. .

Spinnenbeine im Essen

22.07.2008, von

Besser als die Bild-Zeitung (weil auf Tatsachen beruhend): die Lektüre des Jahresberichts der Lebensmittelüberwachung Baden-Württemberg von letzter Woche, endlich komme ich mal zum Lesen. Und das lohnt sich. Seither kommen mir zum Beispiel wegen zu hoher Pestizidbelastung keine türkischen Paprika mehr auf den Tisch (wobei ich bei Paprika eh deswegen möglichst Bio kaufe). Aber von wegen Bio: Im Kühlraum eines Bio-Betriebs wurden 650 Kilogramm verdorbene Fleischwaren vorgefunden. Damit nicht genug, der Raum bot auch sonst einen interessanten Anblick:

Die Decke stellte sich als geschlossener Pilzbelag dar, der sogar die im Raum installierten Gerätschaften mit einschloss.

Brrr. Und was war im Essen im Ländle sonst noch so drin? Da könnte man eine zoologische Sammlung anlegen:

Schaben, Mehlkäfer, Insektenlarven, Stubenfliegen, Florfliegen, Spinnenbeine, Mäusekot.

Und Heftpflaster, nicht zu vergessen. Guten Appetit. Im Wein zum Runterspülen fand sich dann Glycerin (ein italienischer Abfüller hatte Landwein, Qualitätsweine und Perleweine geschönt).
Die Rohware für die gebrannten Erdnüsse auf einer Kirmes waren mit Larven, Kot und Gespinsten durchsetzt. Dazu gab’s stark giftigen, weil krebsauslösenden Schimmel in höchster Konzentration: 547 Mikrogramm Aflatoxine pro Kilo – naja, die Nüsse waren halt auch als Tierfutter aus Indien eingeführt worden. Wobei ich sowas auch keinem Tier zumuten würde.

Die Samen der hochgradig allergieauslösenden Ambrosia-Pflanze fanden sich in 11 von 21 Vogelfutterproben – auch nicht schön. Und das Beste zum Schluss: Als die amtlichen Prüfer der Frage nachgingen, wieso bestimmte Proben eines Speiseeises stark verkeimt waren stellte sich heraus: das Eis war in der Waschhalle einer aufgelassenen Tankstelle hergestellt worden. Dort hätten zwar sofort wieder Autos gewaschen werden können – die Geräte waren noch da -, nur Hände waschen, das ging dort nicht. Ach, noch eins: Ärger bekam auch ein anderer Hersteller von Speiseeis. Der hatte schimmlige Pistazienmasse benutzt und sie aus Angst vor Ärger mit den Behörden im Kleiderschrank seines Schlafzimmers versteckt.

So, und jetzt freu‘ ich mich schon auf den Bundesbericht, der am Donnerstag erscheinen soll. Noch mehr Spinnenbeine!

Kommentare zu „Spinnenbeine im Essen“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Gustav Sucher
    schreibt am 12. September 2018 09:14 :

    Das muss ja ein tolles Restaurant gewesen sein, bei dem gegärte Pilze von der Decke serviert werden. Das klingt nach einer leckeren Angelegenheit. So ein Kühlhaus muss doch auch irgendwann anfangen zu stinken. Das merkt man doch!
    Danke für die Story!

Schreibe einen Kommentar

*

Blogeinträge

Häufige Stichworte

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019