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17.04.89: Radiobombe explodiert im BKA

17.04.2014, von

17. April 1989: Rettungswagen verläßt das BKA (Quelle: HR)

17. April 1989: Rettungswagen verläßt das BKA (Quelle: HR)

Heute vor 25 Jahren: Der 17. April 1989 war kein guter Tag für das Bundeskriminalamt. Bei dem Versuch, zwei zu Bomben umgebaute Kofferradios zu entschärfen, explodierte einer der beiden Sprengsätze. Ein Beamter erlitt tödliche Verletzungen, ein anderer wurde schwer verletzt. Langgediente BKA-Mitarbeiter, die schon damals im Amt waren, sind vor einigen Wochen noch einmal nachdrücklich an die verunglückte Entschärfung erinnert worden. Denn kurz vor dem 25. Jahrestag starb auch der Beamte, der das Unglück damals schwer verletzt überlebt hatte und bleibende Schäden davon trug. Bis heute sind in dem Fall viele Fragen offen. Vor allem die Frage, in welchem Zusammenhang die Kofferradio-Bomben mit dem Lockerbie-Anschlag auf Pan Am Flug 103 im Dezember 1988 standen. Und warum die Brisanz der neuen Radiorekorder im April 1989 so spät erkannt wurde.

Denn während das Bundeskriminalamt die damalige Anti-Terror-Operation gegen eine Zelle der arabischen PFLP-GC (Palästinensische Befreiungsfront – Generalkommando) heute als großen Erfolg ansieht („Die Ermittlungen des BKA führten zur Zerschlagung der PFLP-GC-Zelle in Deutschland“) erinnern sich damals mit der Aufarbeitung befasste Beamte an eine ganze Reihe von schicksalhaften Verkettungen, bis der Sprengsatz im Untergeschoß des BKA-Gebäudes an der Wiesbadener Thaerstraße explodierte. Denn zunächst waren die Bomben gar nicht aufgefallen – und als sie im BKA waren, wurde ihre Brisanz zunächst unterschätzt.

Einer der zwischen Oktober 1988 und April 1989 in Deutschland sichergestellten Radiorekorder

Einer der zwischen Oktober 1988 und April 1989 in Deutschland sichergestellten Radiorekorder

Wie häufig bei deutschen Ermittlungen gegen den internationalen Terrorismus begann alles mit einem Tipp aus den USA. Monatelang wurden zwei arabische Terroristen in Deutschland beschattet, bis ihr Anführer im Oktober 1988 – also ein halbes Jahr vor der verunglückten Entschärfung und zwei Monate vor dem Lockerbie-Anschlag verhaftet wurde. Schon damals wurde ein präpariertes Radio gefunden.

Dann geschah der Anschlag über Lockerbie (21.12.1988) und am 13. und 17. April wurden dann die weiteren Radiobomben gefunden. US-Ermittler hatten den deutschen Kollegen eine konkrete Wohnung genannt, in der Sprengstoff versteckt sei. Doch eine Durchsuchung brachte zunächst keinen offenkundigen Bombenfund  – allerdings wurden unter anderem zwei tragbare Radiorekorder sichergestellt und ins Bundeskriminalamt gebracht. Dort wurden sie von einem Rundfunktechniker begutachtet – der die Brisanz der Sprengsätze erkannte, erinnern sich Beteiligte heute. Während des regulären Dienstbetriebs seien die Radios daraufhin in eine Werkstatt im BKA gebracht worden. Auf einem Rollwagen über die Behördenflure.

Die erste Entschärfung gelang. Doch das zweite Radio explodierte.

Offenkundig waren auch diese Radios für Anschläge auf Flugzeuge vorgesehen, denn auch sie hatten Druckzünder. Doch das konkrete Ziel konnte nicht festgestellt werden. Geklärt ist allerdings, wer für die Planungen der deutschen PFLP-GC-Zelle verantwortlich war: Hafez Kassem Dalkamoni, der schon im Oktober 1988 festgenommen worden war und später vom OLG Frankfurt/Main zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. 1996 wurde er nach Syrien abgeschoben. Ein Beteiligung am Anschlag auf Pan Am 103 konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

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