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Kabinetts-Blabla statt Insektenschutz

20.06.2018, von


Ein wirklich ernsthafter Plan, das Insektensterben zu beenden, müsste deutlich anders aussehen als das, was die Bundesregierung Anfang Mai als Eckpunkte vorgelegt und heute verabschiedet hat. Viel zu viele Formulierungen bleiben unkonkret und unverbindlich. Man merkt deutlich die Handschrift von Julia Glöckler, die ja  schließlich Landwirtschaftsministerin und nicht Insektenministerin ist. Da wird zwar eingeräumt, ja, wir haben ein Problem mit dem Insektenschwund, aber die Ursachen der zurückgegangenen Insektenzahlen werden dann verschwurbelt mit „Verlust und qualitative Verschlechterung von Insektenlebensräumen“ umschrieben. Im Klartext heisst das: Ausgeräumte, totgespritzte Industrieagrarlandschaft killt Insekten. Das steht aber nirgends deutlich drin und das, das hat System. Nur niemand von der eigenen Lobby verprellen, heisst offenbar das Motto.

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Ganz normaler Weizen-Wahnsinn

28.05.2018, von

Afrika erhielt 2016 ein Viertel aller deutschen Weizenexporte. Nein, leider kein Beitrag gegen Hunger und Not, im Gegenteil: billige Konkurrenz, die heimische Firmen vor Ort bedroht. Unsere subventionierte Landwirtschaft sorgt letztlich im Süden für mehr Elend, ein Trauerspiel mit System. Sehr sehr anschaulich hat das Katharina Schickling in ihrem Film „Der Wahnsinn mit dem Weizen“ geschildert, eine wirklich sehenswerte Doku, die derzeit in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Heute müsste mit CO2 Schluss sein – eigentlich

28.03.2018, von

Wenn Deutschland nur das CO2 ausstoßen würde, das ihm nach dem Pariser Klimaabkommen zusteht, dann wäre für dieses Jahr heute schon Schluß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, über die einige nordrheinwestfälische Zeitungen heute berichten und die auf Daten des WWF beruht. Bis zum 28. März hat Deutschland 217 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, bis Ende des Jahres werden es dann wohl etwa vier Mal so viel sein. Vor zwei Jahren war im Pariser Abkommen beschlossen worden, die weltweite Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dafür dürften aber höchstens 890 Milliarden Tonnen bis 2050 in die Atmosphäre abgegeben werden.

Wenn man diesen Wert auf Einwohner herunterbricht, dann dürfte Deutschland zwischen 2015 und 2050 etwa 9,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Derzeit liegen wir  wohl um den Faktor Vier darüber, da bleibt also noch viel zu mindern, möchte man meinen.  Nur beruht die Berechnung auf einer falschen Grundlage: Die CO2-Reduktion ist im Pariser Abkommen nicht linear vorgesehen, sondern es soll erst gegen Ende deutlich mehr eingespart werden als heute. Insofern stimmt der „Faktor 4“, um den wir scheinbar hinterher hinken, „nur“ als ein politischer Appell: es gibt noch viel zu tun, um das Klima zu retten. Und darum geht es ja schließlich.

Heute ist Tag der Eisbären

27.02.2018, von

Und den Eisbären geht’s gar nicht gut. Der Name ist ja Programm: Eis-Bär. Diese Geschwisterart unseres Braunbären lebt nicht nur überwiegend auf Eis in der Arktis, sondern benötigt das Eis dort auch, um effizient Robben jagen zu können. Denn im Gegensatz zum überwiegend vegetarisch lebenden Braunbär sind Eisbären fast vollständig auf Fleisch angewiesen.

Wieviele Eisbären es gibt ist schwer zu ermitteln. Die Weltnaturschutzunion IUCN hält 20-26.000 Eisbären für realistisch und führt den Eisbär auf der Roten Liste als „gefährdet“. Denn Grund nennt die IUCN auch: die schrumpfenden Eismassen der Arktis. Je weniger Eis, desto weniger Jagdmöglichkeiten für die bis zu 700 Kilo schweren Tiere.

Dabei sind Eisbären durchaus Spezialisten im Fasten und können an Land viele Monate von ihren Fettreserven leben. Irgendwann müssen die Reserven aber wieder aufgefüllt werden können und das wird immer schwieriger. Die Prognose sieht nicht gut aus für die Eisbären: Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren wohl um ein Drittel bis die Hälfte sinken.

