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Staatsanwaltschaft München klatscht Beate Zschäpe

29.07.2015, von

Beate Zschäpe vor Gericht (28.07.15)

Beate Zschäpe vor Gericht (28.07.15)

Kein Straftatbestand – sondern eine strafprozessuale Selbstverständlichkeit. Das ist die Kurzfassung der vierseitigen Einstellungsverfügung, mit der die Staatsanwaltschaft München I die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die drei Strafverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm heute abgelehnt hat. Beate Zschäpe hatte ihre „alten“ Pflichtverteidiger angezeigt, weil sie gegenüber dem Vorsitzenden Richter den – aus Zschäpes Sicht – verräterischen Satz gesagt hatten, sie hätten Frau Zschäpe nicht angwiesen, keine Angaben zu machen – wenn sie hätte aussagen wollen, hätte sie es gekonnt.

Doch dieser Satz enthält kein Geheimnis, sagt die Staatsanwaltschaft München, sondern eine strafprozessuale Selbstverständlichkeit: Die Angeklagte kann tun und lassen, was sie will. Die Nachricht über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft erreichte die Beteiligten im NSU-Prozess wenige Minuten vor Beginn des heutigen Hauptverhandlungstages. Eine direkte Reaktion Beate Zschäpes war nicht zu erkennen – allerdings wirkte sie heute insgesamt angespannter als zuletzt.

Durch die schnelle und deutliche Reaktion der Staatsanwaltschaft ist viel Druck aus dem NSU-Prozess genommen – sofern sich Zschäpe nun nicht neue Dinge ausdenkt. Interessant an Zschäpes Anzeige ist aber weiterhin deren Motivation: Suchte sie nur einen (beliebigen) Grund, ihre alten Anwälte anzuzeigen – oder tut ihr der Satz zur Aussagebereitschaft tatsächlich weh? Letzteres könnte daraufhin deuten, welche Strategie Beate Zschäpe bislang für sich selbst verfolgte: Das „Opfer“ ihrer Anwälte zu sein, die sie an einer Aussage hindern. Nun ist aber für alle Beteiligten glasklar, von wem das Schweigen der Beate Zschäpe ausgeht: Von ihr selbst.

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Kommentare zu „Staatsanwaltschaft München klatscht Beate Zschäpe“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Ralf Möbius
    schreibt am 29. Juli 2015 15:30 :

    Ein schwerer Vertrauensbruch, dass die Verteidiger der Angeklagten nicht erlauben, sich hinter ihnen zu verstecken, wenn diese gegenüber dem Gericht äußern, sie hätten die Angeklagte nicht angewiesen, keine Angaben zu machen. Nicht bloß schlechter Stil, sondern klarer Verrat des Interesses der Angeklagten, den Grund für ihr Schweigen zu verbergen.

  2. Ralf Möbius
    schreibt am 29. Juli 2015 20:24 :

    Das würde ich so nicht sehen, nur, dass wohl der Interessenverrat nicht strafbar ist.

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