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Highlights sprachlicher Minderleistung: In dubio torero

27.08.2015, von

Nebenbei bemerkt: Man muss Juristen nicht immer verstehen. Manchmal verstehen sie sich aber auch selbst nicht – oder reden schlicht Unsinn. Diesen Unsinn zu sammeln, hat sich seit einigen Jahren der Götttinger Oberstaatsanwalt Wilfried Ahrens zur Aufgabe gemacht. Er hat aktuell eine neue Sammlung mentaler Fehlleistungen von oder gegenüber Juristen vorgelegt, die ich lustig finde: „In dubio torero“ lautet der Titel und der Autor verspricht, dass sich darüber sogar „Skinheads in die Haare kriegen“. Was kein Wunder ist, wenn man „zu Hause eingetroffen, etwa 300 l Mariacron zu sich genommen“ hat. Aua. Aber es wird noch absurder.

Ein Zeuge darf seine Staatsangehörigkeit unwidersprochen mit „evangelisch“ angeben – und auch der Staat verzichtet offenkundig manchmal auf seine Neutralität, zum Beispiel, in dem er durch Gerichtsbeschluß qualitative Vorgaben für Schokoladenweihnachtsmänner macht. So wurde laut Wilfried Ahrens einem Angeklagten aufgegeben, „der Geschädigten bis spätestens zum 15. Dezember einen Schokoladen-Weihnachtsmann – mindestens von der Fa. Lindt – zukommen zu lassen“. Schokolade als Mittel – mit entsprechenden Folgen: „Körpergewicht: 186 kg. Körperlänge: 110 cm“, findet der Oberstaatsanwalt anderswo. Oder gibt man die Körperlänge doch besser in Euro an? Das hängt vom eigenen Zustand ab: „Zur Größe befragt, antwortet der Beschuldigte nach der Blutprobe dem Arzt mehrfach, er sei einen Euro siebzig groß. Erst nach Korrektur durch Polizeikommissar Schmidt erinnert sich der Beschuldigte an das Wort Meter“.

Allerdings bleibt unklar, ob es der gleiche Beschuldigte war, der den „Daihatsu wegen Fahrens unter BMW-Einfluss“ stehen lassen muss.

Laut Ahrens nehmen solche Fehlleistungen übrigens einerseits ab, seit weniger von Mensch zu Mensch diktiert wird. Andererseits sorge (fehlerhafte) künstliche Spracherkennung für neue Stilblüten…

Wilfried Ahrens: In dubio torero
Beck-Verlag, 9,95 Euro

 

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Kommentare zu „Highlights sprachlicher Minderleistung: In dubio torero“

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  1. Torsten
    schreibt am 13. November 2015 11:02 :

    Und dann war da noch die Kölner Staatsanwältin, die bei einem Prozeß nach Jugendstrafrecht ihr Plädoyer mit „[…] Stunden Sozialarbeit – oder so.“ beendete. Dem Richter und einigen Zuschauern fiel alles, was an Mimik vorhanden war, aus dem Gesicht.

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