Dabei gab es zwischenzeitlich gute Nachrichten: Bis vor einigen Jahrzehnten führte intensive Bejagung zu rückgehenden Eisbärenzahlen, die daraufhin erlassenen Jagdbeschränkungen in einigen Anrainerstaaten der Arktis hatten aber Erfolg und einige der 19 Unterpopulationen des Eisbärs konnten sich regional gut erholen.

Doch jetzt schlägt der Klimawandel durch, nicht nur beim Jagdangebot. Forscher rechnen wegen der Klimaerwärmung auch mit neuen Krankheiten und Parasiten. Und: Weil ohne begehbares Eis der genetische Austausch untereinander schlechter funktioniert kommt es zu genetischer Verarmung, was die Eisbärpopulation weiter schwächt.

Tag des Vogels: Vogelzahl mehr als halbiert

05.01.2018, von

Weniger Insekten, weniger Vögel, Europas Agrarwüsten lassen sich beziffern:

Insgesamt ist die Zahl der Vogel-Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten in der EU zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von 57 Prozent entspricht.

Für Deutschland heisst das beispielsweise: ein Drittel weniger Feldlerchen, vier Fünftel weniger Kiebitze und Rebhühner, zwei Drittel weniger Braunkehlchen. Besserung: nicht in Sicht. Soviel an Daten aus dem Vorjahr anlässlich des heutigen National Bird Day (Tag des Vogels, der in den USA vielleicht ja eher ein Anlass zum Feiern als bei uns ist).

Ein schönes Neues Jahr noch! Und statt einer Agrarwüste möge der Anblick eines schnee- und artenreichen Tals im Westerwald erfreuen (Foto).

Archiv-Quelle: Ornithologie: Immer weniger Vögel in Europa

Braunkohle und Massenmord

18.11.2017, von

Für ein Bekenntnis zum konkreten (!) Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hat’s unserer Kanzlerin bei der Weltklimakonferenz letzte Woche nicht gereicht. Auch nicht zur Allianz für den Kohleausstieg, das überlassen wir Briten und Franzosen usw.. Dabei stehen wir im Klimaranking eh schon nicht besonders da. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht erreichen wir unsere versprochenen Klimaziele also weder bis 2020 noch bis 2050. Und das ist nicht witzig. In der Summe haben jeder Liter Sprit, den wir rausblasen, jeder Liter verflogenes Kerosin, jeder verstromte Brocken Braunkohle mörderische Folgen. Das könnte man im Grunde auch „Massenmord mit weißem Kragen“ nennen, mit Dürreopfern in Afrika und Überschwemmungsleichen in Asien. Und bitte nicht wundern, wenn noch mehr Klimaflüchtige zu uns nach Europa kommen.

Soweit, so seit Jahren bekannt.

Dabei wissen wir wie es gehen könnte. Die Deutsche Energie-Agentur dena zeigt mögliche Richtungen an: Integrierte Energiewende steht auf der Tagesordnung ihres am Montag, 16.11.2017, beginnenden Kongresses und das heißt zunächst einmal eigentlich Selbstverständliches: die Energiewende betrifft nicht nur Energieversorgung, sondern auch Mobilität, Gebäude und Industrieproduktion. „Braunkohle und Massenmord“ weiterlesen →

Sternstunde: Horst Stern wird 95

24.10.2017, von

Er war als Umweltjournalist nicht nur einer der ersten, sondern bis heute einer der besten. Präzise, verständlich, engagiert und unbequem. Zu seinem 90-sten Geburtstag vor fünf Jahren haben wir ihm und seinem Wirken einen kurzen Film gewidmet. Horst Stern hat sich schon seit Jahren zurück gezogen. Wie schade, dass dieser wundervolle Ex-SDR-Kollege in seiner letzten Lebensphase offenbar seine Lebensleistung nicht als das annehmen kann was sie ist: großartig. Sein Leben in Kurzfassung: bei „Spiegel-online“ wird heute sein 95-ster gewürdigt

Insektensterben als ernste Warnung

19.10.2017, von

Wieder einmal reagieren wir erst wenn es spät ist, hoffentlich nicht zu spät. So wie es aussieht sind unsere Insektenbestände in den letzten Jahren massiv in den Keller gekracht und eigentlich wussten wir das auch. Denn wenn immer mehr Insektenarten auf der Roten Liste landen und bedroht sind, wie das zu beobachten war, dann hat das auch Einfluss auf die Biomasse. Doch wen kümmern schon ein paar Fliegen mehr oder weniger. Nur: Der Verlust hat Folgen. Bienen, Schmetterlinge, Fliegen, sie alle spielen in unseren natürlichen wie landwirtschaftlichen Ökosystemen eine letztlich unersetzliche Rolle. Bei der Bestäubung vor allem im Obstbau, aber auch als Futter für Vögel.

