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NSU: Familie Wohlleben und das Knabbergebäck-Handy

01.07.2013, von

Ralf Wohlleben im NSU-Prozess

Ralf Wohlleben im NSU-Prozess

 

Es ist wirklich erstaunlich, welche Zufälle sich bei den NSU-Ermittlungen zutragen. Erst vor zwei Wochen gab es ja die Telefonnummern-Verwechselung, bei der ein Fehler der Telekom kurzzeitig einen völlig unbeteiligten Nürnberger Blumenhändler zu Unrecht mit dem NSU in Verbindung brachte. Gleiches hätte auch einem Mitarbeiter einer nordrhein-westfälischen Knabbergebäck-Firma passieren können, wenn sich das Bundeskriminalamt auf Angaben des Thüringer Verfassungsschutzes verlassen hätte. Doch die Ermittler waren gründlicher, als die Schlapphüte. Ralf Wohlleben dürfte dankbar sein.  

Beim Abgleich von Verbindungsdaten aus den Mordverfahren der „Ceska-Serie“ entdeckten die Ermittler eine auffällige Handynummer, die am 05. April 2006, also einen Tag nach dem Mord an Mehmet Kubasik in der „Tatort-Funkzelle“ eingebucht war – also in Reichweite des Handymastes am Tatort war. Diese Nummer ordnete das schon legendär zu nennende „Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz“ (TLfV) dem Angeklagten Ralf Wohlleben zu (Schreiben vom 07. Januar 2013). War Wohlleben also am Tag nach dem Mord am Tatort? Das wäre eine gravierende Neuigkeit. Doch er war wohl nicht dort. Jedenfalls war es zu diesem Zeitpunk nicht seine Handynummer, wie weitere Recherchen des BKA ergaben. Die Nummer gehörte zum Zeitpunkt des Mordes einer Firma, die Knabbergebäck vertreibt. Erst später bekam Ralf Wohlleben die Nummer.  Wie im Fall des Blumenhändlers ein erstaunlicher Zufall. Aber eben nur Zufall. Gut, dass das BKA die Angaben des Verfassungsschutzes Thüringen hinterfragt hat. Auf der Liste der Pannen dieses Amtes dürfte der Vorgang allerdings nur zur Fußnote reichen.

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Kommentare zu „NSU: Familie Wohlleben und das Knabbergebäck-Handy“

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  1. JLloyd
    schreibt am 1. Juli 2013 11:06 :

    Der diesem Desaster zugrunde liegende systematische Fehler erscheint mir typisch für die Arbeitsweise der Ermittler:

    Zur Konkretisierung der aus der Funkzellenabfrage resultierenden Telefonnummer wird die seit knapp 20 Jahren existierende automatisierte Kundenregisterauskunft genutzt. Diese verpflichtete die TK-Anbieter jedoch nur dazu ihre aktuellen Daten zum Abruf bereitzuhalten. Eine zeitliche Fortschreibung wie z.B. bei Einwohnermeldedaten üblich war nicht vorgesehen.

    Gleiches gilt m.W. übrigens für die Ortsangabe zur Funkzellen-ID selbst, aber die dürfte im Falle der Funkzellenauswertung zeitlich eng an den Vorgang gebunden sein. Bei Geprächsdatenauswertungen jedoch kann u.U. erst nach Jahren von Interesse sein, wo sich ein Mobilfunkteilnehmer bei Beginn und/oder Ende des Gesprächs befand.

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