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Zur Lage der Natur

19.05.2020, von

(C) Axel Weiss

Kühe auf der Weide. Ein selten gewordener Anblick hierzulande. Und das hat Folgen.

Die Lage der Natur in Deutschland ist beschissen. Und das ist flächenhaft durchaus wörtlich zu nehmen. Denn nach dem gerade veröffentlichten Bericht zu eben dieser Lage gibt’s vor allem in der Landwirtschaft erhebliche Mängel durch Gülle, Überdüngung umd ausgeräumte Landschaften, während andernorts durchaus auch naturschutzbedingt positive Entwicklungen zu verzeichnen sind. So heißt es heute aus dem Bundesumweltministerium:

„Mehr als die Hälfte aller FFH-Grünland-Lebensraumtypen befindet sich in Deutschland in einem ungünstig-schlechten Erhaltungszustand.

Vor allem Schmetterlinge und andere Insekten sind Mangelware geworden und das selbst in Schutzzonen wie den FFH-Gebieten. Kein Wunder angesichts der Veränderungen in den letzten Jahren. Da steht zum Beispiel kaum noch eine Kuh auf einer Wiese. „Zur Lage der Natur“ weiterlesen →

Neues Vogelbuch: Die siehst Du!

07.04.2020, von

Vögel beobachten lässt sich selbst im Zug oder aus dem Fenster in Quarantäne. Zugegeben, das Spektrum der möglichen Arten ist dann etwas eingegrenzt, aber mit genau so einer „Fensterbeobachtung“ aus dem Zug beginnt die Lektüre von „Die siehst Du!“, einem neuen Vogelbuch aus dem Kosmosverlag.

Noch eins, als hätten wir nicht schon genug Vogelbücher, war zugegeben mein erster Gedanke, als das gut 220-seitige Buch vor mir auf dem Tisch lag. Aber: ich habe mich „Neues Vogelbuch: Die siehst Du!“ weiterlesen →

Greta am Boden?!

17.12.2019, von

Genau das braucht unser Planet nach der UN-Klimakonferenz jetzt am allermeisten: eine intensive Debatte darum, wie lange und ob eine Jugendliche in der Deutschen Bahn wegen Überfüllung auf dem Boden sitzen musste. Geht’s noch? Die Debatte heute müsste darum gehen, warum zum Teufel schon wieder eine Klimakonferenz faktisch gescheitert ist, und, um in Deutschland zu bleiben, wie schaffen wir das, dieses gerade vom Bundesrat abgenickte Klimapaketle irgendwie noch klimawirksam nach zu bessern, damit es wirklich was bringt. Stattdessen: Greta, immer wieder Greta Thunberg.

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Waldsterben? Nein: Forststerben!

01.08.2019, von

Wald im Donautal (c) Axel Weiß

Ach Du Deutscher Wald, was ist nur aus Dir geworden?! Mühsam hatten wir Dich aufgepäppelt nach den mittelalterlichen Misshandlungen, auch die letzten Reparationshiebe nach dem 2. Weltkrieg schienen verkraftet, die Wunden flächendeckend befichtet. Und jetzt das: 100 Millionen, ja, 100 Millionen Altbäume sind bereits abgestorben, sagt der Bund Deutscher Forstleute, und viele Millionen weitere Bäume werden folgen. Ein Festmahl für Kupferstecher und Buchdrucker sowie diverse Pilze. Und was die nicht mögen vertrocknet. Also, es wird doch noch Ernst mit dem Waldsterben.

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S21 und die Folgen: Und ewig zahlt das Murmeltier

