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Mister Terrorismusbekämpfung: Der „Easy Rider“ Griesbaum gibt seinen Abschied

10.12.2013, von

"Mister Terrorismusbekämpfung" Rainer Griesbaum

„Mister Terrorismusbekämpfung“ Rainer Griesbaum

Bundesanwalt Griesbaum: Ein gemütlicher Easy-Rider-Typ, lange angegraute Haare, Vollbart, lässiges Auftreten, er bevorzugt das legere kleinkarierte Jackett„. Dieses Zitat aus der Linken Szene sorgte heute bei der Verabschiedung von „Mister Terrorismusbekämpfung“ (so Generalbundesanwalt Harald Range) für große Heiterkeit.

In einer Feierstunde würdigten unter anderem der Präsident des Bundesgerichtshofs Tolksdorf und BKA-Präsident Ziercke Rainer Griesbaum, der zum 31.12. in den Ruhestand tritt. Von RAF über Al Qaida bis NSU hat Griesbaum die vergangenen drei Jahrzehnte Staatsschutzermittlungen in Deutschland erlebt und geprägt, darüber waren sich alle Redner einig. Trotzdem (oder deswegen?) hagelte es reihenweise Spitzen, die zeigen, dass manchmal auch lässig auftretende Bundesanwälte nicht vergessen. 

So dankte Rainer Griesbaum artig der „verehrten Frau Staatssekretärin“ aus dem Bundesjustizministerium für deren Grußwort, um dann maliziös zu erwähnen, dass es „ja wohl auch Ihre letzte Amtshandlung ist“. Staatssekretärin Birgit Grundmann revanchierte sich und verlas aus dem von ihr überbrachten Schreiben der Noch-Bundesjustizministerin deren Dank, dass sich Griesbaum immer für die Rechte der Beschuldigten in Terrorverfahren eingesetzt und für deren schnelle anwaltliche Vertretung gesorgt habe. Es kam Stimmung auf. 

Warum nicht Rainer Griesbaum Generalbundesanwalt geworden sei, als dem Ministerium nach dem Ruhestand von Monika Harms „kurzfristig der Kandidat abhandengekommen war“ fragten mehrere Redner kaum verklausuliert. Generalbundesanwalt Range nahm die Bemerkungen mit Humor – und Griesbaum wies darauf hin, dass er es immer mit Churchill gehalten habe: „Wenn Chef und Stellvertreter einer Meinung sind, ist einer von ihnen überflüssig“. Im übrigen stimme die Behauptung, er sei zur Bundesanwaltschaft gekommen, weil er von einem Freund gehört habe, dass man mit einem solchen Job im Sommer schon am Nachmittag ins Freibad gehen könne. Dies sei aber ein Trugschluß gewesen.

BKA-Präsident Jörg Ziercke lobte Griesbaum als einen Polizeiversteher, der von leitenden BKA-Ermittlern sehr geschätzt werde, auch wenn er „manchmal ungeduldig gewesen sei“. Bei Ermittlungen habe Griesbaum seine Sachleitungsbefugnis „am liebsten vor Ort ausgeübt“, beschrieb Ziercke positiv ein Phänomen, dass Kriminalbeamte eigentlich gar nicht gerne haben: Einen sich einmischenden Staatsanwalt. Doch die gemeinsame Geschichte sei voller Ermittlungserfolge, so der BKA-Präsident: „Doch vergessen wir nicht, die Terroristen müssen nur einmal erfolgreich sein, wir immer“.

Blues beim GBA: Frank Wallenta

Blues beim GBA: Frank Wallenta


Dass man über die Terrorismusbekämpfung auch mal den Blues bekommen kann, machte Oberstaatsanwalt beim BGH Frank Wallenta deutlich: Der frühere Pressesprecher der Behörde zupfte und sang die musikalische Untermalung der Veranstaltung und wurde zum Dank von Griesbaum als der Lieferant der Blues-CDs geoutet, mit denen der Abteilungsleiter gelegentlich sein Büro und die anliegenden Flure beschallt habe.

Ein Nachfolger als Abteilungsleiter Terrorismus beim GBA gibt es noch nicht. Für Kurzentschlossene der Hinweis: Heute endet die Bewerbungsfrist. Bis zur Neubesetzung leitet Bundesanwalt Michael Bruns die Abteilung kommissarisch.

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Kommentare zu „Mister Terrorismusbekämpfung: Der „Easy Rider“ Griesbaum gibt seinen Abschied“

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  1. Janko Weber
    schreibt am 16. Dezember 2013 14:43 :

    Man könnte die Abteilung Terrorismus beim GBA auch ganz auflösen. Das ist doch sowieso alles nur Spinnerei.

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