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NSU-Zeugin offenbar ohne Stasi-Vergangenheit

13.11.2014, von

Es ist eine sonderbare Volte, die ein Zeuge im „NSU-Prozess“ rund um die Vorgeschichte der Tatwaffe Ceska dargeboten hat. Der Schweizer Hans-Ulrich M. war im Ermittlungsverfahren mehrfach befragt worden, welche Rolle er bei der Weitergabe der Waffe gespielt hat. M. gab sich unwissend und weigerte sich, zum Prozess nach München zu kommen. Im Juni wurde er daraufhin in der Schweiz im Wege der Rechtshilfe befragt und gab die zu erwartenden, wenig hilfreichen Antworten.

Doch dann, unmittelbar nach der Vernehmung und quasi in Sichtweite des Gerichts, offenbarte sich Hans-Ulrich M. einem Rechtsanwalt der Nebenklage, Turan Ünlücay, und erzählte ihm eine völlig neuen Variante. In ihr spielt seine Exfreundin Sitta I. eine entscheidende Rolle. Sie soll nun an der Weitergabe der Waffe unmittelbar beteiligt gewesen sein. Kann das wahr sein? Oder ist es ein weiteres Kapitel in der schmutzigen Trennungsgeschichte des ehemaligen Paares? Darum wird es heute in einer weiteren Vernehmung von Sitta I. gehen. Ein vielleicht nicht unwesentliches Detail, das Hans-Ulrich M. Rechtsanwalt Ünlücay über Sitta I. erzählte, kann man überprüfen: Sitta I. soll für die Stasi gearbeitet haben, sagte Hans-Ulrich M. im Juni dem Nebenklageanwalt. Ist das so? Wohl nicht.

Auf meinen Antrag hin hat mir die Stasi-Unterlagenbehörde nun mitgeteilt: Es wurden keine Unterlagen zu Sitta I. im „derzeit erschlossenen Bestand“ der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes aufgefunden (Az. AU-6-01 17256/14 Z). Damit bleibt zwar die theoretische Möglichkeit, dass Unterlagen zur Zeugin vernichtet oder noch nicht rekonstruiert wurden. Doch weit wahrscheinlicher ist, dass sie nie für die Stasi gespitzelt hat. Das ist kein Beweis, aber ein deutliches Indiz, dass Hans-Ulrich M. eine Fabelgeschichte erzählt hat.

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Kommentare zu „NSU-Zeugin offenbar ohne Stasi-Vergangenheit“

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  1. Non Nomen
    schreibt am 13. November 2014 08:56 :

    Ebenso ist jedoch auch denkbar, dass die Vergangenheit der Zeugin Sitta I. von einer Seite „bereinigt“ worden ist, die ein besonderes Interesse an der Glaubwürdigkeit der Zeugin hat. Hierbei ist durchaus denkbar, dass eine Einflußnahme einfach nur in der Weise erfolgte, den Aktenbestand zur Zeugin „umzulagern“ in den „noch nicht erschlossenen Bestand“. Nichts würde vernichtet und hinterher hieße es lediglich „Pardon, ein Organisationsversagen kann mal vorkommen“. Seltsamkeiten hat es in Aktensachen in diesem Verfahren ja schon gegeben.

  2. Ahmed
    schreibt am 13. November 2014 12:34 :

    Ihre Recherchen sind verdienstvoll, aber Ihrer Ironie ist doch anzumerken, dass Sie diesen ganzen Radau in München nicht mehr besonders ernst nehmen.
    Da würde es sich doch anbieten, die eigene Position zu überdenken oder endlich eine solche zu entwickeln.

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