31.07.2019, von

Die Kosten für das überdimensionierte Immobilienprojekt namens Stuttgart21 steigen, der Bahn aber fehlt hinten und vorne das Geld, schreibt das Handelsblatt. Wird Stuttgart21 zum Finanzdesaster? Gute Frage. Antworten kann bei dem 100 Prozent in öffentlicher Hand befindlichen Verkehrsmittel nur die Politik geben. Fakt ist: Geld würde bei der Bahn eh dringendst gebraucht, um die herabgewirtschaftete Schiene als Alternative zu Auto und Flieger wieder flott zu machen. Denn die diversen Bahnchefs samt Politik haben unser eigentlich umweltfreundlichstes Verkehrsmittel in den letzten Jahren bereits dermaßen in Richtung schierer Unberechenbarkeit, ja, gar Unbenutzbarkeit getrieben, dass Bahnfahren derzeit nur noch eingeschränkt zu empfehlen ist. Als Vielfahrer weiß ich das aus Erfahrung. Allein die letzten drei längeren Bahnfahrten: Verspätung einmal 25′, einmal 1h20 mit Zugtotalausfall, einmal 10′. Typisch. Bahnfahren kann man eigentlich nur empfehlen, wenn man a)jünger und noch spurstark ist, um Anschlüsse noch zu erreichen oder b)nicht umsteigen muss und Zeit hat oder c)sowieso gelassen in der Welt steht. Jeder andere hat ein Problem mit der real existierenden Bahnpraxis. Über 70 Prozent Pünktlichkeit der Fernzüge laut offiziellen Zahlen – niemals. „S21 und die Folgen: Und ewig zahlt das Murmeltier“ weiterlesen →

Insektensterben hausgemacht – Tod den Distelfaltern

11.07.2019, von

Was hatte ich mich über die derzeitige Invasion wärmeliebender Distelfalter aus dem Mittelmeerraum gefreut. Endlich mal wieder bunte große Falter in unserer weitgehend ausgeräumten Landschaft. Ein großer Lindenbaum im Donautal vor zwei Wochen mit Dutzenden Schmetterlingen ist mir noch als Hoffnungszeichen gegen das Insektensterben in lebhafter Erinnerung. Und ich bin nicht der einzige, der sich über das Naturschauspiel freut bzw. gefreut hat. Aber es gibt Menschen, die betrachten Distelfalter als Schädlinge. Sojabauern zum Beispiel, entnehme ich der Bauernzeitung BWagrar. Mehr als 20 Raupen pro laufender Meter bzw. eins, zwei Raupenbefallsherde pro 100 Quadratmeter gelten als „Schadschwelle“ – und dann wird gespritzt. Übrigens auch im Bioanbau, da sind Bacillus Thuringiensis Produkte zugelassen. Irgendwie verständlich: Wäre ich Sojabauer, ich hätte auch keine Lust mir mein Feld kahlfressen zu lassen. Dennoch bleibt mehr als ein Unbehagen. Da ist es auf der einen Seite gut, heimischen Anbau zu fördern und keine südamerikanischen Sojabohnen zu importieren – aber dann solche Folgen. Und das im Zeitalter des Insektensterbens. Krass, oder? Ich würde für Entschädigungen plädieren, ähnlich wie bei Gänsefraß.

Patente auf Leben durch die Hintertür

05.07.2019, von

Schafe am Rhein (c) F.Minderjahn

Patente auf Tierarten und die konventionelle Züchtung von Nutztieren sind verboten. Offenbar nutzen aber immer mehr Konzerne neue Strategien, um sich die Kontrolle über die Lebensmittelproduktion zu sichern. Sie wollen sich alle Stufen der Lebensmittelproduktion patentieren lassen, beginnend bei der Fütterung. Und immer wieder spielt das Europäische Patentamt mit – das von Patentgebühren lebt, ein krasser Geburtsfehler dieser „Behörde“ mit fatalen Auswirkungen. Details hier: https://www.no-patents-on-seeds.org/sites/default/files/news/Hintergrund%20Patentantr%C3%A4ge%20vom%20Saatgut%20zum%20Schnitzel.pdf

Biologische Vielfalt und die Gier

06.05.2019, von

Die Briten mal wieder. Sie trotzen dem Trend: Statt gepflegt auszusterben wie der Rest der Welt setzte ihr Prinzenpaar jüngst ein Söhnchen in die Welt. Glückwunsch, wir wünschen ein langes Leben. Aber zurück zum Aussterben. Das läuft ja im großen Stil, haben wir dieser Tage vom Weltrat für biologische Vielfalt lernen können. Jede zehnte Art ist weltweit betroffen, hieß es. Also, möchte man Meghan und Harry raten: schnappt euer neues Söhnchen und besucht die Hotspots der Vielfalt solange es sie noch gibt. Die Savannen, die Regenwälder, vor allem die Korallenriffe. Denn deren Ende ist absehbar. Oder glauben Sie im Ernst, dass aus dem Bericht des Weltrats für biologische Vielfalt ernsthafte Konsequenzen gezogen werden?

