentlich und sauber.
    Gruß Energiefox

  6. Axel
    schreibt am 30. Oktober 2008 15:52 :

    Ordnung ist halt das halbe Leben, lieber Energiefox. ;-)) Ich befürchte eine Dokusoap im Stil von „Einsatz im Hausgarten“ würde eher eine „barocke“ Gartenkultur mit Buchs oder japanische Kiesbeete fördern und weniger wilde, ökologisch geprägte Wiesen.
    Aber im Ernst: Danke für die anregenden Hinweise. Ich schau mal, was sich daraus machen lässt. Wir haben zwar keine eigene Fernsehsendung als Umweltredaktion, ich gebe Eure Anregungen aber gern bei nächster Gelegenheit an die KollegInnen weiter.

  7. Naturfreund
    schreibt am 30. Oktober 2008 19:32 :

    Hallo Axel,

    das finde ich klasse, danke für das Engagement!

    Uns liegt eben der Umwelt- und Naturschutz besonders am Herzen. Wäre das Bewußtsein für einen besseren Umweltschutz in den Köpfen der Leute ausgeprägter, wäre nicht nur der Natur gedient, sondern auch uns Menschen. Denn viele schwerwiegende umweltbedingte Erkrankungen sind auf dem Vormarsch; vieles müsste nicht so dramatisch sein, hätten die Leute ein Einlenken und einen kritischeren Umgang mit der Umwelt, auch in ihrem persönlichen „kleinen“ Umfeld. Jeder noch so kleine Beitrag zum Umweltschutz zählt, auch der Schutz des Straßenbegleitgrüns, das ist meine Devise.

    Gruss Naturfreund 🙂

  8. Energiefox
    schreibt am 31. Oktober 2008 04:01 :

    Hallo Axel,
    ich wünsche viel Erfolg und finde es auch Super, dass Sie sich für diese gute Sache einsetzen.
    Umwelt -und Naturschutz kann Spaß machen und noch den
    Geldbeutel füllen. Ich denke, dass sich mit einer
    schönen Umwelt auch mehr Menschen mit Ihrer Stadt oder
    Ihrem Dorf identifizieren würden. Also auch ein Beitrag zur Verständigung untereinander. Jedenfalls seit ich kein Auto mehr habe und fast nur noch mit dem Rad fahre, treffe ich mehr Leute. Zum Thema Straßenbegleitgün ich denke die Leute machen es nicht aus Bosheit, hier wöchentlich alles ab zu mähen. Sie meinen es gut und das ist eben das Tragische, hier ist wirklich schwerste Überzeugungsarbeit zu leisten. Scary Guy ein Amerikaner, der recht erfolgreich gegen Gewalt kämpft, sagt Einstellungen zu ändern ist schwer. Er schaft es aber auf unkonventioneller Art, wäre schön wenn das Fernsehen (Rundfunk) es auch schaffen würde, jetzt bezogen auf das Thema Umweltschutz. Es ist eine Herausforderung und könnte sogar bei Gelingen mit einem großen Preis gekrönt werden.
    Gruß Energiefox

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