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NSU: GSG9 war zur „Wolfsjagd“ in Brandenburg

29.07.2014, von

Festnahme André E. (Archiv)

Festnahme André E. (Archiv)

Heute geht es im „NSU-Prozess“ unter anderem um die Zeugenvernehmung der beiden Brüder des Angeklagten André E.: Sein Zwillingsbruder Maik (der schon öfters im Prozess als Zuschauer zu Gast war und sich dabei selbst als Neonazi präsentierte) und sein älterer Bruder Ronny, der sich bei einer BKA-Vernehmung deutlich zu seinen Brüdern bekannte („ich liebe sie“), sich aber von deren Ideologie distanzierte. Ob sich die beiden Brüder heute äußern, ist fraglich. Zur Festnahme von André E. gibt es gleichwohl einige noch wenig bekannte, interessante Details. Der Zugriff fand in Brandenburg statt, denn André E. hatte sich im November 2011 aus Zwickau dorthin begeben, wohl um bei seinem Bruder Maik unterzutauchen. Das BKA hörte die entsprechenden Telefonate mit – und kannte Maik auch schon als einschlägigen brandenburgischen Neonazi. Es folgte einer der größten GSG9-Einsätz im Zusammenhang mit dem „NSU“: Die Wolfsjagd.Schon bei der üblichen „Vorerkundung“ durch die GSG9 wurde deutlich: Die Gegend, in der Familie E. in Brandenburg lebte, ist derart verlassen, dass ein Dutzend Männer mit entsprechenden Einsatzfahrzeugen (zivile SUVs deutscher Autohersteller) schnell für Aufmerksamkeit sorgen würden. Also brauchte man eine Legende, warum die Gruppe junger durchtrainierter Männer Ende November in einem einsamen brandenburgischen Landhotel eincheckte. Möglicherweise hatte jemand zur Vorbereitung des Einsatzes das Lied „Brandenburg“ von Rainald Grebe gehört. Dort ist nicht nur von Nazis im menschenleeren Brandenburg zu hören („es steh’n drei Nazis auf dem Hügel // und finden niemand zum verprügeln“), auch die Wiederkehr von Wölfen wird thematisiert („in Berlin kann man viel erleben // in Brandenburg soll es wieder Wölfe geben“). Oder ist “Jagen“ ein gängiges GSG9-Cover? Jedenfalls soll die Erklärung für das Auftauchen der Grupe gegenüber der Bevölkerung schlicht gelautet haben: Man sei eine Gruppe erfolgreicher Geschäftsleute auf Wolfsjagd. Halali!

Die „Jagd“ begann in den frühen Morgenstunden. Dabei musste die GSG9 auf verschiedene Umstände Rücksicht nehmen: Das Gelände war unübersichtlich, es waren sechs Kinder in den Häusern, mit Gegenwehr und Hunden war zu rechnen. Noch in den Minuten vor dem Zugriff soll es deshalb zu Änderungen im Einsatzplan gekommen sein. Der Einsatz der GSG9 begann gegen 06:30 Uhr und dauerte keine 15 Minuten. Danach begannen Kriminalbeamte des BKA, des LKA Brandenburg und Polizisten der „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ der brandenburgischen Bereitschaftspolizei sowie die Diensthunde „Taro“ und „Muck“ mit der Durchsuchung. Insgesamt waren mehr als 25 Beamte bei der Durchsuchung des Anwesens im Einsatz, nachdem die GSG9 abgezogen war.

Auf die Beamten machte das Anwesen einen „ungepflegten“ und „unordentlichen“ Eindruck. Und schon auf den ersten Blick sei zu erkennen gewesen, wes Geistes Kind die Bewohner waren, wird in einem Vermerk über die Durchsuchung festgestellt: Die Inneneinrichtung mit Bezügen zur Nazi-Zeit und den damals gebräuchlichen Zeichen lasse auf eine rechte Einstellung der Erwachsenen in dem Haus schließen.

André E. wurde schlafend auf einer Couch angetroffen und festgenommen. Der Rest ist bekannt – inklusive der fragwürdigen BGH-Entscheidung zum Nicht-Vorliegen von Haftgründen.

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