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GBA identifiziert einen der Bonner Taschenbomber

18.10.2013, von

Ist das Marco G., der "Taschenbomber"?

Ist das Marco G., der „Taschenbomber“?

In der Öffentlichkeit ist die blaue Tasche fast in Vergessenheit geraten: Im Dezember 2012 wurde sie entdeckt – und seitdem gab es viele Fragen rund um die „Taschenbombe“ ohne Zünder: Wer hat sie warum dort abgestellt? War es ein Anschlagsversuch auf den Bahnhof? Oder sollte sie in einen Zug gelegt werden? Bislang interessierten sich die Ermittlungsbehörden vor allem für zwei Personen, die als mögliche Täter in Frage kamen: Jugendliche hatten einen Mann schwarzer Hautfarbe beschrieben, der die Tasche mit dem Sprengsatz auf einem Bahnsteig des Bonner Bahnhofs in den Händen gehalten und dann wieder abgestellt haben soll. Einen augenscheinlich anderen Mann filmten Überwachungskameras. Dieser Mann ist nun wohl identifiziert.

Es handelt sich nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wohl um den 26jährige Islamisten Marco G. aus Bonn. Er sitzt bereits wegen des Verdachts in Untersuchungshaft, er habe zusammen mit Komplizen die Ermordung von Funktionären der rechtsextremen Partei „Pro NRW“ geplant. Nun könnte ihm auch eine Anklage wegen der Taschenbombe drohen. Rainer Griesbaum, Leiter der Terrorismusabteilung beim Generalbundesanwalt, sagte mir anlässlich des „Interviews der Woche“ im SWR: „Wir haben aufgrund von kriminaltechnischen Erkenntnissen von Durchsuchungsergebnissen den Verdacht, dass ein Beschuldigter aus dem Komplex Pro NRW , Marco G., den Anschlag in Bonn am Hauptbahnhof begehen wollte“.

Zu den kriminaltechnischen Untersuchungen gehören nach meinen Recherchen nicht nur DNA-Spuren der Ehefrau und eines Kindes von Marco G. Zudem haben die Ermittler offenbar eine Jacke bei der Wohnungsdurchsuchung von G. gefunden, die der Jacke auf dem Video entspricht. Und es gibt wohl auch Hinweise darauf, dass G. eine entsprechende Tasche besessen haben könnte.

Trotzdem ist der Fall für die Ermittler noch nicht abgeschlossen, denn wer mögliche Mittäter waren, steht noch nicht fest. Der dunkelhäutige Mann, nachdem zunächst gefahndet wurde, wird inzwischen nicht mehr direkt mit der Tat in Verbindung gebracht. Eine Hypothese der Ermittler ist, dass er versucht haben könnte, die Tasche zu stehlen – bis er ihren brisanten Inhalt erkannte. Bundesanwalt Rainer Griesbaum will das so nicht bestätigen, der Mann sei aber wohl nicht derjenige, der die Tasche platzierte: „Welche Ziele er verfolgt hat, das wissen wir nicht. Aber es spricht alles dafür, dass er nicht derjenige war, der die Tasche abgestellt hat damit die Bombe dort detoniert“.

Wäre die Tasche explodiert, hätte es eine Vielzahl von Opfern geben können, sagte mir Rainer Griesbaum im „SWR Interview der Woche“. Offen ist allerdings weiterhin, warum Kriminaltechniker keinen Zünder finden konnten: „Das kann verschiedene Gründe haben, z.B. kann der Zünder beim Delaborieren zerstört worden sein, er kann abgefallen sein. Es gibt aber technische Vorrüstungen, die darauf schließen lassen und andere Erkenntnisse, dass diese Bombe zündfähig war und wenn sie gezündet hätte, viele Opfer auf dem Bahnhof in Bonn gefordert hätte.“

Nun konzentrieren sich die Ermittlungen auf mögliche Mittäter. Marco G sitzt weiter in Untersuchungshaft. Eine Anklage gegen ihn und vier weitere Personen aus der Bonner Islamistenszene wegen der geplanten Attentate auf Pro NRW Politiker könnte Anfang 2014 erfolgen.

Das SWR Interview der Woche wird unter anderem morgen um 18:32 Uhr auf SWRinfo gesendet.

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