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NSU: Wurde aus Carsten S. der V-Mann „Delhi“?

10.07.2013, von

Carsten S.

Carsten S.

Es ist erstaunlich, was meine Kollegen Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia vom mdr herausgefunden haben: Fast 20 Monate nach Entdeckung der Terrorzelle NSU sind in einem Panzerschrank des Thüringischen Landesamtes für Verfassungschutz (TLfV) bislang unbekannte Unterlagen aufgetaucht. Das ist nach der bisherigen Entwicklung schon an sich ein Skandal: Dutzendfach ist beteuert worden, alle früheren Erkenntnisse lägen auf dem Tisch.

Doch auch der Inhalt an sich ist brisant: Es geht in den Unterlagen offenbar um einen Anwerbeversuch von Carsten S. im Jahr 2001. Unter dem Decknamen „Delhi“ wollte das Landesamt Carsten S. damals wohl als V-Mann anwerben. Ob es gelungen ist, erschließt sich aus den Akten nicht. Allerdings war die Operation wohl mehr, als nur ein Gedankenspiel. S. sei mehrere Tage lang observiert worden, recherchierten Ludwig Kendzia und Axel Hemmerling – dies sei das übliche Verfahren vor der Anwerbung, um den Lebenswandel der Zielperson zu erkunden.

Allein schon diese Observationsberichte düften für den NSU-Prozess von größtem Interesse sein. Denn sie könnten Aufschluß über den damaligen Lebenswandel von Carsten S. geben. Nach dessen Angaben entschied er sich im Spätsommer 2001 zum Ausstieg aus der rechten Szene. Sollte Carsten S. allerdings tatsächlich angeworben worden sein, so hat er dazu nicht nur vor Gericht die Unwahrheit gesagt, es wäre auch für den TLfV eine weitere Mega-Blamage. Denn bislang war immer erklärt worden, niemand im Umfeld der Gruppe sei V-Mann gewesen.

Die Anwälte von Carsten S. sagten mir heute vor Verhandlungsbeginn, Ihnen seien die angeblichen Unterlagen nicht bekannt. Jacob Hösl erklärte, sein Mandant bleibe aber in jedem Fall dabei, damals weder für den Verfassungsschutz gearbeitet, noch von ihm angesprochen worden zu sein. Man wolle nun wohl auf die Bundesanwaltschaft zugehen und diese um Aufklärung bitten, ergänzte Johannes Pausch. 

 

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