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Beate Zschäpe als Model im „Eisenbahn-Kurier“?

05.08.2013, von

"Eisenbahn Kurier" 3/1990

„Eisenbahn Kurier“ 3/1990

Bevor der NSU­-Prozess in die Sommerpause entschwindet, melde ich mich aus dem Zug nach München zu Wort und möchte noch eine kleine Schnurre aus dem Gerichtsalltag erzählen: Der Staatsschutzsenat von Manfred Götzl sieht sich immer wieder freundlichen Mitbürgern gegenüber, die – je nach Sichtweise – dem Gericht bei seiner Arbeit helfen wollen oder zusätzliche Arbeit verursachen. So war es mit der vermeintlichen Anschlagsdrohung rund um den Prozess oder ist es durch Briefe, in denen die unterschiedlichsten Personen den Richtern ungebeten ihre Solidarität versichern oder mitteilen möchten, welche eigenen großen Dinge sie schon geleistet haben und sich deshalb mit dem Senat seelenverwandt fühlen. Solche Briefe sind in spektakulären Verfahren so normal, wie Wichtigtuer-Zeugen nach der Art, die im „Buback-Prozess“ grassierte (z.B. der Zeuge aus dem Märchenwald).

Aktuell hat ein Bürger den Senat auf die Zeitschrift „Eisenbahn Kurier“ hingewiesen. Konkret: Auf die Ausgabe März 1990. Diese Geschichte möchte ich kurz und mit einem Augenzwinkern mitteilen. Dabei heißt es: Verschwörungstheoretiker aufgepasst! Dieses Heft klärt fast den ganzen NSU-Fall. Wenn man etwas Phantasie und schlechtes Augenlicht aufbringt.  Die Fakten: Ein Mann hat an den Senat geschrieben und darauf hingewiesen, dass im besagten Heft des „Eisenbahn Kuriers“ ein Bild der jungen Beate Zschäpe zu sehen ist. Das Schwarzweis-Bild hat der Hinweisgeber dem Senat auch mitgeschickt: Eine Frau schaut aus dem Fenster eines D-Zuges, zwei weitere Frauen stehen auf dem Bahnsteig unter dem Fenster – wohl um sie zu verabschieden. Die Frau soll Beate Zschäpe sein, vermutet der Briefschreiber. Darauf wolle er den Senat hinweisen.

Lässt man sich einen Moment auf seine Vermutung ein, wird die Sache interessant: Das Bild wurde im Sommer 1989 in Dortmund aufgenommen, erzählte mir dieser Tage der Urheber, ein bekannter Eisenbahnfotograf aus dem Westfälischen. Beate Zschäpe hätte somit im Alter von ca. 14 Jahren aus ihrer Heimat in Jena (damals Sowjetische Besatzungszone „DDR“) eine „Westreise“ unternehmen müssen (worüber jedoch nichts bekannt ist). Immerhin hätte sie die Reise dann an einen der späteren Tatorte – Dortmund – geführt und der Zug wäre aus Köln gekommen, wo bekanntlich mehr als zehn Jahre später die beiden Bombenanschläge stattgefunden haben. Für Verschwörungstheoretiker ist das schon mal ein guter Anfang, da kann man sicher gerne darüber hinweg sehen, dass ihr das Bild nicht sonderlich ähnlich sieht.

Wer derart angefixt ist, wird mit etwas Kreativität in einer der beiden Damen auf dem Bahnsteig (die nur von hinten zu sehen sind) unsere Bundeskanzlerin in Rückenansicht erkennen (von der allerdings im Sommer 1989 auch keine Westreise bekannt ist, was die Sache aber nur noch geheimnisvoller macht). Zur Ehrenrettung des Hinweisgebers sei aber angemerkt, dass dieser die Kanzlerin nicht erkannt, jedenfalls nicht in seinem Schreiben erwähnt hat.

Genug des Unsinns: Wie man oben sehen kann, habe ich mir das besagte Heft auf dem Sammlermarkt für drei Euro besorgt – und zeige das Bild trotzdem nicht. Der Grund ist einfach: Für mich handelt es sich offenkundig nicht um Beate Zschäpe. Unterstützt wird mein Eindruck durch das Gespräch mit dem Lichtbildner: Der Fotograf teilte mir mit, er habe das Bild damals als Momentaufnahme gemacht, eigentlich sei es ihm um das Zuglaufschild Köln – Neuss – Düsseldorf – Essen – Dortmund – Hannover – Wolfsburg – Oebisfelde – Stendal – Magdeburg – Halle (Saale) – Leipzig gegangen. Insofern habe er auch nur eine indirekte Einwilligung der Damen zu dem Foto dadurch bekommen, dass sie noch mit ihm über das Motiv sprachen. Wer die Damen sind, weiß er also nicht. Damit wird es medienrechtlich heikel, eben weil ich mir sicher bin, dass es nicht Beate Zschäpe ist (deren Bild man wohl in Anbetracht der Umstände veröffentlichen dürfte).

Unter dem Strich bleibt also nur die Erkenntnis, mit welchen „Problemen“ sich der Senat herumschlagen muss. Und eine weitere Schnurre am Rande des Prozesses.

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Kommentare zu „Beate Zschäpe als Model im „Eisenbahn-Kurier“?“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Bert Grönheim
    schreibt am 5. August 2013 21:38 :

    Sie sagen es selber: Unsinn. Was mögen die Angehörigen zu solchen Banalitäten sagen? Und dafür hat es das Theater um die Vergabe der Journalistenplätze gegeben?

  2. Trino
    schreibt am 6. August 2013 08:13 :

    @Bert Grönheim

    Das ist wohl keine Berichterstattung aus dem Prozess, sondern der Eisenbahnfotograf hat Herrn Schmidt davon erzählt. Herr Schmidt wiederum hat entschieden uns hier an dieser Stelle zu informieren …

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