Ich hege Zweifel, dass der Pariser Bericht außer einigen Nachfolgekonferenzen und viel Papier viel bewirkt. Sechs Szenarien haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich jeweils die Artenvielfalt bis und nach 2050 weiter entwickeln könnte und was kam raus? Nur wenn wir rabiat umsteuern und künftig nachhaltig wirtschaften hat die Vielfalt eine Chance. 
Rabiat umsteuern also. Womöglich Automobilkonzerne verstaatlichen, was? Diese Debatte hatten wir doch grad schon und wer sich hierzulande zum Thema Gerechtigkeit und Kapitalismuskritik öffentlich auch nur drei Gedanken macht, wird von den flinken Haubitzen der neoliberalen Wirtschaftspresse sofort niederkartätscht. Dabei hat das mit Artensterben eine Menge zu tun. Riesige Mengen Kapital vagabundieren auf unseren Planeten auf der Suche nach Rendite. Hoch und kurzfristig muss sie sein. Von nachhaltig und grün steht in den selbst gesetzten Spielregeln der Superreichen nichts.

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40 Jahre Vogelschutz sind nicht genug

28.03.2019, von

Bunte Wiesen sind Nahrungsgrundlage und Lebensraum für viele Tiere – und selten geworden

Um das mal ganz klar zu sagen: ohne die im April 1979 verabschiedete Vogelschutzrichtlinie der EU wäre der Naturschutz in Europa so gut wie tot, auch in Deutschland. Man kann den Wert der Europäischen Vogelschutzrichtlinie also gar nicht hoch genug schätzen. Zusammen mit der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU ist sie seit vierzig Jahren ein Bollwerk gegen lokale und regionale Begehrlichkeiten zu Lasten der Natur, das im Lauf von jetzt vier Jahrzehnten viele wichtige Lebensräume für wilde Tiere und Pflanzen gerettet hat.

Die Vogelschutzrichtlinie allein gilt für manche Naturschützer als Grund, ein glühender Anhänger der Europäischen Union zu sein. Und zwar zu Recht. Es gibt weltweit kaum vergleichbare Regelungen. Mal eben per order de mufti Schutzgebiete zu verkleinern wie das Donald Trump in den USA oder Jair Bolsonaro in Brasilien praktizieren ist in der EU so nicht denkbar. 
Natürlich spielen auch in Europa ökonomische Überlegungen eine wichtige Rolle, oft genug zu Lasten der Natur. Ein Europäisches Vogelschutzgebiet wird aber zunächst nach rein ornithologisch-fachlichen Kriterien ausgewiesen, das hat der Europäische Gerichtshof mehrfach bekräftigt. Erst danach kommen dann wirtschaftliche und soziale Überlegungen mit ins Spiel. Das ist nicht unwichtig, weil damit zunächst der Wert eines Gebiete deutlich gemacht wird, der nicht ohne handfest nachgewiesene Gründe gemindert werden darf.  „40 Jahre Vogelschutz sind nicht genug“ weiterlesen →

Supergeil: neue Tierwohl-Kennzeichnung

11.01.2019, von

Ein vierstufiges einheitliches Kennzeichnungssystem soll künftig leichter erkennen lassen, aus welcher Art von Tierhaltung Rind-, Schweinefleisch und Geflügel stammt. Darauf haben sich die großen Handelsketten Rewe, Edeka, penny, Aldi, Kaufland, Lidl und Netto heute geeinigt, zumindest laut Initiative Tierwohl. Yeah. Endlich, die verschwiemelte Bundespolitik hat das ja immer noch nicht auf die Reihe gekriegt bzw. nicht kriegen wollen, jetzt also der Handel. Erste Stufe „Stallhaltung“: nur gesetzliche Mindestregeln, also nix mit viel Tierwohl. Zweite Stufe: „Stallhaltung plus“: ua mehr Platz und zusätzliches Beschäftigumgsmaterial. Dritte Stufe: „Außenklima“: noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Vierte Stufe: „Premium“: außerdem Auslauf im Freien, auch Biofleisch gehört dazu. Ab 1. April also: wenn überhaupt Fleisch, dann Stufe Vier oder beim regionalen Biodirektvermarkter/-metzger kaufen.

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