Woher das Insektensterben kommt ist nicht sicher. Viel Auswahl bleibt nicht. Da ist zum einen die nächtliche Lichtverschmutzung durch künstliche Beleuchtungen, die Milliarden Insekten verenden lässt. Und dann die Landwirtschaft! Pestizide wie die lange eingesetzten Neonicotinoide sind erwiesene Insektenkiller. Vor allem aber: Lebensraumvernichtung durch industrielle Agrarproduktion. Immer weniger Blüten von immer weniger Arten stehen zu immer begrenzteren Zeiten zur Verfügung. Der letzte Ackerrandstreifen umgepflügt, Mais statt Weiden, Spalierobst statt alter Hochstämme, die letzte Wiese mit Tonnen Gülle zu artenarmer Hochleistung getrimmt, weniger Hecken, kaum noch Feldbäume – das alles bedeutet Nahrungs- und Lebensraumverlust für Insekten und ihre Larven. Schutzgebiete sind oft klein und isoliert, es fehlt die Vernetzung.

Und nun? Die Landwirte werden reflexartig sagen: wir sind’s nicht und die Studienergebnisse anzweifeln, Bund und Länder werden auf Brüssel zeigen und in Brüssel wird sich immer noch niemand trauen, die EU-Agrarpolitik endlich auf halbwegs umweltfreundlich zu trimmen. Ich glaube allerdings, ein weiter so wird auf Dauer nicht funktionieren weil wir die Folgen des Insektensterbens spüren werden. Wir brauchen einen Strukturwandel hin zu extensivererm wieder vielfältigerer Landwirtschaft, von der Bauern aber auch leben können. Wir brauchen in der Landwirtschaft eine bessere Durchsetzung von Vorschriften. Ungestraft umgebrochene Ackerrandstreifen darf es nicht mehr geben. Und wir brauchen bei uns Verbrauchern das Bewusstsein, dass billig nicht alles ist. Geld kann man nicht essen, das ist die Botschaft des Insektensterbens und wir sollten sie ernst nehmen.

Abstieg in die Unterwelt

07.09.2017, von

Nahezu unberührte Natur gibt’s bei uns im Südwesten quasi nicht mehr – außer unter der Erde. Für unsere Sendung „natürlich!“ bin ich dieser Tage in einen dieser naturnahen Flecken abgestiegen. Über knapp 30 Meter Leiter ging’s hinab in die Vetterhöhle bei Blaubeuren. Danach teils auf dem Bauch zwischen und unter Felsbrocken durch enge, lehmige Verstürze – das muss man mögen. 😉

Geführt hinein und sicher wieder hinaus begleitet haben uns die wunderbaren Petra und Markus Boldt vom Höhlenverein Blaubeuren.

Für mich und die mutigen Kamerakollegen von AV Medien war’s eine nachhaltige Erfahrung, tief unter der Erde mit den Naturkräften konfrontiert zu sein, die dort sichtbar gewirkt und gewütet haben, gigantische Trümmerwüsten unter Tage hinterlassend. 

Wirklich beeindruckend, diese Welt unter unseren Füßen, von der wir im Normalfall wenig mitkriegen. Mehr: 26.9., 18.15 Uhr bei „natürlich!“, SWR-Fernsehen, ab da auch in der Mediathek (einfach bei Google „SWR“ und „natürlich!“ eingeben).

Plastik vergiftet auch Nord- und Ostsee

27.07.2017, von

Ja, der große Strudel voller Plastikteile kreist in den südlichen Meeren. Aber was das Umweltbundesamt über Nord- und Ostsee schreibt ist auch bedenklich:

Auch in den heimischen Meeren ist die Belastung besorgniserregend. In der Nordsee haben bspw. 96 Prozent der tot gestrandeten Eissturmvögel Plastikteile in ihren Mägen, im Durchschnitt 25 Stück. Circa 98 Prozent der Nester in der Basstölpelkolonie auf Helgoland enthalten Kunststoffe, die Sterblichkeit erwachsener Vögel hat sich dadurch um das 2-5fache erhöht. Bei einem Pilotmonitoring von Plastikpartikeln in den Magen-und Darmtrakten von 258 im Freiwasser und 132 am Meeresboden lebenden Fischen in Nord- und Ostsee wurden in 69% der untersuchten Fischproben Mikroplastik nachgewiesen (untersuchte Arten waren Heringe, Sprotten, Fludern, Klieschen und Schollen).

Nicht schön.  Quelle: UBA

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