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Unbekannter Dialogversuch: Verena Beckers Brief aus dem Knast

02.02.2014, von

 

Verena Beckers Brief an Antje Vollmer (Quelle: Nachlass Ernst Käsemann, Uni Tübingen)

Verena Beckers Brief an Antje Vollmer (Quelle: Nachlass Ernst Käsemann, Uni Tübingen)

Es ist ein erstaunlicher Fund in der Tübinger Universitätsbibliothek, den mein Kollege Jan Seipel und ich gemacht haben. Dort liegen in der theologischen Fakultät Briefe zur „Vollmer-Initiative“ für einen Dialog mit inhaftierten RAF-Mitgliedern. Darunter Dokumente, die auf eine (bislang unbekannte) Dialogbereitschaft von Verena Becker hindeuten.

„Soeben ist der beiliegende Brief von Verena Becker angekommen“, schrieb die damalige Bundestagsabgeordnete Antje Vollmer am 08. Januar 1988 an den (inzwischen verstorbenen) Tübinger Theologen Prof. Ernst Käsemann. Vollmer weiter: „Er zeigt doch, dass sich was bewegt.“

Verena Becker selbst schrieb Anfang Januar 1988 an Antje Vollmer und Christa Nickels: „ich (und ich rede hier nur für mich) möchte auf euer gesprächsangebot zurückkommen.“ Sie bittet die beiden Abgeordneten um einen Besuch bei ihr in der Haftanstalt Willich. Denn: „zur zeit bin ich für mich dabei, eine art lebensperspektive zu finden und diese durchzusetzen“.

Ob es tatsächlich zu einem Gespräch gekommen ist und was dieses ergeben hat, ist unklar. Interessant ist allerdings, dass diese Gesprächsbereitschaft im „Buback-Prozess“ vor dem Oberlandesgericht Stuttgart offenbar keine Rolle gespielt hat. Zwar gab es jenseits der öffentlichen Hauptverhandlung Dokumente (beispielsweise aus dem Begnadigungsverfahren), die nur die Beteiligten kennen. Doch ein Eingehen auf die „Vollmer-Initiative“ dürfte allen Beteiligten noch in Erinnerung sein und hätte sich mit hoher Sicherheit auch in der Urteilsbegründung wiedergefunden. Weil es positiv für Verena Becker zu werten gewesen wäre. Doch beides ist nicht der Fall.

Verena Beckers Verteidiger zeigten sich auf meine Nachfrage überrascht. Rechtsanwalt Hans Wolfgang Euler wollte den Brief und seine Bedeutung spontan nicht kommentieren. Er wolle darauf in einigen Tagen zurückkommen, sagte mir Euler. Hintergrund dürfte sein, dass in nächster Zeit eine Anhörung am Oberlandesgericht Stuttgart stattfinden wird, ob Verena Becker ihre restliche Haftstrafe (ein Jahr und sechs Monate) antreten muss – oder Bewährung bekommt. Becker wurde vom OLG Stuttgart zu vier Jahren Haft wegen Beihilfe verurteilt, 2 Jahre und sechs Monate gelten laut Urteil als bereits verbüßt.

Eine Öffnung gegenüber Antje Vollmer und Christa Nickels, noch vor ihrer Begnadigung, könnte dabei durchaus positiv auf den Senat wirken. Allerdings stellt sich die Frage: Wenn Verena Becker den Brief selbst positiv findet – warum wurde er nicht schon während des Prozesses eingeführt?

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