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NSU: „Zeugin vom Dachfenster“: Wunsch oder Wahrheit?

30.09.2013, von

Das Dortmunder Dachfenster (Foto: Dirk Planert/wdr)

Das Dortmunder Dachfenster (Foto: Dirk Planert/wdr)

Eigentlich sollte ihre Vernehmung vor dem Oberlandesgericht München schon begonnen haben: Die „Zeugin vom Dachfenster“ Veronika von A. war für 09:30 Uhr geladen. Doch am Morgen hatte der Staatsschutzsenat den Beteiligten eine neue Aktenlieferung ausgeteilt: Fast 200 Seiten BKA-Ermittlungen, die sich mit der Aussage der 63jährigen Zeugin beschäftigen. Viel Lesestoff. Deswegen beantragte Rechtsanwalt Olaf Klemke (Wohlleben) eine mindestens 30minütige Unterbrechung, um die Akten lesen und besprechen zu können. Rechtsanwalt Heer (Zschäpe) monierte, die Nachlieferung lasse Fotos nur undeutlich erkennen – und wollte die Originale sehen. Das dürfte besonders für Blatt 6657 der Akten gelten: Es zeigt ein Bild der früheren Nachbarin Desiree D., mit der die Zeugin möglicherweise Beate Zschäpe verwechselt hat. Sehen sich die Frauen ähnlich? Trotz elektronischer Archivierung ist das derzeit nicht zu beurteilen. Aufschlußreich ist aber auch die Vernehmung des Ehemannes der Zeugin.

Der pensionierte Historiker bestätigte in seiner Vernehmung zwar, dass seine Frau bereits im November 2011 in Anbetracht der Medienberichterstattung über den NSU auf frühere Vorfälle auf dem Nachbargrundstück zu sprechen kam. Er selbst erinnert allerdings nichts – und ist in seiner langen Vernehmung mit dem BKA erkennbar bemüht, seine Frau in Schutz zu nehmen. Das geht so weit, dass er nach der Vernehmung intensiv versuchte, sein Protokoll zu redigieren – so dass es am Ende eher zu einer Art Lektorat wurde. Das BKA notierte, die Vernehmung sei schleppend und anstrengend verlaufen. Berufsrisiko, möchte man sagen.

Deutlich wird, dass sich das Ehepaar von A. in den vergangenen Jahren im besten Sinne mit der Aufarbeitung des Drittem Reiches beschäftigt und sich gegen Neonazismus engagiert hat. Für die Zeugin selbst dürfte Antifaschismus eine lange Tradition haben: Schon in den 1970er Jahren engagierte sie sich an führender Stelle in der bayerischen DKP. Mag hier der Wunsch zu helfen die eigene Wahrnehmung getrübt haben? Ihre Erinnerung soll jedenfalls mit den Aussagen präziser geworden sein, berichten Leute, die schon vor Wochen mit ihr gesprochen haben.

Das BKA hat sich auch mit einem möglichen Wohnmobil beschäftigt, das die Zeugin zur Tatzeit des Dortmunder Mordes gesehen haben will: Nach dem derzeitigen Stand hatte das Trio in dieser Zeit kein Wohnmobil – sondern einen VW Passat gemietet. Dieses Fahrzeug kommt für die Dortmunder Tat in Frage – jedoch wohl kein Wohnmobil. Wie ein VW Passat aussieht, wusste die Zeugin bei ihrer Befragung durch das BKA allerdings nicht.

Auch umfangreiche Vernehmungen der Nachbarn brachten keine neuen Erkenntnisse. Niemand sonst hat das Trio – oder Neonazis gesehen. Dafür gibt es viele Hinweise auf die „dubiosen“ Grabungen unter Verwendung von Folie auf dem Nachbargrundstück: Es war wohl ein Gartenteich.

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