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Mein Kollege Ulf G. Stuberger ist gestorben

18.10.2015, von

Ulf G. Stuberger (Foto: Frieder Dreher)

Ulf G. Stuberger (Foto: Frieder Dreher)

Sein Geländewagen parkt am Ende der Straße. Es ist noch ziemlich dunkel. Ein kalter, regnerischer Herbstmorgen. Am Steuer sitzt Ulf G. Stuberger, neben ihm seine Frau Savelia. Ich sehe dampfenden Tee aus einer Thermoskanne, als ich neben ihnen parke. Ulf Stuberger sieht zu mir rüber und hebt lächelnd die Hand zum Gruß. Dieser Moment fällt mir als erstes ein, als ich höre: Er ist Anfang Oktober gestorben.

Wer ihn kennt und von den Eckdaten seines Lebens weiß könnte meinen, wir wären zusammen auf Reisen gewesen, vielleicht sogar in Afrika. Leider war das nicht so. Ich bin sicher, eine Afrika-Reise mit ihm wäre ein besonderes Erlebnis gewesen. Die oben beschriebene Szene spielte sich im Herbst 2010 auf dem Parkplatz vor dem „Mehrzweckgebäude“ in Stuttgart Stammheim statt. Wir haben nicht auf Giraffen gewartet, sondern auf die Öffnung des Gerichtssaals. Eine Abenteuerreise eigener Art.

Das Interesse an diesem Prozess, an der Berichterstattung über Terrorismus-Themen allgemein und der „Roten Armee Fraktion“ im Speziellen hat uns verbunden. Über dieses Thema haben wir uns kennengelernt und bis zuletzt immer wieder Kontakt gehabt. Dabei habe ich Ulf G. Stuberger als einen besonderen Menschen kennengelernt, der Ecken und Kanten hatte – aber mir gegenüber stets freundlich, hilfsbereit und kollegial war. Gerade in Stammheim konnte man ihn auch anders erleben. Insbesondere mit Blick auf eine Frau konnte der freundliche Herr mit Manieren alter Schule binnen Sekunden zu einem fauchenden Löwen werden. Wenn er Ungerechtigkeit witterte, verstand er keinen Spaß – und kannte keine Gelassenheit. Für einen Justizkorrespondenten vielleicht eine Grundtugend. Für Justizpersonal manchmal ein Graus.

Aus Karlsruhe hatte er schon 1977 unter anderem für Reuters und den legendären Gerhard Mauz berichtet – und er war tief gerührt, als ich erst kürzlich seine erste Reportage von der Ermordung von Siegfried Buback, Georg Wurster und Wolfgang Göbel im Archiv wiedergefunden habe. Ich bleibe dabei: Das war großes Radio. Bei der Beschäftigung mit der „RAF“ kam er selbst zwischen die Fronten und wurde bedroht, erzählte er mir vor Jahren. Auch deswegen habe er Deutschland verlassen. Er war Farmer in Namibia, züchtete Esel und kam irgendwann wieder nach Deutschland. Er war Journalist und Autor, unter anderem für die FAZ. Die Vielfalt seiner Werke kann man unter stuberger.de nachlesen. Offenbar gab es auch noch eine andere, wenig bekannte Seite von ihm, über die er mir nur wenig erzählen wollte. Der deutsche Auslandsnachrichtendienst BND und die „Abteilung S“ der Bundesanwaltschaft kamen in diesen Andeutungen jedenfalls nicht gut weg.

Trotzdem – oder deswegen – hatte Ulf Stuberger häufig exzellente Quellen. Manchmal gab er mir wertvolle Hinweise, stets trafen sie ins Schwarze. So war es auch bei unserer ersten Begegnung: Am Tag, als ich einen – aus damaliger Sicht – brisanten Stasi-Vermerk zum Buback-Mord veröffentlichte, rief er abends bei mir auf einer höchst privaten Nummer an, stellte sich (überflüssigerweise) vor und gratulierte mir. Ich rätsele bis heute, woher er meine Telefonnummer hatte. Schade, dass ich ihn nicht mehr danach fragen kann.

Ulf G. Stuberger verstarb am 04. Oktober 2015 in Pforzheim. Er wurde 66 Jahre alt.

Wer sich ein Bild von Ulf G. Stuberger machen will, dem empfehle ich besonders sein Buch „Ich war ein weißer Farmer in Afrika“.

 

 

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